Deutschland, Land der „Sexisten“ Oder: Kompass in hysterischer Zeit

31. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Brüderles „Dirndl-Gate“ – Einen regelrechten – man nennt das heute wohl so – „Shitstorm“ löste ein Abend an einer Hotelbar im Januar 2012 (!) aus. Beteiligt waren der, dem Vernehmen nach bereits angeheiterte, heutige FDP-Bundestagswahl-Spitzenkandidat Rainer Brüderle und eine Journalistin des bekanntermaßen prüden, katholischen Kreisboten „Stern“…

Es soll zu Anzüglichkeiten hinsichtlich der Kleidsamkeit bayerischer Tracht gekommen sein. Das aktuelle (2013!) Kesseltreiben auf twitter.com („#aufschrei“) und die mediale Zweit-, Dritt- und Viertverwertung des „Vorfalls“ sagen wenig über einen angeblich „allgegenwärtigen Sexismus“ im Lande aus, viel dafür aber über Scheinheiligkeit und die Methoden der Skandalisierung.

Als schließlich auch noch Ursula von der Leyen mit ihrem untrüglichen Instinkt für eine laufende Fernsehkamera beherzt hinter dem Zug her hechtete, war klar: Der „Sexismus“-Gaul ist eigentlich bereits totgeritten. Selbst FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin tauchte unverdient aus der medialen Versenkung auf und konnte Erhellendes zum Thema beitragen: „Ich möchte mich gegen männliche Sprüche einfach nicht mehr wehren müssen.“ Damit meinte die ehedem Promovierte wohl Anzüglichkeiten wie: „Hallo, Frau Doktor!“

Sind wir nicht alle ein bisschen Brüderle?

Am Tag Sieben des mühsam am Köcheln gehaltenen „Skandals“ berichtete bild.de sogar „live“ vom heutigen FDP-Pressefrühstück, an dem neben Brüderle auch die „Stern“-Journalistin teilnahm. Zur Einstimmung gab es für die Leser einen Selbsttest: „Bin ich ein(e) Brüderle?“

Offensichtlich befindet sich die Redaktion bereits in Faschingslaune. Eine Woche Dauerfeuer machten sich dennoch auf erstaunliche Weise bemerkbar: Satte 79% der befragten bild.de-Leser meinten, dass sich Brüderle nicht (!) entschuldigen müsse – ein neuer Glaubwürdigkeitstiefpunkt für den neudeutschen Kampagnenjournalismus.

Andere Autoren nehmen sich noch ernst – geradezu notorisch. Jakob Augstein etwa, der aufgrund der Hotelbar-Episode flugs „Die Krise des weißen Mannes“ herbeiwünschte und damit deutlich machte, worum es eigentlich ging – um die gezielte „Verunsicherung des weißen Mannes“.

Kein Klischee war in der laufenden Kampagne zu albern, um es nicht gegenüber älteren männlichen Bleichgesichtern zu instrumentalisieren. Das ist zwar auch diskriminierend, wird aber in dieser Richtung selbstredend nicht so genannt.

In all der Scheinheiligkeit war die abgeklärte Position der baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) geradezu ein Lichtblick. Sie wies darauf hin, dass bestimmte Frauen sich absichtlich Situationen aussetzten, in denen ihnen Anmache von mächtigen Männern drohe. Weil das aber nicht so gut in das Weltbild der Feministen allerlei Geschlechts passt, wird darüber geflissentlich geschwiegen.

„Schöne neue Welt“

Wir wünschen uns, dass Sie, liebe Leser, nicht schweigen, sondern uns zu diesem Thema – und auch anderen – ihre Meinung sagen. Dazu steht Abonnenten des Printmagazins am Ende dieses Beitrags eine Kommentarfunktion zur Verfügung (Website, bitte vorher einloggen). Ansonsten freuen wir uns auf ihre Nachricht: info(at)smartinvestor.de. Medienkampagnen, wie die oben beschriebene sind Teil der „Schönen neuen Welt“, der wir uns ausführlich in der aktuellen Druckausgabe des Smart Investor 2/2013 gewidmet haben.

Dabei wird von Kräften, denen es meist an jeglicher Legitimation fehlt, massiv auf unser Denken, Fühlen und Handeln eingewirkt. Es geht wieder einmal auch um die Formung des „Neuen Menschen“, der mit den neuen Strukturen kompatibel ist und in diesen Strukturen reibungslos funktioniert. Dass das alte Links-/Rechts-Schema zu diesem Zweck instrumentalisiert wurde („rechts“=pfui), darauf geht Chefredakteur Ralf Flierl in seinem Editorial 2/2013 ein.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang bitte auch noch einmal das Editorial 1/2013 und das Interview mit dem Verleger Wolfram Weimer, denn es geht um Grundlegendes: Der eigentliche Gegensatz ist der zwischen Freiheit und Eigenverantwortung auf der einen Seite (zunehmend diffus als „rechts“ oder „populistisch“ diskreditiert) und kollektivistischen, pseudo-solidarischen Positionen, wobei „Solidarität“ demnächst zwangsweise auch mit zypriotischen Mafia-Banken (s.u.) zu praktizieren sein wird.

