Die Bankenkrise und ihre Konsequenzen für Anleger

2. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

In den vergangenen Tagen haben sich die schlechten Nachrichten über Banken in beängstigendem Ausmaß gehäuft. Das gegenseitige Misstrauen der Banken untereinander, das zurzeit hinter verschlossenen Türen – auch in der Politik und in den Aufsichtsbehörden – heiß diskutiert wird, ist sicher eine wichtige Ursache, aber beileibe nicht die einzige…

Daraus folgt: Die Bankenkrise spitzt sich zu, und sie wird dieses Mal die Geldhäuser des Euroraums härter treffen als etwa die britischen oder amerikanischen.

Noch vor wenigen Monaten verlautete aus Bankenkreisen zum Beispiel, die europäischen Institute (außer den griechischen) müssten im zweiten Quartal 2011 „nur“ 2,4 Milliarden Euro auf Anleihen abschreiben. Doch nun stellt sich heraus, dass unter Einbeziehung aller griechischen Anleihen zu deren aktuellen Kurswerten insgesamt rund 10 Milliarden Euro fällig gewesen wären. Davon wurden etwa 3 Milliarden Euro abgeschrieben. Die verbleibenden 7 Milliarden verunreinigen nun die Bankbilanzen und – was noch schwerer wiegt – drücken die Gewinne der europäischen Banken 2011 um etwa ein Zehntel.

Kein Wunder, dass in der einst angeblich so feinen und krisensicheren Branche auf einmal von Massenentlassungen die Rede ist. Das werden Sie als Kunde oder Kundin, falls nicht schon geschehen, noch zu spüren bekommen, indem man Ihnen mehr Kosten aufs Auge drückt, weniger Service anbietet und aggressiver auftritt. Zukunftsträchtige Geschäftsmodelle, die das Dilemma mit griechischen und sonstigen problematischen Staatsanleihen kompensieren könnten, sind im Bankensektor jedenfalls weit und breit nicht in Sicht.

Banken sind jetzt zwangsläufig immer mehr mit sich selbst beschäftigt. Das müssen sie zum größten Teil auf die eigene Kappe nehmen, weil sie früher sträflich mit ihren Risiken umgegangen sind. Dazu nur das folgende erschreckende Beispiel: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Dachinstitut der Zentralbanken, verglich die Konditionen von über 500 im Jahr 2010 ausgegebenen Anleihen, für die 116 Banken verantwortlich gezeichnet hatten. Ein vielsagendes Ergebnis: Die Risikoprämie – aus Gläubigersicht ein Mehrerlös, aus Schuldnersicht höhere Zinsen – ging zu etwa 30 Prozent auf die viel schlimmer gewordenen Länderrisiken zurück. Und nun kommt der Clou: Noch vor fünf Jahren, also vor der Krise, hatte das Länderrisiko bei der Höhe der Zinsen so gut wie keine Rolle gespielt.

Daraus folgt: Was die Einschätzung von Risiken angeht, müssen die Banken sich neu erfinden, und das ausgerechnet in der schlimmsten Schuldenkrise seit Jahrzehnten. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich im Zuge dieser Entwicklung untereinander immer mehr misstrauen. Statt sich gegenseitig Geld zur Verfügung zu stellen, wenn es irgendwo dringend gebraucht wird, bunkern sie es lieber bei der Europäischen Zentralbank… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Die Bankenkrise und ihre Konsequenzen für Anleger"

  1. exc530 sagt:

    Ich muss doch sagen, das hört sich alles garnicht so schlimm an. Zumindest aus der Sicht derer, die mit dem schlimmsten rechnen, à la Gerald Celente-prognosen z.B.
    Also werde ich mein für heute geplantes Hochzeitsgeschenk doch etwas kleiner ausfallen lassen müssen, da es noch Gründe gibt, sich nicht nur möglichst schnell, sondern auch möglichst sinnvoll von seinen bunten Papierschnipseln zu trennen 🙂
    Wenn ich das Paar noch enger kennen würde und auch noch sicher wüßte,das alles wirklich nicht so schlimm kommen wird, würde ich mich sogar für eine milde EM-Gabe entscheiden. Ach mein steter (deutscher?) Pessimismus läßt mich von diesem Tun abstand nehmen, sowohl die engere Beziehung zum Hochzeitspaar, als auch das Verteilen von milden Gaben, zumindest in EM-Form.

    Fröhliche Grüße, Günter

  2. Gernot sagt:

    Die „Länderrisiken“ kommen dadurch zustande, daß die europ. Banken soviele Staatsanleihen der Euro-Staaten gekauft haben. Und warum haben sie die gekauft? Weil die Banken die Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital hinterlegen müssen, angeblich weil sie kein Risiko haben.

    Warum ist das so? Weil die Politik das so beschlossen hat. Die Länder, vor allem die GIIPS, konnten so mehr Schulden machen, und die Banken freuten sich über mehr -angeblich risikolose- Zinseinnahmen. Also eine Win-Win-Situation? Mitnichten, denn heute sehen wir, daß sich die Länder zu hoch verschuldet haben und vor der Pleite stehen, und daß die Anleihen faul sind, die die Banken in ihren Büchern haben.

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