Deutsche Debile Republik

18. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Protagonisten der westlichen Überlegenheitskultur, die vor allem in der Kenntnis aller 2783 Mobilfunktarife (Inland) Ausdruck findet, wähnen sich immer noch an der Spitze der Welt. Wenn die Dinge so weiterlaufen, ist mancher Überlegene bald nicht einmal mehr in der Lage zu bemerken, auf dem Holzweg zu sein…

Kürzlich haben wir ein Gespräch zweier deutscher Studenten mithören dürfen, die sich über ihre Bachelor-Arbeiten unterhielten. Ganz offen gingen die Frau und ihr Gesprächspartner mit dem Thema Ghostwriter um. Man kam aus dem Staunen nicht heraus, aber die beiden waren sich einig, dass die Summe von 700 bis 800 Euro, die solch ein Schreiber offenbar verlangt, wirklich unangemessen hoch sei. Prima, so hat die Republik dann zukünftig unverhofft doch noch zwei selbst gebackene Bachelors mehr.

Die vermeintlich hohen Preise der Ersatzschreiber haben somit ihr Gutes, aber das sagt man ja mittlerweile hohen Preisen generell nach. Was solche Debatten über den Drang nach Bildung aussagen, sei dahingestellt. Möglicherweise geht es wie bei der Steuererklärung nur noch um das Finden von Lücken und Nischen. Nun kann jeder sich so bilden, weiterbilden oder gar nicht bilden wie er mag. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass unabhängig von dem was man macht, das Gleiche dabei heraus kommt.

Wenn man dem übermäßigen Konsum von 3-D „ich massakriere alle“-Ballerspielen an den Konsolen für harmlos erklärt, dann kann der Beitrag der Medien zur Verblödung allenfalls eine Marginalie sein. Ein kurzer Blick über eine zufällige Auswahl von Überschriften auf der Startseite von GMX zeigt jedoch eine Ansammlung von Irrsinn, der über das Stadium erheiternd weit hinaus ist.

Vom Nacktarsch bis zur Grenze ist’s bloß ein Katzensprung

Den Start macht das teilentblößte Hinterteil einer offenbar weiten Teilen der Republik bekannten Dame, das sich sich über dem Titel „Po-reografie zum Weglaufen“ in die Kamera reckt.

Daneben blickt eine gereizte Kanzlerin über der Zeile „Angela Merkel war nicht informiert“ vor sich hin und denkt vermutlich nach, was man wie am besten aussitzt, während das nächste Bild des rotierenden Banners meint, dem „Kaiser“ könne der DFB Skandal wurscht sein.

Darunter folgt ein Staufoto mit dem Textfeld „Schweden macht Grenzen dicht“, was wohl eine Reaktion auf die Flüchtlingskrise sei.

Es schließt sich nahtlos die „Entdeckung eines erdähnlichen Planeten“ an, von dem nicht erwähnt wird, ob der Redakteur diesen als mögliche Lösung der Flüchtingskrise einstuft.

Das Ende bildet das Dekolleté einer Frau Baldwin, die mit diesem „nicht geize“ und bei einer Party „tiiiiiiief“ blicken ließ. Neben ein paar Werbebannern fürs Verlieben und Seitenspringen (eine empfohlene Reihenfolge wird nicht angewiesen) findet man noch ein seltenes Naturphänomen in Australien und den Stolperer eines „Stars aus Panem“. Muss man vermutlich kennen, Netflix und so. Wenn nicht, bleibt nur die rührende Geschichte des Orang Utans, der von einem Pfleger vor dem sicheren Tod gerettet wurde. Nicht mal der Tod ist also noch sicher, wo soll das nur enden?

Das Ganze wiederholt sich in den folgenden Zeilen dann unter den gleichen Oberbegriffen bei wechselnden Namen und Ereignissen bis die Seite irgendwann räumlich ihr Ende findet. Real existierender Irrsinn sicher nicht mal in der Nähe des unteren Randes des Spektrums. Eigentlich wollten wir noch schnell beim Spiegel schaun, aber das wollten wir uns lieber ersparen. Aber irgendwas mit Terror, Europa und den sieben Wochenreisen des Frank Walter Steinmeier wäre wohl drin gewesen.

