Die Ampel steht auf rot!

25. November 2013 | Kategorie: Gäste

von Ronald Gehrt

Wieder einmal feierten Aktienindizes wie DAX, Dow Jones und S&P 500 in der abgelaufenen Woche neue Allzeithochs. Dass sich die Menschen vor Glück nicht weinend in den Armen liegen, sich bei Ferrari nicht die Vorbestellungen stapeln und das Wachstum in den USA ebenso wie in Europa so erbärmlich ist…

…das die Notenbanken gar keine andere Wahl haben, als weiterhin mit billigem Geld um sich zu werfen, ist für die bullishen Akteure Grund genug, diese Hausse, die seit März 2009 Bestand hat, einfach mental in das Jahr 2014 zu verlängern. Nicht, dass die Analysten in ihrer erdrückenden Mehrheit nicht jemals etwas anderes getan hätten als laufende Trends zu verlängern (solange sie aufwärts gerichtet sind). Aber die geringen Umsätze und der kaum vorhandene Widerhall neue Rekorde in der Gesellschaft sind für diejenigen, die bis über die Halskrause Long investiert sind, ein klarer Beweis, dass sich die Kurse gerade mal erst warmgelaufen haben. Denn das bedeutet doch nichts anderes, als dass alle anderen erst noch kaufen müssen.

Die persönliche Wahrheit ist der Anteil der Realität, der einem in den Kram passt. Das ist eine ebenso simple wie in jeder Lebenslage zutreffende Erkenntnis. Und so übersehen die bullishen Akteure einige Kleinigkeiten. Was beispielsweise die niedrigen Umsätze angeht, so sind zwei Aspekte dafür verantwortlich. Zum einen schrumpft die Zahl derer, die sich aktiv an den Börsen und insbesondere an den Aktienmärkten beteiligen, mit jedem Jahr weiter. Zum einen, weil viele Menschen den Börsen zu Recht aufgrund der Eskapaden der letzten 15 Jahre misstrauisch gegenüber stehen und sich immer weniger „Börse“ auch leisten können. Zum anderen, weil immer mehr Aktivitäten von dem Derivatemärkten übernommen werden. Es werden immer weniger Aktien, dafür aber immer mehr Futures, Optionen, Zertifikate und CFDs bewegt. Was übrigens das Risiko, dass die Lage bei fallenden Kursen außer Kontrolle gerät, ebenso deutlich erhöht hat wie die zunehmende Dominanz computergesteuerter Handelsprogramme in den letzten Jahren. Anders ausgedrückt: Wenn es knallt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kursbewegungen wie im Jahr 2008 dagegen aussehen wie ein Kindergeburtstag, unangenehm hoch.

Aber es gibt da noch ein paar andere Aspekte, die man im Hinterkopf behalten sollte. Richtig ist, dass das billige Geld offiziell die Wirtschaft stützen und stimulieren soll, de facto aber vor allem dafür da ist, die Kapitalmärkte zu beruhigen und die insbesondere die Aktienmärkte zu stabilisieren. Denn was primär in den Anleihemarkt gestopft wird, um die Zinsen künstlich niedrig zu halten, fließt als Folgereaktion durchaus in die Aktienmärkte. Entweder als Gewinnmitnahmen im Zuge steigender Anleihekurse wegen der gefallenen Zinsen oder direkt aufgrund der geringen Attraktivität des momentanen Zinsniveaus. Schön.

Dass die Zinsen am Kapitalmarkt trotz dieser permanenten Gelddusche durch die Notenbanken sukzessive zulegen, hat bislang zwar noch nicht zu einem Run auf festverzinsliche Wertpapiere geführt, reicht aber, um das ohnehin jeglicher aktiven Triebfeder entbehrende Wachstum in den USA und Europa abzuwürgen. Nicht schön. Denn damit weitet sich die Schere zwischen steigenden Aktienmärkten und der Realität außerhalb der Börsentore immer weiter aus.

Nun kann man zwar einfach behaupten, dass im Falle einer zu starken Divergenz zwischen Realität und Aktienmärkten nur noch mehr Geld gedruckt werden muss, dass dann im Notfall einfach direkt an die Aktienmärkte gebracht wird, wie man es in Japan vor 20 Jahren schon einmal (erfolglos übrigens) versuchte. Dass man sich dabei keine Gedanken über die mittel- und langfristigen Konsequenzen dieses Wahnsinns macht, ist sogar ein wenig verständlich, weil es einfach außerhalb der Vorstellungskraft selbst außerordentlich kluger Köpfe liegt, ein Szenario zu entwerfen, das die Konsequenzen einer weltweiten Geldschwemme umreißt, die erstmals in der Geschichte der Menschheit nicht bei den normalen Menschen ankommt und damit eine Stagnation der Wirtschaft mitverschuldet. Aber realistisch betrachtet muss man sich doch fragen, welchen Effekt noch mehr Geld haben soll, wenn beispielsweise die Ausweitung der Anleihekäufe in Japan und den USA in den vergangenen Monaten und Jahren ebenfalls nichts gebracht haben. Außer steigenden Kursen an den Aktienmärkten. Zugegeben, nur… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , ,

Schreibe einen Kommentar