Deutsche Schulden über alles, über alles … in der Welt

24. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

„Deutschland, Deutschland, über alles, über alles wächst mal Gras. Ist das Gras ein Stück gewachsen, frisst’s ein Schaf und sagt, das war’s”, pflegte in Anspielung auf die erste Strophe von Hoffmann von Fallerslebens Deutschlandlied am Ende jeder seiner Büttenreden drei Jahrzehnte lang der „Bote vom Bundestag”, der Mainzer Jürgen Dietz, zu sagen…

Keine Angst, ich möchte jetzt nicht auf meine alten Tage in die Karnevalszunft wechseln. Doch würden Sie nur ein Wort dieses pointierten Schlusssatzes durch ein anderes ersetzen, würde es wunderbar zu dem folgenden Text passen:

184.000 Milliarden Euro: Auf diese kaum vorstellbare Zahl beläuft sich die Weltverschuldung. An und für sich ist diese Zahl eben nur eine Zahl. Gefährlich ist dagegen die Dynamik, die hinter ihr steckt: Vor sieben Jahren betrug die Weltverschuldung 130.000 Milliarden Euro: Sie ist in dieser kurzen Zeit also um 41% gestiegen. Besonders dynamisch hat sich dabei die Staatsverschuldung mit einem Plus von 76% entwickelt, während die Schulden der privaten Haushalte „nur“ um 21% gestiegen sind.

Der Staatsschuldenstand in der Eurozone ist mittlerweile auf 9,7 Billionen Euro angestiegen. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) entspricht das 93,5% und ist erheblich höher als die 60%, die von den Eurostaaten im Stabilitätspakt von Maastricht einst als Höchstgrenze festgelegt wurden.

Selbst wir Deutschen erfüllen die Maastricht-Kriterien nicht (mehr)

Nun ist in der Eurozone der mit Abstand wichtigste Partner Deutschland, und der Betrachter könnte geneigt sein zu glauben, dass in Deutschland ja die Lage noch relativ günstig ist, und dieses Land die gesamte Eurozone wieder in Ordnung bringen könnte.

An dieser Hoffnung habe ich allerdings Zweifel. Denn die gesamte Staatsschuld Deutschlands liegt mit offiziell 2,2 Billionen Euro oder 71% des BIP ebenfalls schon deutlich über der 60%-Marke. Und die implizite Staatsverschuldung, die unter anderem auch Pensionsansprüche des Beamtenheeres berücksichtigt, beträgt sogar 4,4 Billionen Euro. In unserer Themenschwerpunktausgabe „Deutschlands Staatsverschuldung“ vom Oktober letzten Jahres sind wir auf dieses Thema explizit eingegangen, während wir in unserem aktuellen Themenschwerpunkt 26 Gründe nennen, die für den Beginn einer neuen Goldhausse sprechen. Wenn Sie Interesse an diesem interessanten Themenschwerpunkt haben, bestellen Sie jetzt Krisensicher Investieren 30 Tage kostenlos.

Experten haben errechnet, dass wir mindestens ein jährliches Wirtschaftswachstum von 1,5% in den kommenden Jahren benötigen, um die bestehenden Staatsschulden zu finanzieren. In den 1960er Jahren hatten wir 3,5%, in den 1970er Jahren 2%, in den 1980er Jahren 1,7% und in den 1990er Jahren 0,8% Wirtschaftswachstum. Für dieses Jahr erwarten die gewöhnlich zu optimistischen Experten 1,5%.

Schuldenabbau bei Miniwachstum ist unmöglich

Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, dass ein Abbau der Schulden in den kommenden Jahrzehnten nicht möglich sein wird – selbst wenn die nach unten manipulierten Zinsen nie mehr steigen sollten. Also bliebe eigentlich nur die Lösung eines gigantischen Anwachsens des Sparvolumens. Aber auch dies scheint illusorisch, insbesondere in Zeiten der Nullzinspolitik.

Sogar die Bild-Zeitung hat es verstanden: „Nie wieder Zinsen“

Am Donnerstag, dem 3. November 2015, gab EZB-Chef Mario Draghi bekannt, dass er das jetzige Kaufprogramm für Staatsanleihen in Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat über den September 2016 hinaus bis März 2017 verlängern und somit zusätzliche 360 Milliarden Euro mehr in die Märkte pumpen wird. Den Leitzins werde er auf dem Rekordtief von 0,05% belassen. Daraufhin titelte die Bild-Zeitung in fetten Lettern: „Nie wieder Zinsen auf Erspartes!” Das sollte jedem Anleger zu denken geben.