Dass nun ausgerechnet am „Tag des Europäischen Datenschutzes“ EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström die Bürger zu einer verstärkten Bespitzelung ihrer Mitbürger aufrief (StaSi 2.0), um Anzeichen unbotmäßig radikalen Denkens aufzuspüren, ist schlicht perfide. Die zahlreichen neuen rechtsradikalen Parteien seien „eine Gefahr für das europäische Projekt“. Dass deren Erstarken (bislang nur außerhalb Deutschlands!) die EU selbst zu verantworten hat und eine direkte Folge der EU-Politik ist, darüber schweigt Frau Malmström lieber. So werden Täter zu Opfern und Opfer zu Tätern gemacht. Orwell live!… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , , , , , ,

5 Kommentare auf "Deutschland, Land der „Sexisten“ Oder: Kompass in hysterischer Zeit"

  1. DukeNukem sagt:

    Hab lange keine so lächerliche ´´Debatte´´ wie die Geschichte vom ach so bösen Brüderle mitbekommen… Ist doch normal wenn man nen paar Drinks auf hat dass man lockerer wird… Und wahrscheinlich hat die gute Qualitätsjournalistin ja auch nicht gerade im Kartoffelsack vor ihm gestanden!

    Ich weiß ja nicht ob es den Anderen hier auch so geht, aber mir gehen die Political Correctness, das idiotische Gendering und was es da noch alles so gibt, mächtig gegen den Strich!

    Kleines Beispiel:
    Als ich noch in der Schule war, da war ein Ausländer ein Ausländer. Bis vor nen paar Jahren war ein Ausländer ein Migrant! Und heute ist ein Ausländer ein ´´Mensch mit Migrationshintergrund´´!!?!?!?? Wollen die sich jetzt alle 2 Jahre ein neues Wort überlegen weil das alte abgenutzt und plötzlich diskriminierend ist?! Wo ist das Problem mit dem Wort Ausländer?! Wenn ich in Spanien Urlaub mache oder gar auswandere, dann bin ich doch selber einer…

  2. Lickneeson sagt:

    Ausgerechnet der aus der Geriatrie entlaufende Brüderle als Sexbagger in der Lounge -Bar? Ein Non- Event wie Schnee im Winter.Zudem erscheint der Zeitpunkt der Veröffentlichung ein Jahr nach dem sexistischen Gehudel“ irritierend.Schlimmer als die nackte Nachricht ist leider mal wieder die Dämlichkeit der Deutschen in sogenannten Umfragen.

    Wir sind leider stets bereit ohne nachzudenken auf Suggestivfragen brav mit heftigstem Kopfnickem jedem Quatsch zuzustimmen.Der Hauptgrund liegt wohl darin, das es angenehmer ist mit der Herde zu blöken, anstatt sich eine eigen Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten.Herr Schäffler hat sicher keine leichte Zeit gehabt in den letzten Jahren, aber er hat seine Glaubwürdigkeit behalten.

    Die anderen Politmarionetten verheddern sich täglich mehr in den Krisenstrippen und sondern ihre Phrasen vor jedem Mikro ab, welches ihnen vor den Kopf gehalten wird.Als besonders dämlich präsentieren sich mal wieder die Sozn, die jetzt „schonungslose Offenheit“ von dem Chippendale der FDP einfordern.Das der nix sagt ist das einzig Sinnvolle.

    Da wir ja im September noch ne Bundestagswahl haben, dürfte die entnervende Sinnlosigkeit von Statements sich noch beschleunigen.

    Anstatt über „Sexcapaden“ zu berichten wäre eine Debatte über Sinn und Unsinn von Aufsichtsratsposten von Politikern nebst nettem Salär mal angebracht.

    MfG

  3. Zaubrberg sagt:

    Um an meinen Vorredner anzuknüpfen:
    Weshalb sind Politiker in Aufsichtsräten und wofür bekommen sie dort ihren Salär, auch Bestechungsgeld genannt?
    Ganz einfach:
    Um das Gegenteil von dem zu tun, was sein Wähler von ihm erwartet.

  4. Skyjumper sagt:

    Was ich zu dieser Sexismusdebatte denke ist leider nicht zur Veröffentlichung geeignet.

    Aber wenn wir in unserer Gesellschaft dann endlich soweit sind, dass der menschliche Nachwuchs nach marktwirtschaftlich orientierten 5-Jahresplänen steril in Reagenzgläsern gezeugt, und unter öffentlicher Obhut bis zur Erntereife gepflegt wird, haben wir wohl endlich das Endziel unserer Gendering-Experten erreicht.

  5. neuheide sagt:

    brüderle hat halt pech gehabt.

    das anmachsprüche,oder was auch immer funktionieren können.
    egal wie alt man ist,egal mit welchem charakter ausgestattet.

    es gibt frauen,die sich darauf einlassen.
    mit gepanzerten limousinen abgeholt zu werden,oder bei festbanketten die hände des promiadels zu schütteln.

    ich finde eheschliessungen ala müntefering um ein vielfaches skandalöser.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.