Dicke Lippen

19. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Es wird wieder höchste Zeit, einen Blick ins nächste Jahr zu werfen, um zu erfahren, wo DAX, Dow & Co. nicht stehen werden. Dazu nehmen man ein paar Kapitalmarktexperten und lasse diese Dartpfeile werfen.

Nicht ganz grundlos ist genau diese Berufsbezeichnung juristisch nicht geschützt. Dennoch ist es jedes Jahr ein lustiges Spiel wie an Schießbuden auf den Lichtermärkten, die früher noch Weihnachtsmärkte hießen. Dennoch sind Jahresprognosen sehr beliebt, wenn auch nutzlos, außer beim Verkauf von Finanzprodukten. Statt es zu lassen, gehen die Narren des Zufalls für 2018 in die nächste Runde. So will die Landesbank Baden-Württemberg jetzt schon wissen, dass der DAX Ende 2018 bei 14.000 Punkten notiert, obwohl es wohl auch hier keine Obergrenzen geben wird.

Prognosen sind lästig wie Fußpilz, dafür arbeitet dieser viel präziser.

Erinnern wir uns an letztes Jahr. Da sagten die Fachleute in ihrem Börsen-Bingo für Ende 2017 einen DAX von 11.629 Punkten voraus. Okay, einige Tage hat er noch Zeit, um von derzeit 13.000 Punkten auf dieses Niveau zu fallen. Und der Dow Jones steht jetzt 15 Prozent höher, als die Glaskugeln gesehen haben.

Da das Ratespiel auch bei Währungen immer daneben geht, müsste der Euro jetzt eigentlich bei 1,06 statt bei 1,18 US-Dollar stehen. Prognosen sind eben schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen, sagte Mark Twain. Sein Humor ist unschlagbar und besser als vermeintliche Vorhersagen.

Schon im Januar korrigiert man dann den Unsinn und passt ihn im Rest des Jahres an die Wirklichkeit an, um nicht ganz nackig in den Erbsen zu stehen. Man könnte auch mit Fröschen sprechen oder Knochen werfen. So müssen sich die Experten nicht wundern, dass ich alle Jahre wieder darauf eingehe. Denn wer Zynismus sät, wird Sarkasmus ernten. Ich habe damit doch nicht angefangen!
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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3 Kommentare auf "Dicke Lippen"

  1. Argonautiker sagt:

    Nix, der Dax wird steigen, denn die Wirtschaft freut sich doch, wenn ihr Regulator schwächelt.

    Alle paar Minuten tönt es heute morgen aus dem Äther: „Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren“. Natürlich stimmt das, aber hätte da überhaupt jemals jemand regiert, und nicht immer bloß auf Krisen reagiert, die man selbst mittels ominösen Regelsetzungen erzeugt hat, dann wäre es nicht so, wie es jetzt ist.

    Die Wirtschaft wird sich also eine Weile freuen, niemand da der ihnen rein pfuscht. Alle mit sich selbst beschäftigt. Sturm freie Bude. Ob das gut ist, ist eine Andere Frage. Das es wirklich kriseln wird, dürfte also bis zum nächsten Frühjahrsbeginn auf sich warten lassen. Woher ich das weiß? Ich weiß es nicht. Es steht in der Sternen. Leider sind auch die, wie wir Christen ja alle wissen, dem Schöpferischen unterworfen. Folglich ist zu jeder Zeit grundsätzlich immer alles möglich. Wahrscheinlich ist hingegen nicht alles zu jeder Zeit. Also orakelt man.

    Was wird diese Weihnachten wohl unter meinem Baum liegen? Ein Barcode vom Bundesamt für Nahrungsmittel Zuteilung? Oder eine kleine Masterkarte, auf der mir für den zukünftigen Verzicht von Bargeld, eine Gutschrift von, sagen wir, zwei, drei, Monatseinkommen frei geschaltet werden.

    Oder ein Briefchen, in dem mir mitgeteilt wird, daß Frau Merkel, die nun, bei Nichtzustandekommen einer parlamentarischen Regierung, erst mal Kommissarisch ohne Parlament die Macht übernimmt, sich dazu entschlossen hätte, weil es ihr, so, ohne Parlament, irgendwie besser gefällt, gedenkt, das nun auch weiter so beizubehalten. Unmöglich? Natürlich.

    Schöne Grüße an all die, die noch an den Weihnachtsmann, oder die Politiker glauben.

  2. bluestar sagt:

    @Argonautiker
    Vielleicht liegt ja auch noch der Koran vom Bundesamt für Umerziehung unter dem Weihnachtsbaum ? Könnte aber auch noch die Aufforderung vom Bundesamt für Gerechtigkeit und Solidarität sein, private Goldbestände endlich für gemeinnützige Zwecke abzugeben.
    Da Mutti ja spätestens seit 2015 sowieso ohne Parlament regiert, bleibt alles wie gehabt. Nichts geht über Stabilität in diesem Lande.
    Beste Grüße an die Weser

    • Argonautiker sagt:

      Der Koran zum Lesen, wäre schon willkommen, so nicht auch gleich ein Kopfabschneider als Zugabe mit dabei ist, der mir auf seine unnachahmliche Weise, die Salafistische Art und Weise von Toleranz und Religionsfreiheit erklären möchte.

      Schöne Grüße an die junge Weser zurück!

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