Niedrige Zinsen verführen Anleger zu höherem Risiko …

Die Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch formulierte es in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2015 so: „Je länger Phasen niedriger Zinsen andauern würden, umso größere Anreize bestünden für die Marktteilnehmer, erhöhte Risiken einzugehen. Problematisch werde es, wenn die Akteure nicht über ausreichende Kapitalpuffer verfügten, um die Risiken abfedern zu können.”

Im Klartext kann das zum Beispiel bedeuten, dass bei den Versicherungen die Erträge nicht mehr ausreichen, um den vertraglichen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Es kann auch bedeuten, dass Anleger, die auf der Suche nach einer höheren Rendite in risikoreichere Anlageklassen wie Aktien oder Junkbonds angelegt haben, bei einem starken Kursrückgang oder einem Crash empfindlich getroffen werden.

… dann kann ein Crash sie auf dem falschen Fuß erwischen

Das gilt natürlich insbesondere für Anleger, die Wertpapiere auf Kredite kaufen. Und die Statistik zeigt, dass sich die Summe der Wertpapierkredite auf Rekordniveau befindet.

Der ehemalige amerikanische Präsident Thomas Jefferson, der hauptsächliche Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776, hat es einmal so formuliert:

„Ich wünschte, ich könnte nachträglich einen Zusatz an die amerikanische Verfassung hinzufügen, der es jeder Regierung in Zukunft verbietet, Kredit aufzunehmen und sich Geld bei Banken auszuleihen.”

Jetzt zählt für Sie nur eins: Gold

Dem ist nichts hinzuzufügen. Und für einen Anleger, der auf Werterhalt seiner Ersparnisse ausgerichtet ist, bleibt unausweichlich nur die Alternative, die wir bereits vor geraumer Zeit postuliert haben: Legen Sie 25% bis 35% Ihrer Ersparnisse in physisches Gold an. Die nächste Finanzkrise steht vor der Tür, und die Notenbanken werden weiterhin die Geldschleusen öffnen.

Um auf den „Boten vom Bundestag” zurückzukommen, er würde heute wohl etwas anders formulieren: „Schulden, Schulden über alles, über alles wächst mal Gras. Ist es einmal stark gewachsen, kommt ein Schaf und frisst das Gras, große Inflation – das war‘s.” Eine große Inflation wird als unausweichliche Folge der gigantischen Staatsschuldenorgie und der sie begleitenden Geldmengenausweitung der Notenbanken mit Sicherheit kommen. Bleiben Sie also auf der Hut und bereiten Sie sich entsprechend vor.

Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und ein erfolgreiches Jahr trotz der sich abzeichnenden Finanzkrise.
Ihr
Roland Leuschel – Krisensicher Investieren

 

10 Kommentare auf "Deutsche Schulden über alles, über alles … in der Welt"

  1. cubus53 sagt:

    Einer Summe von X Schulden steht immer eine Summe von X Forderungen von Gläubigern gegenüber. Eine Zunahme der Schulden ist auch ein Zeichen von ungerechter Verteilung.

    Warum reden wir immer nur über das Problem der Schulden und der Schuldzuwächse, und nicht über das Problem, dass immer weniger Menschen immer mehr besitzen ?

    Über diese Seite der Medaille wird nur ungern diskutiert. Denn ein Schuldenschnitt würde bedeuten, dass der Gläubiger auf seine Forderung verzichten muss. Warum wird Griechenland immer wieder „gerettet“ ? Ganz einfach, weil bei einem Schuldenschnitt die Reichen auf deren Forderungen verzichten müssten, also etwas abgeben müssten. Genau das wollen sie aber nicht und lassen das sowie schon verarmte Volk weiter ausbluten.

    Dieser Aspekt hat auch etwas mit dem Thema „Schulden“ zu tun.

    • meinereiner sagt:

      Alle müssten auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.
      Das würde sich auch auf die private Vorsorge von Kevin und Anna-Lena auswirken. Und die sind Wähler.
      Aber am Ende wird man 90% der Schulden und der Forderungen streichen müssen – einfach damit es mit der Wirtschaft weitergehen kann. Ich fürchte nur, dass dieser Prozess nicht fair ablaufen wird und 98% der Menschheit – wie immer – von den 2% Soziopathen an der Macht übervorteilt wird.

