Die Bahn kam.

28. Dezember 2010 | Kategorie: RottMeyer

Neben Arbeitslosenzahlen und den Daten zum Energieverbrauch der Industrie sind auch die Daten des US-Transportgewerbes ein guter Indikator, um den Zustand und die Dynamik einer Volkswirtschaft einzuordnen. Auch wenn der Mythos einer ebenso bargeld- wie warenlosen „Dienstleistungsgesellschaft“ sich hartnäckig hält – ohne Wertschöpfung passiert nun einmal nichts…

Wenn man andere Länder günstig dazu überreden kann, für Dekaden die Produktion zu übernehmen, kann man dies schon einmal übersehen. Richtiger wird es dadurch aber nicht.

Auf der Suche nach aussagekräftigen Daten muss man sich des öfteren so einiges einfallen lassen, sind die Quellen doch manchmal nur über Umwege zu erhalten. Erfreulicherweise ist das Eisenbahnergewerbe in den USA sehr offenherzig, wenn es um die Veröffentlichung der entsprechenden Kennzahlen angeht. Die Bahn mag vielerorts als altmodisch belächelt werden, ein rostiger Waggon schaut nun einmal nicht eben modern aus. Spätestens aber beim Versuch, ein paar hunderttausend neu produzierter Automobile oder auch ein paar Tausend Tonnen Erz von A nach B zu bringen, versteckt sich die Luftfrachtbranche verschämt im Hangar. Der Containertransport wird ebenfalls von der Schiene dominiert.

Die Daten, die von ASI Transwatch zusammengefasst werden geben den Zustand der US-Ökonomie sehr zeitnah wieder. Sich abzeichnende Trends oder Trendveränderungen sind rasch zu erkennen. Zunächst einmal ein Blick auf die historische Entwicklung in den Jahren 2005 bis 2009. Die vielzitierte Erholung ist rechts unten in der Darstellung sehr gut zu erkennen, wenn sie auch auf tiefem Niveau stattfand.

Nun ist das aktuelle Jahr von Vergleichen geprägt, die sich auf 2009 beziehen, ein Jahr, dass in vielen Bereichen äußerst schwache Daten hervorbrachte. Schwache Daten im Vorjahr begünstigen aber den Basiseffekt, so dass es in vielen Segmenten ein leichtes war, sich vom Elend des Vorjahres abzusetzen. Gegenüber dem auch schon nicht sonderlich erfolgreichen Jahr 2008 hingegen, fallen viele Indizes immer noch stark ab. Das gilt auch für die über Schienenwege transportierten Gütermengen.

Die oben stehende Tabelle zeigt diesen Unterschied sehr deutlich. Geradezu erschreckend, vor allem vor dem wirklich lächerlichen Hype um die Auto-Pleitiers von General Motors sind die Daten zu den durchs Land transportierten Kraftfahrzeugen.

Auch die Warengruppe Forest bietet neben den Basismetallen keinen schönen Anblick. Es handelt sich hier nicht um Kaminholz sondern natürlich größtenteils um Bauholz und Basismaterial für die Papierherstellung. Die Zahlen vom Bau und vom Häusermarkt passen zu diesen äußerst schwachen Zahlen. Naturgemäß erfreulicher sind die Daten zu den nichtzyklischen Gütern wie Agrarprodukten und Lebensmitteln.

In Bildern sieht das Ganze zum Beispiel bei den Autos wie folgt aus.

Wie verhält es sich denn mit den Veränderungen auf Jahresbasis? Durch die schrittweise Erholung auf das immer noch mäßige Niveau hat sich der Basiseffekt so langsam herausgewachsen, so dass es schwieriger sein sollte, noch ein Wachstum vorzuweisen. Und genauso sieht es derzeit aus. Dem Wachstum geht nicht nur die Puste aus, es ist quasi über einen sehr kurzen Zeitraum auf die Nulllinie gefallen. Boom, Aufschwung und Erfolge der Politik und Zentralbank zeichnen sich hier nicht ab, einzig die Kurzatmigkeit der Maßnahmen wird deutlich.

Der Einbruch folgte in allen vier Segmenten auf eine längere Phase bereits nachlassender Dynamik. In allen Bereichen war der Einbruch ebenso deutlich wie abrupt. Sehr schön zu sehen, und ähnlich wie am Häusermarkt, wenn auch etwas deutlicher, ist die beendete Erholungsbewegung der vergangenen Monate. Wenn man sich vor Augen hält, wie viel Geld – vorhandenes und frisch gepresstes – in die Hände genommen wurde, um den Hypothekenmarkt zu verstaatlichen, Autohersteller, Versicherungen und Banken zu subventionieren und hier und da ein paar Löcher zumindest zum Teil zu stopfen, dann ist die Schwäche der gesamten Erholung schon sehr traurig.

Die Mittel des Schatzamtes und der Zentralbank sind ausgeschöpft, die kurzfristigen Zinsen sind nahe Null. Allenfalls die Wiederholung, sprich Aufstockung bereits laufender Maßnahmen verbleibt im Köcher. Strukturell ist leider seit Jahren rein gar nichts passiert, und es sieht ganz so aus, als sollte sich dies irgendwann rächen. Schulden mit Schulden zu heilen wird nicht funktionieren und mit Drogenausgaben an vollständig abhängige Großbanken ist der Realwelt leider nicht zu helfen.

© Vorstand BANKhaus ROTT

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