Deutsche Konzerne in amerikanischer Hand

13. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Wenn es um viel Geld geht, sind es manchmal scheinbare Kleinigkeiten, die mich neugierig machen. So geschehen am 15. September, als der deutsche Fondsverband BVI lauter Erfolgsmeldungen zum Absatz von Fonds veröffentlichte und ganz nebenbei formulierte: „Bei den offenen Publikumsfonds führen Aktienfonds mit 4,5 Milliarden Euro die Absatzliste an. Das sind die höchsten Zuflüsse seit Januar 2001, als sie 5,4 Milliarden Euro verzeichneten. Das Neugeschäft im Juli entfällt jeweils zur Hälfte auf aktiv gemanagte Aktienfonds und Aktien-ETFs.“

Nun fragen Sie sich vermutlich, was daran neugierig machen kann. Eine Antwort lautet: Obwohl es deutsche Aktienfonds bereits seit 1949 gibt, dauerte es ein halbes Jahrhundert, bis ETFs (auf Indizes basierende passive Fonds) in Deutschland zu reüssieren begannen. Danach gab es für sie kein Halten mehr. ETFs haben also eine enorme Erfolgsgeschichte hinter sich – und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch vor sich, jedenfalls vonseiten der Anbieter betrachtet. Daraus ergibt sich eine weitere Antwort: ETFs werden, noch mehr als bislang ohnehin schon, zunehmend die Kursentwicklung vieler Aktien beeinflussen.

Dabei rückt BlackRock, mit einem verwalteten Vermögen von 6 Billionen Dollar (rund 5,1 Billionen Euro) der größte Vermögensverwalter der Welt, zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses. Sein deutscher Statthalter ist kein Unbekannter: Friedrich Merz. Er gehörte einst zu den Rivalen von Kanzlerin Angela Merkel und verabschiedete sich – zumindest einstweilen – aus der deutschen Politik. Ich stieß am vergangenen Donnerstag wieder auf ihn, und zwar mittelbar aus Anlass eines Rechenexempels des Börsendienstes wellenreiter-invest.de. Hier sind einige brisante Details:

„Das weltweite Aktienvermögen wird auf 70 Billionen US-Dollar geschätzt, der Wert aller Anleihen auf 150 Billionen. Nimmt man realistischerweise an, dass 4 der 6 Billionen US-Dollar BlackRock-Aktienfonds sind, so hält BlackRock 5,7 Prozent des weltweiten Aktienvermögens treuhänderisch in seinem Bestand. Der weltgrößte Vermögensverwalter ist zwar nicht Eigentümer, aber Besitzer der Aktien und kann somit die Stimmrechte auf Aktionärsversammlungen ausüben. Bei der Auswahl von Vorständen übt CEO Larry Fink durchaus Einfluss aus. Die Deutsche Bank mit dem Widerstand gegen Anshu Jain war dafür ein eindringliches Beispiel.“

Was wohl nichts anderes bedeutet, als dass Jain, zwischenzeitlich Co-Chef der Deutschen Bank, offenbar von Fink auf dem Umweg über BlackRock abgesägt wurde. Bei dieser Gelegenheit muss betont werden, dass BlackRock massiv in Dax-Aktien – und darüber hinaus – engagiert ist. Was die Deutsche Bank betrifft, sei daran erinnert, dass sie bis weit in die 80er Jahre als Drehscheibe zur Finanzierung der deutschen Wirtschaft fungierte und das Herz der sogenannten Deutschland AG bildete, weshalb das 1989 erschienene Buch über sie von Hans Otto Eglau den Titel trug: „Wie Gott in Frankfurt“

Der Vergleich von BlackRock heute und Deutscher Bank vor mehreren Jahrzehnten hat also eine gewisse Berechtigung. Daraus ergibt sich, dass die Drehscheiben-Funktion in Deutschland offenkundig von der einst mächtigen Deutschen Bank auf einen heute mindestens ebenso mächtigen amerikanischen Vermögensverwalter übergegangen ist. Zu den Folgen zitiert wellenreiter-invest.de Martin Schmalz, Professor an der University of Michigan, mit dem Hinweis, dass es im Fall eines plötzlichen starken Kurseinbruchs zu Divergenzen zwischen der Entwicklung der Aktienkurse und den Preisen der entsprechenden ETFs kommen könnte. Dies geschehe, „wenn die Liquidität austrocknen würde und die Verkaufswünsche nicht mehr befriedigt werden könnten“.

