Die Banken, ihre Kunden und das Geschäft mit Edelmetallen

11. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Manfred Gburek

Die Deutsche Bundesbank hat gerade massiv vor den Problemen deutscher Banken gewarnt. Wer sich einen Eindruck vom ganzen Grauen des Bankgeschäfts mit privaten Kunden verschaffen möchte, braucht nur das Schicksal der Commerzbank zu verfolgen: Ihre Aktie hat innerhalb von viereinhalb Jahren zwischenzeitlich über 95 Prozent an Wert verloren…

Seit knapp drei Jahren befindet die Bank sich unter den Fittichen des Staates. Jetzt stellt sie das Privatkundengeschäft um: Ihre Verkäufer sollen nicht mehr so sehr dem Druck ausgesetzt sein, Finanzprodukte absetzen zu müssen, die ihre Kunden im Zweifel gar nicht brauchen. „Die Beratung soll sich künftig am Bedarf der Kunden und nicht an bankinternen Absatzvorgaben für einzelne Produkte ausrichten“, interpretiert das Handelsblatt den Schwenk in der Geschäftspolitik treffend.

Ja, wo sind wir denn eigentlich? Offenbar waren die bankinternen Absatzvorgaben ein Schuss in den Ofen, und das zuletzt sogar mit staatlichem Segen. Warum das Experiment mit dieser Verkaufsmasche schief gehen musste, liegt auf der Hand:

  • Ihre Vorläufer gehen, wie an anderer Stelle schon einmal erwähnt, bis in die 60er Jahre zurück, als die hochmotivierten Verkäufer der Investmentgesellschaft IOS auf Provisionsbasis erfolgreich Fonds quasi an der Haustür absetzen konnten.
  • Nach der IOS-Pleite 1970 stiegen viele von den Verkäufern auf Fondspolicen und Kapitallebensversicherungen um. Ihr Salär bestand da weiterhin in Provisionen, die vom Verkaufserfolg und nicht von der Qualität der Beratung abhingen.
  • Nur ausgebuffte Verkäufer schafften es, damit finanziell über die Runden zu kommen, während der Rest – Insider sprechen von 90 Prozent – auf der Strecke blieb.
  • Banken wie die Dresdner und deren ungeliebte spätere Mutter Commerzbank kopierten zum Teil die IOS-Masche, riskierten aber nicht, 90 Prozent ihrer Verkäufer mangels Vertriebserfolg an die frische Luft zu setzen.
  • Damit blieben die Banken auf hohen Personalkosten sitzen. Hinzu kam, dass erfolglose Verkäufer zum Teil so lange gemobbt, bis die allgemeine Stimmung auf Frost- und Frustniveau kippte.

Der Fall Commerzbank ist nur einer von vielen, allerdings der zurzeit prominenteste, was die Irrungen und Wirrungen im Bankgeschäft angeht. Verkaufsdruck wird auch anderswo ausgeübt, nicht nur bei privaten Banken, sondern auf ähnliche Weise bei Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken. Der Wechsel zur Honorarberatung – mit der Folge, dass Anlageberater etwa so honoriert würden wie Steuerberater oder Rechtsanwälte – wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen, weil er ein von Grund auf neues Geschäftsmodell, universell ausgebildete hochqualifizierte Berater und neue Softwaresysteme erfordert.

Für Sie als Kunden hat das Konsequenzen, die zu einem erheblichen Teil in der totalen Ablehnung komplexer provisionsträchtiger Finanzprodukte bestehen sollten: keine Fonds, keine Zertifikate, keine unübersichtlichen Verbundprodukte, kein Trading mit irgendwelchen Derivaten, keine Riester-Rente, keine Fondspolicen oder Kapitallebensversicherungen. Diese Produkte sind überwiegend von Finanzmathematikern und Marketingleuten konzipiert, deren Aufgabe in erster Linie darin besteht, die Erträge der Anbieter zu maximieren, nicht die der Anleger… (Seite 2)


 

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9 Kommentare auf "Die Banken, ihre Kunden und das Geschäft mit Edelmetallen"

  1. FDominicus sagt:

    Zu den Lebensversicherungen gilt aber auch noch:
    http://www.versicherungsgesetze.de/versicherungsaufsichtsgesetz/0089.htm

    Welche Karte wird wohl in absehbarer Zeit gezogen werden?

  2. crunchy sagt:

    Den Kalauer gibt es schon seit Generationen:
    Willst Du ein kleines Vermögen machen, geh´ zur Bank,
    und nimm ein grosses mit.
    Aber auch: Gier schlägt Hirn.

