Die Banken die schaffen das

26. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

Von Bankhaus Rott

Frei nach der bundesdeutschen Vorzeigeschweigerin ist auch in der Finanzbranche der Satz „Wir schaffen das“ auf dem Vormarsch. Zum Thema Negativzinsen äußerte sich der Chef des Filialgeschäftes der Deutschen Bank und sagte „Bei uns nicht“. Wie lange diese Aussage Gültigkeit hat, sagte er nicht.

Die negativen Zinsen sorgen entgegen den Aussagen zu den ungeplanten oder geplanten Dummheiten der Zentralbank für große Schmerzen im Gebälk der Banken. Die Frage, die sich in der Branche zumindest in internen Meetings stellt ist an wen muss man wann die negativen Sätze weiterreichen. An vielen Stellen passiert das schon, so zahlen die meisten Investmentfonds für ihre Kassenbestände bereits munter negative Zinsen von etwa 0,4% pro Jahr. Die Enteignung der Sparer findet also bereits unabhängig vom Tagesgeldkonto in hohem Maße statt.

Die in Deutschland gehaltenen Investmentfonds haben ein Volumen von 2.700 Milliarden Euro. Jeder Fonds hat für die Verrechung und die Kassehaltung ein Konto und gegebenenfalls auch eines oder mehrere Auslagerungskonten. Pro Prozent des Vermögens, dass in der Kasse liegt kommen so rund 100 Millionen zusammen. Diese Kosten gesellen sich zu den laufenden Gebühren hinzu, die der Kunde ohnehin zahlt.

2016_08_16_BVI-Grafik_Fondsvermoegen_Juni2016

Nur die Kassenquote erzählt natürlich nur einen kleinen Teil der Wahrheit, denn in irgendwelchen Fonds liegen auch Anleihen mit einem Volumen von zig Millarden, die eine negative Rendite aufweisen. Spüren Sie schon den heißen Atem des Aufschwungs und eine nicht zu unterdrückende Konsumneigung? Brüder zur Sonne zur Grundsicherung im Alter. In einem Land mit 50% Rentnern, 25% Altenpflegern, 15% Sozialarbeitern und 10% Verwaltungsangestellten blüht so manchem im Alter mehr als nur die Landschaft. Zum Glück können Aktien nur steigen, von einigen Unfällen mit minus 75% einmal abgesehen.

Christian Sewing, der erwähnte Chef des Filialgeschäftes der Deutschen Bank sagte außerdem, die Lage der Bank sei weitaus besser als es den Anschein haben mag. Es sei „vollkommen stabil“. Abgesehen davon was man unter unvollkommen stabil zu verstehen hätte können wohl die meisten Menschen derartige Parolen aus dem Sektor nicht mehr hören. Der einzige spannende Punkt steckt in einer Aussage Sewings, eine mögliche Kapitalerhöhung sei derzeit kein Thema. Das wollen wir mal in aller Ruhe auf uns wirken lassen und fragen uns, inwiefern der Hauptverantwortliche für die Filialen den Zustand der Bilanz der Bank beurteilen kann oder möchte. Man sollte den Vorstand in ein oder zwei Jahren an dieser Aussage messen. Offensichtlich sieht man den Finanzierungsstress durch die veränderte Situation bei den US-Geldmarkfonds entspannt. Vielleicht weiß man auch nichts davon.

Natürlich möchte man die Privatkunden, die derzeit nicht gerade in Massen zum Haus mit dem blauen Logo strömen nicht noch mehr verunsichern. Das ist nachvollziehbar. Ob solch gleichermaßen platte wie sehr ambitionierte Aussagen, die sich angesichts der fragilen Lage des gesamten Sektors und des dahinbröselnden Dollar-Fundings lange aufrecht erhalten lassen, darf bezweifelt werden. Der Versuch, die Kunden in Sicherheit zu wiegen könnte scheitern und der Schuss aus Marketingsicht nach hinten losgehen.

Nicht zu verleugnen sind allen anderslautenden Verkündungen zum Trotz die Negativzinsen. Sie existieren sehr wohl und viele Kunden zahlen bei vielen Instituten bereits auf die eine oder andere Weise negative Sätze. Das Beispiel der Fonds zeigt einen möglichen indirekten Weg, der den meisten Kunden nicht bewusst sein dürfte. Manche Banken mindern die entstehenden Kosten auf der Zinsseite und holen sich ihren Anteil über erhöhte Gebühren wieder.

In einem Geschäft, dass teils extrem gut skalierbar ist und in dem die Automatisierung und die Digitalisierungsmöglichkeiten rasant voranschreiten dürfte man in nicht allzuferner Zukunft die Kosten auch auf andere Weise senken. Viele Banken wursteln noch mit Systemen aus den 80er Jahren herum, basteln ein bisschen mit Excel und VBA herum und hoffen, dass die letzten beiden COBOL Kenner es mit dem Renteneintritt nicht allzu einig haben. Diese Durchwurstelei wird nicht mehr lange funktionieren.

Wer ein IT-Consulting gründen will mag in der Finanzbranche eine Menge Geld verdienen. Wen das alte Bankgeschäft sich aber für eine Beschäftigung in einer Zukunftsbranche sucht, sollte sich aber lieber woanders umschauen. Wer möchte schon das Mantra der Zechenarbeiter wiederholen: Opa war auf Zeche, Papa war auf Zeche, ich geh da auch hin. Das war kein sonderlich cleverer Entschluss.

 

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Ein Kommentar auf "Die Banken die schaffen das"

  1. FDominicus sagt:

    Der Titel gefällt mir irgendwie nicht.
    wie wäre es mit:
    Die Banken, die schaffen uns

    Find‘ ich persönlich besser, YMMV – wie immer

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