Deutsches Gold: Wenn aus Verschwörungstheorie Realität wird

24. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Frank Meyer) Gold ist Geld. Und deshalb auch Politikum. Dass um das Gold der Deutschen ein großes Geheimnis gemacht wird, nährt Zweifel an der Wahrheit der bisherigen offiziellen Darstellungen – jetzt auch bei Otto Normalbürger. In Sachen Gold der Deutschen haben sich weder Bundesbank noch Bundesregierung mit Ruhm bekleckert. Im Gegenteil: Vertuschen, Verschweigen und großer Nebel…

Das Wort „Verschwörungstheorie“ wird gerne im Zusammenhang mit Gold, speziell aber mit dem Gold der Deutschen bemüht. Wer das Wort benutzt, geht davon aus, alles geht mit rechten Dingen zu – die anderen lägen falsch. Doch dem ist nun offenbar anders.

Um den deutschen Goldschatz ranken sich schon lange viele Verschwörungstheorien – ob aus geschichtlichen Gründen oder aus politischen Leichtigkeiten. Inzwischen aber ist die Verschwörungstheorie von gestern die Realität von heute. Von wegen, das Gold lagert in Deutschland. Jeder, der vor fünf Jahren noch am offiziellen Lagerort des Bundesbankgoldes zweifelte, wurde als verrückt erklärt, nieder gemacht oder einfach nur mitleidig belächelt. Hat sich inzwischen irgendjemand bei denen entschuldigt, die als „Verschwörungstheoretiker“ abgestempelt wurden? Nicht, dass ich wüsste.

Jetzt, da das Gold wieder ins System kommt, auch wenn es auf den ersten Blick nicht zu sehen ist, wird das Thema inzwischen auch von der Presse aufgegriffen: Wo ist unser deutsches Gold? Schließlich handelt es sich um 3.396 Tonnen, die wir angeblich besitzen. Pro Bundesbürger sind das 42,5 Gramm zum Gegenwert von 1.800 Euro.

Auf den ersten Blick wirkt der Betrag lächerlich. Auf den zweiten Blick sind es eben 42,5 Gramm eines Metalls ohne Ausfallrisiko und Geld seit 5.000 Jahren. Das wissen auch die Zentralbanker. Ihnen geht es nicht um die Preise, vielmehr um den Wert. Aber das versteht die aufgeregte Radiostimme nicht, die bei 140 Milliarden Euro, dem momentanen Gegenwert von 3.396 Tonnen in stimmliche Raserei kommt, die Sache weder versteht, noch ahnt, dass es den Unterschied zwischen Preis und Wert kennt. Wahrscheinlich hatte sie noch nie Gold in der Hand, außer ihrer goldenen Meilenkarte. Zudem sind heute 140 Milliarden Euro in einer Welt der Billionenschulden geradezu lächerlich. Aber vielleicht holt Gold die Diskrepanz auf.

Unser Gold haben unsere Eltern und Großeltern erarbeitet. Es sollte als Notgroschen dienen in schlechten Zeiten, wenn wieder mal Währungen kippen. Damals wusste man, warum man das tat – aus Erfahrung. Wir sind es ihnen schuldig, darauf aufzupassen.

Wer Gold hat, hat immer Geld. Aber auch davon hat die junge Radiostimme noch nichts gehört – und auch nicht der Copy-Paster, Pardon, der textkopierende Journalist aus der Zeitung. Er musste das noch nie copy-pasten oder gar lesen. Zudem werden Nachrichten heute meist zentral in Agenturen erstellt und dann verschlimmbessert.

Gold weckte schon immer Begehrlichkeiten. Wegen des Metalls wurden Kriege geführt. Doch heute, in Zeiten des Friedens, der Euro ist ja eine Friedenswährung, ist Gold nicht mehr nötig, so die gängige Argumentation. Unter dem Begriff der „Diversifizierung“ haben Notenbanken ihre Goldschätze bzw. das Gold des Volkes diversifiziert und damit schon früh verschleudert, es gegen eingeweichte Bäume oder elektronische Verrechnungseinheiten eingetauscht. Gold arbeite ja nicht…

Manche Analysten sagen, Gold wäre ein barbarisches Relikt, zu nichts nütze. Und einen Wert besäße es auch nicht. Die Sache mit dem „barbarischen Relikt“ lässt sich auch anders betrachten: Soweit in Erfahrung zu bringen war, wurden und werden mit Billionen an aus dem Nichts geschöpften Papiergeld brutale Kriege finanziert. Doch das nur nebenbei. 

