Die Akte Odessa: Was wir von Sherlock Holmes lernen können

8. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ralf Flierl & Ralph Malisch

Der gemeinsame Nenner bei der Interpretation der Ereignisse vom 2. Mai in Odessa ist klein. Als gesichert darf gelten, dass mindestens 40 Menschen in einem brennenden Gewerkschaftshaus ums Leben kamen. Nach Angaben aus der ostukrainischen Unabhängigkeitsbewegung soll es mehr als 100 Todesopfer gegeben haben – so oder so, ein weiterer trauriger Höhepunkt der betriebenen Eskalation und Destabilisierung des Lande…

Die Kiewer Machthaber sehen offenbar nicht nur bewusst weg, sondern nehmen billigend in Kauf, dass gut organisierte Banden für sie im Osten die Drecksarbeit machen – also die Jagd auf den politischen Gegner bis zu dessen physischer Vernichtung. Man kennt sich.

Frau Timoschenko, die in Kiew allerdings (noch?) nicht wieder am Drücker sitzt, lässt uns ja gelegentlich an ihrem Weltbild und ihren anti-russischen Gewaltphantasien teilhaben. Die neuen Freunde und Freundesfreunde der „Westlichen Wertegemeinschaft“ in Kiew und Umgebung scheinen alleine nach dem Kriterium „der Feind meines Feindes“ ausgewählt worden zu sein.

Angesichts der Menschenhatz, die in Odessa und der Ostukraine stattfindet, dürfte man auf der Krim vermutlich heilfroh sein, dass man – wie das in den „eingebetteten Qualitätsmedien“ des Westens unisono hieß – von Russland „annektiert“ wurde. Tatsächlich entsprach diese „Annexion“ dem überwältigenden Mehrheitswillen der dortigen Bevölkerung.

Selbstbestimmung und – Gott bewahre – Sezession sind aber genau die beiden Themen, die den Machtzirkeln in „unserem Europa“ die Zornesröte ins Gesicht treiben. Würde das Thema innerhalb der EU Schule machen – unter den europäischen Regionen gäbe es genügend Kandidaten –, dann wäre sehr schnell die Existenzfrage für den Brüsseler Apparat gestellt.

Das Schweigen der Leitwölfe

Dass die aktuellen ukrainischen Machthaber im Osten des Landes einen schweren Stand haben, mag man auch daran ermessen, dass sie sich nicht länger nur auf die ihnen nahestehenden Schlägerbanden des „Rechten Sektors“ verlassen. Inzwischen wird auch schweres militärisches Gerät in Stellung gebracht bzw. bereits eingesetzt – gegen die eigene Bevölkerung wohlgemerkt. Wo bleibt da eigentlich der Aufschrei unserer Medien?

Auch bei den Opfern von Odessa – und das kennen wir nicht nur aus der Ukraine – wird offenbar genauestens unterschieden, welche Opfer in jene Storyline passen, die dem Publikum verkauft werden soll. Ein Opfer ist eben nur dann ein Opfer, wenn es auf der „richtigen“ Seite stand.

Dass an den Vorgängen rund um das gebrandschatzte Gewerkschaftshaus einiges nicht ganz passt, kann man nicht nur Augenzeugenberichten entnehmen, es liegt im Internet inzwischen auch massenhaft Bild- und Filmmaterial (www.youtube.com, Stichworte “Odessa” + “2014″ – Achtung explizit und nichts für schwache Nerven!) vor, das sich nicht so leicht wegdiskutieren lässt – etwa von seltsam verkohlten Leichen oder Männern, die auf das brennende Gebäude schießen und so die Eingeschlossenen daran hindern, der Flammenhölle zu entkommen.

Das betretene Schweigen unserer Medien-Leitwölfe zu diesem Geschehen dürfte das vielleicht wesentlichste Indiz sein. Wie in der Sherlock-Holmes Kriminalgeschichte „Der Hund von Baskerville“ war es der Hund, der nicht(!) bellte, der auf die richtige Spur führte. Die freundlichste Erklärung, warum die Leitwölfe zu Odessa nicht in der sattsam bekannten Weise bellen, ist vielleicht ein ehrliches Erschrecken darüber, mit welchen menschenverachtenden Schlächtern man sich da ins Bett gelegt hat – wie gesagt, die freundlichste Erklärung.

Für die Bürger kann die Lektion nur lauten, dass sie dem schlechten Geld der GEZ-„Demokratieabgabe“ nicht auch noch ihre gute Zeit auf der Suche nach echter Information bei den „Anstalten des öffentlichen Rechts“ hinterherwerfen sollten. Der „Freien Presse“ ist in der Sache ebenfalls kaum über den Weg zu trauen. Eine umfassende Analyse der (Nicht)-Reaktion der Medien auf die Ereignisse von Odessa hat Richard Zietz unter dem Titel „Der Medien-GAU von Odessa“ auf der Website von „Der Freitag“ vorgenommen.

Dagegen erklomm man bei bild.de heute mit folgender Anti-Russland-Schlagzeile mühelos einen neuen Gipfel der Lächerlichkeit: „Will Putin den Gand Prix manipulieren?“  Zu den Märkten… (Seite 2)


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