Deutsche horten 8.700 Tonnen Gold? Wirklich?

15. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Über Geld redet man eigentlich nicht. Über Gold erst recht nicht. Die Deutschen sind da offenbar anders. 2.000 von ihnen wurden angerufen und nach ihren Goldbefindlichkeiten ausgefragt. Dabei kam heraus: Sie schlafen auf 8.700 Tonnen des gelben Blechs. Angeblich..

Ist es nicht lustig, wenn wildfremde Leute anrufen und nach Gold fragen? Schließlich funktioniert der „Enkeltrick“ doch auch. Da klingelt das Telefon und eine fremde Stimme fragt:

„Haben Sie Gold?“

„Aber natürlich!“

„Und wieviel?“

„Moment, ich muss mal schauen! Können Sie mich später zurückrufen? Ich muss es erst ausgraben.“

„Nein, schätzen Sie einfach das Gewicht! Haben Sie eine Küchenwaage zu Hand?“

„Schaaaaaaatz?“

„…und gib bitte mal Deinen Ehering zum Wiegen rüber. Auch die kleine Kette, die ich Dir neulich geschenkt habe.“

„Welche Kette?“

Moment, es sind genau 58 Gramm Schmuck und 69 Gramm in Münzen und Barren.“ Xetra-Gold ließ sich nicht wiegen.
Mit 127 Gramm Gold wäre man ein Durchschnitts-Deutscher, laut einer aktuellen Studie der Steinbeis-Hochschule. Das sind umgerechnet 4.622 Euro. Im Vergleich zu dem Papiergeld ein Witz. Kennen Sie jemanden, der ein viertel Pfund Gold hat?

Wie aber berechnet man so schnell das Gewicht von Schmuck, wenn da noch ein Diamant dran hängt? Vielleicht vorher abschlagen, um eine korrekte Antwort geben zu können.

Die nächste Frage wäre dann, ob es sich bei Schmuck um 333er, 585er oder 750er Gold handelt.

„Schaaaatz?!“

Oder sieht es nur nach Gold aus? Ein Gramm mehr oder weniger in einer Umfrage bei nur 2.000 Leuten macht auf 81 Millionen Deutsche gerechnet, schnell ein paar hundert Tonnen mehr oder weniger aus. Aber geschenkt!

Nun wissen wir endlich, dass 67 Prozent der Deutschen Gold besitzen, also Schmuck, Barren, Münzen und „goldbezogene Wertpapiere“. Bei Letzterem bin ich nicht sicher, ob das auch mit Gold zu tun hat. Der Schein trügt manchmal, also das Hochglanzprospekt.

Die meisten der 36 Millionen Verheirateten dürften einen Ehering besitzen, also fast jeder Zweite. Vielleicht noch etwas Schmuck. Aber wieviel wiegt ein Ehering? Und geschätzt?

Ekelmetall!

Bloß wenn ich mich so umhöre, besitzt doch kaum jemand Goldmünzen und Goldbarren. Das aus gutem Grund: Gold zahlt keine Zinsen, man kann es nicht essen und damit bezahlen kann man auch nicht. Wenn man den Leuten gesagt hätte, es wäre auch noch radioaktiv, hätten sie das auch noch geglaubt. Nein, ich kenne kaum Goldbesitzer. Vielleicht habe ich nur den falschen Umgang.

„Nach einer Konsolidierungsphase in 2014 hat der Goldmarkt für private Anleger in Deutschland wieder deutlich an Attraktivität gewonnen“, so eine Aussage der Studie und dass seitdem der Goldschatz der deutschen Privathaushalte zwischen 2014 und 2016 um 477 Tonnen gewachsen wäre. Davon hat nicht mal das World Gold Council etwas mitbekommen.

Wer weiß, wie groß die Fehlerrate in den Daten liegt. Und wer weiß, um welche Uhrzeit und wo die Befragung stattgefunden hat. Vielleicht in der Schalterhalle eines großen Münzhändlers? Auf der Düsseldorfer „Kö“ oder der Kauffinger Straße in München? Vor dem Arbeitsamt war es wahrscheinlich nicht. Vielleicht waren ja auch ein paar Angeber dabei. Oder waren es eher Vermögende, die vorgaben, Gold gehortet zu haben? Und wenn, dann werden sie sicherlich ganz bereitwillig und ehrlich darüber Auskunft gegeben haben. Ach ja, und im Himmel ist Jahrmarkt.