Europa unter König Heuchel

Wer die unwirkliche Scheindebatte um Griechenland, die die EU in Sachen Lächerlichkeit noch einmal ein gutes Stück nach vorne katapultiert hat, serviert bekam, der war gut bedient, wenn er nicht lesen und die Ohren auf Durchzug schalten konnte.

Beschrieben eben noch viele Bürger die Situation der EU als „fast wie in der DDR“ so ist man innerhalb weniger Wochen ganz nahe ans „Endstadium der DDR“ herangerückt.  Überholen ohne einzuholen, auch das kann der Westen offenbar besser. Das Rettungspaket III klingt in etwa so wie IV. Parteitag. Die wachsenden Horden nicht gewählter Nicht-Repräsentanten machen aus der Europäischen Union mit ihrem Zwang, das zusammengebastelte Konstrukt des Euro aufrecht zu erhalten, einen gigantischen Verdauungstrakt. Egal wie viel Geld und Gremien man oben einfüllt, das Ergebnis ist immer das Gleiche.

Zählte man in der Sowjetunion noch die Kartoffeln doppelt, in dem man einfach die Züge mit Kartoffeln zählte und die gleiche Ladung mehrmals hin- und herkutschierte, so zählt man heute das Geld doppelt. Der eine vergibt Kredite, die er sich selbst nicht leisten kann an den nächsten, der das Geld ausgibt und dadurch plötzlich so unermesslich stark wächst und statt in Autos in die Produktion investieren kann, so dass er den Kredit und alle vorherigen tilgen kann, dann selber Autos baut, die der andere dann nicht mehr verkaufen kann, womit auch endlich der lästige Exportüberschuss vom Tisch ist. Ehemalige deutsche Autobauer bauen dann begeistert mit gleicher Belegschaft und jährlich steigenden Löhnen Produkte exklusiv für Inländer, die diese dank der Zinsen aus den nun wieder solventen neuen Auto-Exportländern bezahlen können. Das klingt ungefähr so sinnvoll, wie die Bezeichung proven winners für Unternehmen, die Geld verbrennen, aber beim Thema Geld verbrennen schließt sich stets der Kreis von der Wirtschaft zur Politik. Das alles wird klappen, ganz sicher. Immerhin, wer mit so etwas vor die Presse tritt, der muss entweder geistig völlig im Regen stehen oder denken, dass das auf alle zu denen er spricht zutrifft.

Wie viele Menschen in diesem unserem Lande interessieren Themen wie die EU-Politik, die gar nicht mehr so schleichende Entmündigung des Bürgers und die arg auffällig unterschiedslosen Massenmedien? Sind es nur wenige, die es interessiert oder sind es nur wenige, die offen darüber sprechen?

Gregs Tagebuch 10 – So ein Mist!: Band 10

Keine Brücke ohne Spaten

Eine nicht allzu stark ausgeprägte Bildungskultur ist bei der Platzierung solcher Pläne sicher hilfreich. Vielleicht sprechen die mit den großen Bildungsplänen auch deshalb immer vom „Rohstoff Bildung“, weil sie Bildung für etwas halten, dass bereits vorhanden ist und nur abgebaut werden muss. Eine überaus unpassende Metapher. Bildungsinfrastruktur wäre passender, aber dieser Begriff legt nahe, dass neben Geld auch Arbeit investiert werden muss, um eine Verbesserung zu erzielen. Wenn niemand den Spaten in die Hand nimmt, baut man auch mit 100 Milliarden keine Brücke. Und das wäre doch jammerschade, denn für Brücken haben unsere Freunde im Friedensreich Europa bekanntlich etwas übrig.

Man faselt von Investitionen in Bildung und tut so, als wären manche Professoren und Lehrer nicht geistig scheintot sondern unterbezahlt. Das ist keine Schelte eines Berufszweigs, aber genauso wie es korrupte Pharmavertreter und unfähige Banker gibt, gibt es auch Lehrkräfte, die fehl am Platze sind. Und genauso wie man in der Finanzbranche nicht alles wegregulieren kann, ist mehr Geld nicht das Allheilmittel im Bildungssektor. Einfachste Konzepte umzusetzen, wie etwa Standardvorlesungen von fähigen Professoren, etwa die Grundlagenkurse von Mathematik, Wirtschaft oder Naturwissenschaften, frei verfügbar ins Netz zu stellen, schafft man nicht.

