Die Angst im Nacken

24. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Robert Rethfeld

Die Angst ist ein Hauptbestimmungsfaktor menschlichen Seins. Angst kann lähmen, aber auch zu Unfällen, Katastrophen oder – genauso gut – zu tollkühnen Entwicklungen führen. Man nehme Apple-Gründer Steve Jobs, der sich – nachdem er das Unternehmen in den 1980er Jahren verlassen musste und erst Ende der 1990er Jahre zurückkehrte – fortan in einem Krieg mit der Konkurrenz sah: „Ich werde Android vernichten, weil es ein gestohlenes Produkt ist. Ich werde einen Atomkrieg dagegen führen“ (Spiegel-Online vom 21.11.2011). Jobs wollte nicht noch einmal die Loser-Karte ziehen.

Angst, nur zweiter Sieger zu sein, bestimmt auch denjenigen, der auf der Autobahn mit Tempo 250 vorneweg rast, gefolgt von einem ebenso schnellen Fahrzeug, das dem Vordermann auf der Stoßstange hängt. Der Vordermann hat Angst, die Führung abgeben zu müssen, der Hintermann hat Angst, den Anschluss zu verlieren. Viele von uns haben solche Bilder auf der Autobahn gesehen. Einige der Leser mögen bereits direkte Beteiligte gewesen sein (z.B. der eine oder andere Investmentbanker, der seinen Bonus in einen Maserati umsetzte), die meisten von uns sind Beobachter. Auch eine solche Situation führt zu tollkühnen, allerdings völlig sinnlosen – und andere gefährdenden – „Leistungen“.

An der Börse spielen Ängste eine große Rolle. Die Kurse steigen, die Jahresperformance ist mager: Was ist, wenn der – möglicherweise bereits im Abfahren begriffene – Zug verpasst wird? Nichts wie drauf, sonst sind die Boni futsch, vielleicht sogar der Job. So oder ähnlich könnten die Profis aktuell denken.

Sollte man meinen. Doch die Marktteilnehmer sichern sich ab, und zwar mit Puts. Im 50-Tages-GD (gleitender Durchschnitt) befindet sich der Wert bei 1,20. Aktuell werden – das ist ungewöhnlich – mehr Puts als Calls gekauft.

Einen Durchschnittwert von 1,20 für die vergangenen 50 Tage ist ein Spitzenwert, der selbst in der Phase der Rezession von Ende 2007 bis Mitte 2009 nicht zu verzeichnen war (obiger Chart). Man kann argumentieren, dass Absicherungsstrategien im Laufe der vergangenen Jahre ein integraler Bestandteil des Instrumentariums von Fondsmanagern geworden sind. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Fondsmanager bereits 10 Jahre Seitwärtsmarkt mit zwei großen Einbrüchen von mehr als 50% zu verzeichnen haben. (Seite 2)

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