Deutschland muss entweder zahlen oder ein Chaos in Kauf nehmen

18. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Falls Sie bisher daran gezweifelt haben, ob die Lektüre eines EZB-Monatsberichts spannend sein kann, werden Sie durch den soeben erschienenen Bericht für den Monat Februar eines Besseren belehrt. Heißt es doch darin auf Seite 21 zum Thema Kreditklemme im vierten Quartal 2011…

„Insgesamt meldeten die Banken im Euroraum im Vergleich zum dritten Quartal 2011 per saldo eine deutlich stärkere Verschärfung ihrer Kreditrichtlinien. Besonders ausgeprägt war die Verschärfung bei den Ausleihungen an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften sowie bei den Wohnungsbaukrediten an private Haushalte.“

Und wie verhalten sich die Banken weiter? Dazu die EZB:

„Für das erste Jahresviertel 2012 rechnen sie mit abermals strengeren Kreditrichtlinien und einem weiteren Rückgang der Nettonachfrage nach Krediten sowohl seitens der Unternehmen als auch der privaten Haushalte.“

Wobei es den Banken da gar nicht so schlecht geht, denn sie haben ihre Margen einschließlich der Nebenkosten schon im vierten Quartal 2011 kräftig erhöht und setzen dies im laufenden Quartal fort. Außerdem werden sie im Hinblick auf die Höhe der zu vergebenden Kredite, deren Fristigkeit und Besicherung immer strenger.

Weshalb ich Ihnen das alles schreibe? Weil es hier um das Verhalten der Banken im ganzen Euroraum geht, weil von ihrer Kreditvergabe die Konjunktur abhängt, weil Deutschland als europäische Konjunkturlokomotive wegen der bekannten Probleme anderer Euro-Länder an Zugkraft zu verlieren droht und weil die Kreditklemme in so einem Umfeld bestehen bleiben wird.

Neben der EZB können auch Banken und Sparkassen Geld schöpfen. Tun sie es nicht im gebotenen Umfang, schrumpft die Geldmenge – es sei denn, die EZB springt ein. Dadurch verhindert sie zurzeit, dass der Geldumlauf abnimmt, mehr nicht. Wann er zunehmen wird, steht in den Sternen.

Bereits an dieser Stelle ist ein Zwischenfazit fällig: Wer einen Kredit aufnehmen oder verlängern will, egal ob als Unternehmer, als Immobilienkäufer, Bauherr oder für private Zwecke, sollte sich auf längere Verhandlungen und ungünstigere Konditionen als noch vor Jahresfrist gefasst machen, obwohl das allgemeine Zinsniveau aktuell niedriger ist als damals. Allein aus meinem Bekanntenkreis kenne ich Beispiele von Immobilieninteressenten, die neben dem üblichen Gehalts- und Vermögensnachweis noch eine Restschuld- oder Risikolebensversicherung, das Gutachten eines Sachverständigen und sonstige Sicherheiten beibringen mussten, um einen Baukredit zu erhalten.

Wie reagieren verschiedene Anlagen auf die neue Situation? Den gerade veröffentlichten Daten der HPX-Immobilienindizes zufolge haben die Preise für neu errichtete Wohnhäuser und für Eigentumswohnungen ihren nun schon seit über zwei Jahren anhaltenden Anstieg bis zuletzt verstärkt fortgesetzt, während die Preise für bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser in den Monaten Dezember und Januar deutlich eingeknickt sind. Die deutschen Aktienkurse haben im Durchschnitt etwas mehr zugelegt als die europäischen insgesamt, während die Anleihenkurse je nach Bonität gestiegen oder gefallen sind. Die Preise von Gold und Silber haben naturgemäß nur wenig auf den Geldumlauf im Euroraum reagiert, dafür – unter dem Strich positiv – umso mehr auf Käufe aus China und Indien; auf beide Länder entfallen jetzt 49 Prozent der weltweiten Goldnachfrage… (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Deutschland muss entweder zahlen oder ein Chaos in Kauf nehmen"

  1. Deutschland muss entweder zahlen oder ein Chaos in Kauf nehmen | Verschwörung.net | 911 Verschwörung | Wirtschaft | Politik sagt:

    […] Deutschland muss entweder zahlen oder ein Chaos in Kauf nehmen […]

  2. wolfswurt sagt:

    So so, also zahlen oder Chaos?

