Deutsches Gold – schon heim geholt?

28. August 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Viele lesen oft nur Überschriften, um im Bild zu bleiben. Dort hieß es, dass das Gold der Deutschen endlich daheim wäre. Hurra! In Zeiten von Halbwahrheiten stimmt leider auch nur die Hälfte dieser Wahrheit…

… denn die andere Hälfte der 3.378 Tonnen Gold verbleibt im Ausland.

Nur 1.710 Tonnen schlummern in den Bundesbanktresoren, postfaktisch gerundet also 100 Prozent. Man hätte es zum Schuldenabbau nutzen sollen, fordern Papiergeld-Experten. Bei einem Marktwert von 120 Milliarden Euro blieben dann nur noch knapp 1.900 Milliarden Euro Schulden übrig, also kaum was.

Wer früher die Heimholung des deutschen Goldes forderte, wurde oft als Verschwörungstheoretiker verspottet. Und das Gold war wirklich im Ausland! Ob die Bundesbanker ohne Druck vom Steuerzahlerbund und der Goldinitiative „Holt unser Gold heim!“ mit 16.000 Unterzeichnern tätig geworden wäre? Keine Ahnung! Wir wissen nur, dass es vier statt sieben Jahre dauerte, um 674 Tonnen Gold heimzuholen. Was für eine Leistung!

Knapp die Hälfte des Goldes verbleibt in New York und London, wo es im Ernstfall schnell verkauft bzw. in wertlose Papier-Dollar eingetauscht werden kann – also Wahres gegen Bares. Ob dieses Gold dort wirklich noch ist? Niemand hat es kontrolliert. Ausgerechnet in dieser Woche schaute der US-Finanzminister in Fort Knox vorbei und twitterte, alles sei da und alles sowas von sicher. Sicher!

Wer noch immer am deutschen Goldschatz zweifelt, kann im Geldmuseum in Frankfurt nicht nur tote Papierwährungen bestaunen, sondern auch einen der 270.000 Goldbarren – als ultimativen Beweis, dass man sich keine Sorgen machen muss. Danke, liebe Bundesbank, dass jetzt die Hälfte meiner statistischen 42 Gramm Gold im Gegenwert von 1.470 Euro in Deinem Keller schlafen. Schliefen sie in meinem Keller, schliefe ich noch viel besser.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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