Gold ist eine Art Sicherung für einen Stromkasten, von dem man hofft, dass er nie ausfällt. Von daher ist es nicht nur lächerlich, sondern auch gefährlich, Sicherungen für die Stromversorgung im Ausland bzw. auf einem anderen Kontinent zu lagern. Erst wurde ja verneint, dass sich das deutsche Gold dort befände. Aus sicherheitstechnischen Erwägungen wurde dazu geschwiegen – als ob jemand in einen solchen Tresor einsteigen könnte… James Bond-Filme waren wohl prägend. Jetzt gilt der völlig überraschend aufgetauchte und nachgewiesene Platz als absolut sicher. Gold bei Freunden…

Wie in der Politik gibt man nur das zu, was man irgendwie unter fadenscheinigen Blumigkeiten zugeben muss. Während die Copy-Paster noch Graphiken erstellen, wieviel Gold wo lagern soll, platzt die Bundesbank, vielleicht etwas ungeschickt, mit einer Zahl heraus, wonach sich in Deutschland rund 82.800 Barren befänden. Und wer rechnet nach? Niemand. Aber Peter Boehringer, Initiator der Goldinitiative „Holt unser Gold heim“ und Blogger auf dem Goldseiten-Blog.

Diese 82.800 Barren mit dem Gewicht eines Standardbarrens von 12,5 Kilogramm multipliziert, ergibt eine Menge von 1.036 Tonnen Gold auf deutschem Boden. Ein Drittel des Goldes liegt also wieder zu Hause? Vielleicht schiebt man ja später noch ein paar lustige Begründungen dafür nach. Plötzlich, wohl auch auf Druck der Öffentlichkeit, sollen drei mal 50 Tonnen untersucht werden. Bislang hielt man eine Prüfung nicht für nötig. Warum prüft man nicht alles? Ist es nicht da? Aus Sicherheitsgründen? Aus Kostengründen?

Zentralbanken stehen wieder auf der Käuferseite. Vielleicht erinnern sie sich an den Satz von J. P. Morgen, dass Gold Geld sei, alles andere Kredit wäre. Gold hat kein Ausfallrisiko im Gegensatz zu dem anderen Kram wie den ach so sicheren Staatsanleihen, um die sich die Notenbanken kümmern. Gold kommt nicht nur zurück ins System, sondern auch zurück in die Köpfe. Aber langsam und angepasst an die Erfordernisse der Zeit.

Das Thema Gold bleibt ein Politikum. Die Bundesbank wird versuchen, die Wahrheit mit anderen Nebelkerzen zu überdecken. Um echte und umfassende Prüfungen wird man sich herum stehlen wollen und stattdessen abenteuerliche Pressemitteilungen verschicken, aus denen die Zentral-Copy-Paster nette Agenturmeldungen stricken, die wiederum andere Copy-Paster in die Zeitungen kloppen.

Wer sich ausdenkt, das Gold könne nicht besichtigt werden, weil es kein Besichtigungsraum in der Verwahrstelle gibt, ist auch noch zu anderen und viel lächerlicheren Begründungen bereit: Gold könnte sich erschrecken. Es könnte durch Atemluft verunreinigt werden. Einsturzgefahr im Keller. Der Kellergeist wäre gerade im Urlaub. Mal sehen…

Was kann man tun?

Die meisten Leute interessieren sich eher für goldene Kreditkarten. Oder inzwischen doch auch für das Metall? Sonst wäre es ja nicht zur Lüftung des kleinen schmutzigen Geheimnisses um die deutschen Goldreserven gekommen. Man kann eine Prüfung einfordern, wie 11.000 Unterzeichner der Goldinitiative. In einem Interview auf unserer Metallwoche sagte Peter Boehringer, dass es ohne die Initiative nicht zu diesem Druck und auch der Öffentlichkeit gekommen wäre.

Dass 11.000 Leute unterschrieben haben zeigt einerseits, dass es nicht jedem egal ist, was mit unserem Gold passiert. Dass es den restlichen 70 Millionen schreibfähiger Deutscher offenbar egal ist, scheint auch eine Grundlage für das, was in Bundesbank und Bundesregierung entschieden bzw. auch nicht entschieden wird – zum Wohl des Volkes. Von daher kann der Umgang der Verantwortlichen mit dem Gold der Bürger auch als Zeichen für den Umgang der Politik mit den Bürgern herangezogen werden.

Man kann sich natürlich aufregen, Briefe schreiben, anrufen und darauf warten, bis es Salbe vom Himmel regnet. Nur zu! Wenn die Bundesbank schon nicht in der Lage ist, das deutsche Gold in Deutschland zu verwahren und die Politik das Thema ausbremst, kann man sich immerhin noch seinen eigenen Goldstandard bauen – die Sicherung für den Stromkasten selbst verwahren, wenn es die anderen schon nicht tun.

Das Thema mit dem deutschen Gold wird vielleicht bald schon wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden. Zeitungen werden heute schon schreiben, alles hätte seine beste Ordnung. Die Agentur als Copy-Paste-Zentrale hilft sicherlich dabei. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Gründe, warum das Gold zurück ins System kommt, bestehen bleiben. Und dann stellt sich die Frage, auch für die Staaten: Entweder man hat es – oder man hätte es gerne gehabt.

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