    Schweift mein Blick über deutsche Landen, dann haben wir beides: zahlen und Chaos.

    In god old Germany ist nichts mehr in der Ordnung:

    häßliche Architektur bis ins kleinste Dorf
    häßliche Landschaftsbilder durch Bio-Gasanlagen/Windräder/Industriehallen/Massentierstallungen
    kaputte Straßen
    Häuser im Verfall
    Vermüllung der Straßenränder
    Suppenküchen/Tafeln(welch ein Hohn dieses Wort)
    Verwaltungen funktionieren nur noch auf halber Kraft
    steigende Insolvenzen
    absinken der Bildungsbemühungen
    Schulabgänger ohne genügend Kenntnisse
    genügend unfähige Lehrlinge für genügend Lehrstellen
    Verlust des Rechtsempfindens
    eine Justiz im Irrtum
    Verfall von Moral und Sittlichkeit bis in die untersten Schichten
    steigendes Versagen von Technik durch Qualitätsverlust
    steigende Wartezeiten bei Konsumprodukten(DDR läßt grüßen)
    etc. etc. etc.

    Das Chaos steht nicht vor der Tür es ist im Haus!

    Ps.:
    Von den zerütteten Finanzen in Gemeinden, Land und Bund ganz zu schweigen.

  3. MARKT sagt:

    Hauptsache es wird den Bedürfnissen der Kapitalmärkte gehuldigt.
    Während die Finanzbranche LTRO als Game-changer feiert, verschlechtert sich die Lebensbedingungen der Durschnittsbevölkerung konstant.

    Aber solange es noch gelingt, diese gegeneinander auszuspielen und im Hamsterrad laufen zu lassen, bleibt für die „Elite“ alles in Ordnung.

    Und nachdem ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Märkte in Person eines Herrn Wulff aufgrund seiner aussergewöhnlichen und empörenden Verfehlungen eliminiert wurde, kann es weitergehen, und das mit Vollgas bitte.

  4. crunchy sagt:

    „Na, Herr Gburek, früher hatten Sie mal so was, wie eine klare Linie in Ihren Kommentaren. Inflation oder Deflation? Beides: Stagflation.
    Nicht nur die Energiepreise steigen, schauen Sie mal genauer hin.
    Selbst schreiben Sie von Immobilienpreisen. Das beinhaltet auch die Mieten.
    Dagegen befindet sich der westliche Teil der Weltwirtschaft in einer mal stärkeren, mal schwächeren Rezession, die Richtung Depression abzudriften droht. Was aber zwischenzeitliche Konjunkturerhohlungen einschliesst. Dass Banken bei einem mittlerweile stark erhöhten Immopreisniveau genauer hinschauen, hat nun gar nichts mit der allgemeinen Wirschaftssituation zu tun, das haben die in vergleichbaren Zeiten immer gemacht. Doch die Symptomatik, die Sie beschreiben, ist die typische einer Stagflation: Da können Staaten, Banken und Notenbanken nur lavieren, nicht reagieren oder heilen.
    Am Ende wird der die wenigsten Blessuren einstecken, der ein höheres Risiko fährt, als Sie es empfehlen: Am Ende hält Gold und Silber, was es verspricht, weshalb ich es absolut übergewichte.
    Und wenn Sie mal einen kritischen Blick auf Statistiken werfen wollen: http://www.querschuesse.de/
    Hat sich gerade erledigt!

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