 

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9 Kommentare auf "Deutsche horten 8.700 Tonnen Gold? Wirklich?"

  1. Avantgarde sagt:

    Wenn man aus 2000 Befragten die Summe der Bausparverträge in D ermitteln würde dann erntete man nur Gelächter – hier aber ist es seltsamerweise anders.
    Mit dem Gold der Bundesbank sollen die Deutschen dann 6,4% der Weltweiten Goldreserven besitzen.

    So viel Gold wie noch nie besitzen die Privatleute angeblich.
    Ob es stimmt oder nicht – sie besitzen auch so viele Digitale Nullen wie noch nie.

    • Insasse sagt:

      …Nicht zu vergessen, die vielen, vielen Nullen, die sie in öffentlichen Ämtern und sonstigen verantwortlichen Positionen „besitzen“ und die sich für ein gutes Salär u.a. mit Fragestellungen wie dem Goldbesitz der Deutschen beschäftigen. 😉

  2. Diederich Heßling sagt:

    Diesen Kommentar habe ich vorgestern auf einer anderen Website geschrieben:

    Ich muß dem obigen Kommentar zustimmen. 2000 Leute befragt. Und alle haben natürlich wahrheitsgemäß den genauen
    Goldbesitz in Unzen und Kilogramm angegeben. Wahrscheinlich haben sie auch den genauen Lagerort spezifiziert.
    Wir Wissenden hätten natürlich genau so gehandelt !!!
    Und bei Goldschmuck weiß natürlich jede befragte Frau, wieviel Gramm ihre Pretiosen wiegen. Und welchen Feingehalt diese
    haben.
    Das ganze ist entweder zur Verdummung/ Beruhigung der Leser gedacht oder zur Steigerung der Seriösität des Blattes.

  3. Schubidu sagt:

    Ich habe mich schon über den Blödzeitungsartikel gewundert und mir gedacht: „Hoppala, das sieht doch gar nicht so schlecht aus in Deutschland“. Als ich dann den Artikel hier gelesen habe, hat es mich vor Lachen fast vom Stuhl gehauen. Wieder einmal erstklassig analysiert und so schön politisch unkorrekt kommentiert. Dieser Blog ist Gold wert!

  4. Simbabwedollar sagt:

    Das Ergebnis der Untersuchung wurde Auftraggeberfreundlich gestaltet. Auftraggeber ist eine „Reisebank“, die auch Edelmetalle anbietet. Also nicht über die Ergebnisse wundern.

  5. Aristide sagt:

    Oh, ich besitze 127 g Gold? Klasse, wusste ich noch gar nicht! Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wo ich es versteckt habe. 😉
    Aber mal im Ernst. Was soll so eine „Befragung“? Wer würde ernsthaft wildfremden Anrufern Auskünfte über seine Vermögenssituation geben? Wenn man mich anriefe, wüsste ich nicht mal was Gold ist oder wie es aussieht. Und anschließend landet die Rufnummer des Anrufers auf der Blacklist. 😉

    • Insasse sagt:

      „Wer würde ernsthaft wildfremden Anrufern Auskünfte über seine Vermögenssituation geben? “

      Also ich habe gerade freiwillig nachgemeldet. Jetzt sind es 8.700 t und 127 Gramm. 😉

      Grüße aus der Anstalt vom Insassen

  6. bluestar sagt:

    Ja,diese Umfrage klingt zu unglaublich um wahr zu sein. Sind aber die Wahlergebnisse in diesem Lande auch, oder kann sich hier einer erklären warum Menschen bolschewistische Blockparteien wählen ? Solid Gold ist natürlich dieser Blog , wenn mehr Deutsche ihn lesen und verstehen würden könnte man den goldenen Wert gar nicht mehr messen.

  7. Heini sagt:

    Ich vermute mal dass damit die Grundlage für ein Goldverbot gelegt werden soll, denn die Befürworter dessen werden dann auf den positiven Effekt dieser (fiktiven) Riesenmenge für den (bald) darniederliegenden Staatshaushalt und dessen wichtige (unbedingt notwendige) Rettung hinweisen. Und dieses Opfer müssen die asozialen Goldbesitzer schon bringen. Oder? Man will damit auch denjenigen die vorgesorgt haben, den letzten Rest wegnehmen, und das wird damit medial vorbereitet.

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