Die Aktien und das Gold

4. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Ein überaus positiver Bericht zum US-Arbeitsmarkt am Freitag, daraufhin ein Hüpfer der Aktienkurse in den USA und in Europa nach oben, aber die Preise von Gold und Silber reagieren erst einmal negativ. Wie reimt sich das zusammen?

Die Antwort ergibt sich aus dem komplexen Zusammenhang von wachsenden Schuldenbergen, Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur hüben wie drüben, anhaltenden Versuchen zur Euro-Rettung (nach wie vor mit Griechenland im Fokus) und Investoren, die all das auf ihre Weise mit wechselnder Vorliebe mal für die eine, mal für die andere Anlageklasse quittieren.

Hand aufs Herz, haben Sie sich in letzter Zeit nicht schon häufiger gefragt, warum ausgerechnet das kleine Griechenland immer wieder aufs Neue die Schlagzeilen der Wirtschaftsmedien bestimmt? In meiner Kolumne bei wiwo.de vom vergangenen Donnerstag habe ich eine ausführliche Antwort zu geben versucht. Falls Sie den entscheidenden Satz daraus haben wollen, bitteschön: „Schuldet jemand eine Million Euro, hat er ein Problem; schuldet er dagegen hundert Millionen, hat die Bank ein Problem – im Fall Griechenland mit dem Unterschied, dass hier nicht Millionen im Spiel sind, sondern ein Betrag irgendwo zwischen 350 und 400 Milliarden Euro.“

Die Problemlösung wird dadurch erschwert, dass es viele Griechenland-Gläubiger mit divergierenden Interessen gibt, dass außer den Ratingagenturen auch der Internationale Währungsfonds ständig dazwischenfunkt und dass Griechenland indirekt andere Euro-Länder infizieren kann; Portugal ist diesbezüglich ja auch schon in den Schlagzeilen. All die Gläubiger werden sich nie und nimmer einig, also wird weiter gewurstelt, und der griechische Finanzminister verlangt sogar den Forderungsverzicht der Gläubiger – siehe oben: Die Banken, in diesem Fall also nicht nur eine, haben ein Problem.

Derweil ignorieren Börsianer zumindest vorläufig das ganze Chaos und schicken die Aktienkurse nach oben. In der Eurozone vor allem die deutschen, weil die hiesigen Unternehmen jetzt die Früchte ihrer Strategie ernten, in deren Gefolge jedoch auch die Aktienkurse der Eurozone insgesamt. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt, denn institutionelle Anleger richten ihr Augenmerk zurzeit primär auf die guten fundamentalen Daten der Unternehmen und kümmern sich zwischenzeitlich weniger um das Staatsschulden- oder Rezessionsproblem. Und zwar so lange, bis ihnen diese Probleme doch nicht so geheuer vorkommen und sie wieder Abstand von Aktien nehmen. Kurzum, die daraus resultierenden starken mittelfristigen Schwankungen der Aktienkurse werden uns bis auf Weiteres begleiten.

Die Helaba (Landesbank Hessen-Thüringen) hat soeben ein aufschlussreiches Tableau mit den Ergebnissen von sieben verschiedenen Anlageklassen zwischen 2004 bis 2011 veröffentlicht. Daraus ergibt sich zum Beispiel, dass deutsche und Eurozone-Aktien seit 2007 (damals waren die deutschen siegreich) nur noch mittlere bis hintere Plätze einnahmen. Folgerichtig, weil deutsche Unternehmen im Durchschnitt besser wirtschaften als die der Eurozone, belegten Eurozone-Aktien im untersuchten Zeitraum immer Plätze hinter deutschen Aktien; 2008, 2010 und 2011 reichte es für sie hinter den deutschen nur noch zur roten Laterne. Wenn sich jetzt also beide Aktienkategorien eines größeren Zuspruchs erfreuen, dann auch wegen des Nachholbedarfs. (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Die Aktien und das Gold"

  1. Die Aktien und das Gold | infokrieger news blog sagt:

    […] aber die Preise von Gold und Silber reagieren erst einmal negativ. Wie reimt sich das zusammen? Net News Express Feed Posted in: Infokrieger News   Tags: Aktien, […]

  2. EuroTanic sagt:

    Ich würde gerne mal wissen, wer denn die „Erstellung“ der Kurse gestaltet, welche Software dafür verantwortlich ist, wem die gehört und wer das Ganz kontrolliert. In einer Welt in der die Geheimdienste ihre eigenen und fremde gewählte Präsidenten ermorden, Gebäude sprengen und eigenen Bürger damit ermorden um imperialistische Rohstoffkriege gegen souveräne Staaten zu starten wäre es wohl ein leichtes mittels Drehknopf die täglichen Börsenkurse zu manipulieren? Dazu brauchen die sicherlich keine „tatsächlichen“ Transaktionen, oder?

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