  3. Fnord23 sagt:

    ja so ist es!

    Aber mal ehrlich, wo kein Kunde, da kein Absatz. Solange die Kunden
    diese Produkte tw. selbst nachfragen, weil man zu träge ist das Gehirn ein
    zuschalten…… Dann fällt mir dazu auch nichts mehr ein. Als Selbstaendiger
    hatte ich die Freiheit aus dem Vertrieb dieser Produkte aus zu steigen.
    Nun bin ein Nestbeschmutzer, aber zumindest hab ich mir nichts vor zu
    Werfen.

    Nur was macht der kleine abhängig Beschäftigte bei der Bank X?
    Oder der Hyposklave?

    Das geht nur durch Kaeuferstreik.

    Die Vermittler sind doch selbst in LV Riester Ruerup drin. Und nicht zu knapp.

    VG aus Sachsen

  4. Kintao sagt:

    Was spricht den gegen Full Replication ETFs? Da sind die Aktien doch im ETF enthalten!? Also ist es ein Sondervermögen!
    Oder überseh ich was?

  5. vegaman sagt:

    Im Bereich ETF/ETC muss ich jedoch einen kleinen Hinweis hinzufügen, bevor das Kind komplett mit dem Bade ausgeschüttet wird. Es lohnt unter Umständen, die Prospekte von Sprott Asset Management und der ZKB zu ihren Produkten im Edelmetallbereich zu lesen. Die Prospekte der ZKB sind dabei ja sogar auf Deutsch. Ich denke, hier sind Bedingugnen sehr klar und verständlich formuliert und bei Beträgen, bei denen man dort investieren muss, um die physische Auslieferung auch zu erhalten sollte man es sich überlegen, ob man das wirklich gerne unter dem Kopfkissen liegen hat.

    Komisch, beide Produktpaletten werden in Deutschland nicht aktiv vertrieben, woran das nur liegt?

    (@Kintao: Full Replication bedeutet gerade, dass dort 0,000% an Aktien drin sind, das sind 100% Derivate!! Das sind genau die, vor denen im Artikel zu Recht gewarnt wird!)

    vegaman

  6. Fila sagt:

    Der Prospekt des ZKB Silver ETF macht aber deutliche Einschränkungen was die physische Auslieferung angeht. Im Fall der Fälle zählt nur die Unze im eigenen Tresor, da machen auch leider ZKB EM ETFs keine Ausnahme. Und ob die ZKB wirklich keine Verleihungen unternimmt, kann nur vermutet werden.

    • vegaman sagt:

      na ja, wenn Du 1000 Unzen bzw. einen 31kg-Barren lieber in Deinem eigenen Tresor haben möchtest, bitte sehr.

      Wenn wir jedoch über z.B. 10 oder 100 Unzen reden, wären die vllt. wirklich besser im eigenen Tresor aufgehoben.

      Ich denke, da muss jeder selbst wissen, wie er mit umgeht. Daher schrieb ich ja, Bedingungen lesen.

      P.S.: Wer sagt Dir, dass Deine Bank Deine Aktien nicht verleiht? Wer sagt Dir, dass Deine Aktien tatsächlich existieren und nicht aus einem naked short sell stammen? Schon mal versucht, Dein Depot in ein Streifband-Depot zu lagern (was einem allocated account entsprechen würde)? Das ist bei Aktien inzwischen quasi unmöglich. Viele Aktien gibt es nur noch als Globalurkunde. In wie weit inzwischen Aktien tatsächlich noch als Sachwert anzusehen sind, ist mir inzwischen nicht mehr so klar. Aktien scheinen nur noch ein Anspruch auf einen Sachwert zu sein. Da kann ich zu einem ZKB Silber ETF keinen Unterschied mehr erkennen. Ganz im Gegenteil: Nehmen wir wirklich einmal an, die physische Ware aus einem Silber ETF und Aktien würden wirklich verliehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das physische Silber dabei den Tresor verläßt ist wohl eher sehr gering (selbst wenn der Käufer der Ware vom Short seller die physische Auslieferung verlangt), während hingegen bei den Aktien gar keine physische Ware vorhanden ist. Der unrechtmäßige Silber Verleiher hätte somit ein klares Pfand in der Hand, mit dem er seinen Verpflichtungen nachkommen könnte. Bei Deinen Aktien im Depot guckst Du in die Röhre, wenn es mal richtig kracht. Wenn es 10% short seller gibt und Du 100 Aktien Depot hast, würde es mich dann nicht wundern, wenn davon am Ende maximal 90 übrig bleiben…

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