      • asisi1 sagt:

        schau dir die mär von den 40 mark nach dem kriege an.
        da wurde uns tatsächlich vermittelt, dass alle mit 40 mark angefangen haben.
        das kapital läßt sich nichts wegnehmen, es ist und bleibt immer nur der kleine mann.

  2. Rugai sagt:

    „Jetzt zählt für Sie nur eins: Gold“

    Gold, Gold , Gold……! Her mit dem Gold !
    Ich sehe schon verzweifelte Anleger, eingegraben in ihre Speckrand-Häuschen, verbittert und schussfest eingegraben ihre gebunkerten Fukushima-Thunfischdosen strahlend verteidigen. Mittags macht Mutti dann ihren leckeren Thunfisch-Goldbarren-Auflauf mit Käse überbacken und dazu einen zünftigen Privatschmucksalat – mmmmh…

    Wirkt manchmal schon wie Realsatire, das „Goldgeschreie“ – Gold wird uns alle erretten – nicht der Messias, Aliens, die UN, der Dalai Lama – oder gar Joachim Gauck, Obama , Putin, „Bibi“ oder Merkel – nein (zum mitschreiben) : Gold

    Wie wärs denn zur Abwechslung mal mit einem gesunden Rückgrat oder Mit-Menschlichkeit, dem aufrechten Gang, Zivilcourage, nicht an am Mammon klebendem gesundem Menschenverstand, Völkerverständigung, Transparenz & Einfachheit, Hingabe, dem Willen zur Veränderung, dem „Aufstand der Anständigen“, dem echten “ wehret den Anfängen“ (die aktuelle sächsische Variante mal ausgenommen) ?

    I.d.S.

    Schöne Bescherung !

    „Dorüba denkens amoi nach“
    E.Stoiber

    • Frank Meyer sagt:

      Das eine schließt das andere doch nicht aus, nur in der Schwarz/Weiss-Denke.
      Frohes Fest!

      • bluestar sagt:

        Das eine und das andere gehören für mich sogar zusammen.
        Nur Trottel trauen dieser kranken Demoktatur über den Weg, denken nicht nach und verhalten sich passiv bei dem einen und dem anderen.
        Lieber Frank Meyer, ich wünsche Dir und dem Kollegen Rott eine schöne, besinnliche und frohe Weihnachtszeit sowie die Muße die glücklichsten Momente des Jahres Revue passieren zu lassen um Kraft für die Zukunft zu schöpfen.
        Vielen Dank für Dein vorbildliches Engagement, den einzigartigen Humor und die ehrliche, sehr wertvolle Arbeit.

        LG aus Sachsen

  3. Mariele sagt:

    GOLD und dann?
    Gibt’s plötzlich eine Goldsteuer von 95%!

    Wenn ca. 98% der weltweiten Finanzen mittlerweile Fiatgeld sind,
    dann brauch uns Gott nicht mehr gnaden –

    Hoffnung und Zuversicht?

    JAAAAAAAAAAAAAAA die gibt es –
    LEBEN wir wieder REAL, wahrhaftig und ehrlich.

    Die ersten Schritte sind schon lang erprobt:
    Regional, von Herz zu Herz, miteinander,
    auf Augenhöhe und in LIEBE

    http://derstandard.at/2000026472086/Waldviertler-Co-Die-Liebe-zur-Alternative

    • Frank Meyer sagt:

      Na, ich möchte mal sehen, wenn es mal enger wird, wie weit dann Herz, liebe und miteinander reichen.
      Für Schönwetterzeiten ist die Idee immer brauchbar.

      • asisi1 sagt:

        sie sprechen mir aus dem herzen.
        in meinem bekanntenkreis habe ich viele lehrer, sozialmitarbeiter und von dieser sorte mensch auch viele pensionäre. diese menschen tangieren die heutigen probleme kein bißchen, da sie ihr geld pünktlich auf dem konto haben. meine probleme, mit dem selbstständig sein, intressiert keinen von denen. mitmenschlichkeit endet bei denen, indem diskusionen, über schwierige themen, abgebrochen werden.

  4. Haider sagt:

    *** gelöscht von Admin ***

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