Man braucht nicht zu den Superpessimisten zu gehören, um zum Ergebnis zu kommen, dass der nächste Crash an den Aktienmärkten in Erwartung von Liquiditätsengpässen schlimme Ausmaße annehmen dürfte. Um diese These zu untermauern, folgt hier das dazu passende Zitat von Professor Schmalz aus dem Finanzdienst institutional-money.com: „Das Problem entsteht dadurch, dass es in großen Fondsgesellschaften Hunderte von verschiedenen Fonds gibt, die in die verschiedensten Branchen investieren. Zusammengenommen wirkt ein einzelner Asset Manager dadurch wie eine Art riesengroßer Indexfonds, der praktisch Anteile an allen großen Unternehmen hält. Zum Problem wird dieser Umstand, weil auf einer Hauptversammlung eben nicht einzelne Fonds separat und unabhängig abstimmen, sondern die Stimmrechte einer ganzen Reihe von Einzelfonds gebündelt ausgeübt werden. Damit vergrößert sich die Macht eines großen Asset Managers enorm, die Geschicke eines Unternehmens zu bestimmen.“

Ich meine, das sagt viel – wenn nicht sogar alles – darüber aus, wer in den führenden deutschen Konzernen wirklich das Sagen hat: Der amerikanische Vermögensverwalter BlackRock einschließlich der Klone unter seinen Konkurrenten, die im Zweifel ebenfalls aus Amerika stammen dürften. Armes Deutschland.
Manfred Gburek – Homepage

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Ein Kommentar auf "Deutsche Konzerne in amerikanischer Hand"

  1. Argonautiker sagt:

    Sehr schöner Artikel.

    In diesem Zusammenhang dürfte die Aussage, daß die deutsche Wirtschaft brummt, ein etwas anderes Gesicht bekommen, denn faktisch bedeutet dies, daß die Verdrängung der deutsch gehaltenen Anteile an den DAX Unternehmen zu Gunsten der Globallisten rasant Fahrt aufgenommen hat.

    Globalisation heißt derzeitig eben nicht, daß die Welt, wie propagiert, immer mehr zu einem globalen Dorf zusammen wächst, sondern, daß sich die Füchse, dank so cleverer Leute wie den Herrn Merz, die Türen zu den nationalen Ställen von Innen selbst auf machen.

    Bei der Fusion Bayer / Monsanto dürfte es sich dabei bisher um das größte Kuckucksei handeln, was sich der Deutsche da gerade einzuhandeln gedenkt. Realwirtschaftlich kann sich Bayer gegen diese Übernahme gar nicht wehren, denn die Investoren sitzen näher an der Druckerpresse als die Realwirtschaftler. Unser Rechtssystem könnte und müßte hingegen eigentlich sogar wegen einer Kartellbildung einschreiten. Aber wer hält sich bei Globalisationsfragen noch ans Recht. Lächerlich.

    Interessant wäre die Frage, wie sieht es eigentlich gerade bei der Investment Umverteilung der Strom erzeugenden Energieriesen aus? Jetzt wo der Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren zugunsten von Elektrofahrzeugen doch gerade so alternativlos wegen der Klimarettung propagiert wird, kann man vermuten, daß sich die Investoren da gerade eine neue Goldgrube errichten.

    Wen stört es da, daß es beim Energie Transfer vom Strom Erzeuger zum Endabnehmer zu einem 80%igen Leitungsverlust kommt. Das bedeutet, daß man bei gleichem Verkehrsaufkommen real rund 5 Mal so viel Verbrennen muß, um es dann „sauber“ durch die Stromleitungen schicken zu können, als wenn man die Verbrennungsmaschinen direkt im Auto betreiben würden. Energie kommt aus der Steckdose. Saubere Sache. Man darf nicht mehr einzeln verbrennen, sondern man will nun 5 Mal soviel allein Verbrennen. Hurra, wir verblöden!

    Und während der Umstellung so einfach zu Monopolisieren, denn wer soll die Umstellung denn Finanzieren? Die Realwirtschaftenden verschuldeten Stromriesen? Nein die Investoren, deren investitions Potenz gerade mit Geld besser geflutet wird, als es eine Handvoll Viagra es mit einem Impotenten zustande bringen würde. Man kann nicht nur, man muß sogar können, weil es einen sonst selbst zerreißt.

    Ihr Heuschrecken kommet, ach kommet doch all, nach Europa, Europa, und bringt es zu Fall.

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