Die Lehrkräfte sind ohnehin bezahlt und warum sollte sich ein Student der Uni Gießen nicht zu einem bestimmten Fach einen Professsor der Uni Hamburg anschauen können, den er für fähiger hält oder empfohlen bekommen hat? Vielleicht würde es aber auch niemand anschauen. Das wäre dann immerhin ein ehrliches und sichtbares Desinteresse und damit eine klare Botschaft. Wir glauben übrigens nicht, dass es ein überbordendes Desinteresse gibt. Wir können uns durchaus vorstellen, dass ein großer Teil des Interesses jüngerer Menschen an mehr Bildung in einem ähnlichen bürokratischen Wust erstickt wird, wie der Wunsch vieler Menschen, sich selbständig zu machen. Wir wüssten natürlich gerne, ob wir in diesem Falle zu optimistisch sind.

Aber solche Ergebnisse würden sicherlich ein falsches Signal setzten und falsche Signale, das weiß man von der Kriminalitätsstatistik, sind ganz schlimm. Leider sind Fakten nun einmal so, sie können schmerzhaft sein. Aber solange viele auf einen neuen Kreativitätsschub auf Grund des staatlich subventionierten Einsatzes von Tablets hoffen, auf denen man im Sportunterricht fortan ganz fortschrittlich die 3D-animierte Stoppuhr laufen lassen kann, ist ja alles in Butter.

Aber im Grunde ist Bildung etwas für Spießer und Exportweltmeister. Das sollen lieber die Koreaner und Singapurianer übernehmen. Wir verkaufen lieber Turnschuhe in Deutschland für 180 Euro, die in Asien jemand für 10 Euro zusammengenäht hat, und hoffen, dass das noch 1000 Jahre gut geht. Abends schauen wir dann noch schnell eine Dokumentation an, die zeigt, wie toll es ist, dass es keinen Kolonialismus mehr gibt und unterhalten uns ganz kultiviert bei einem Glas Rotwein (97 Parker Punkte, ganz doll wichtig) darüber.

Danach gibt es noch einen politisch korrekten Betroffenheits-Tatort mit Hauptdarstellern in der einen oder anderen Lebenskrise. Entweder etwas Normales, also ein heruntergekommener, geschiedener Halbsäufer mit Patchwork-Familie oder vielleicht doch was ganz besonders originelles. Wie wäre es mit ein paar witzelnden Pathologen? Auf die Idee ist ja in den letzten zehn Jahren noch keiner gekommen. Wirklich putzig.

Aber immer diese Krimis, das reicht nicht zur Überbrückung der Sommerpause der Fußball-Bundesliga. So wendet man sich spätabends dann anderen Themen zu und gibt sich unter anderem der choreografierten Willkommenskultur hin. Diese schafft es allen ernsten Aspekten zum Trotz auch der normalsten Veranstaltung zum Thema Einwanderung jeglichen Rest verbliebener Authentizität zu rauben.

Alles ist politisch durchorganisiert. Als Ordner dienen nicht nur mit political correctness bewaffnete Blockwarte sondern bei Bedarf gerne auch heuchlerische Schläger, die ihre Steine natürlich nur „gegen Gewalt“ schmeißen. Jungs, Ghandi wäre sicher mächtig stolz auf Euch.

Ob diejenigen, die diese Geister riefen, sie auch wieder loswerden, darf bezweifelt werden. Man sieht ja in der Westukraine wie das mit den Steigbügelhaltern so ist. Bevor man sich aber mit solchen Haarspaltereien den Abend verdirbt, schauen wir uns lieber alle gemeinsam noch schnell in der neu zu schaffenden ZDF-Reihe „Peinliche Momente“ die erste Massen-Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an. Für einen Zehner gibt’s die Teile dann ein paar Tage später bei eBay. Bald verschickt der Bundespräsident diese Auszeichnung auch zum Selbstausdrucken am 3-D Drucker mit der BVK-App. Deutschland 2.0 – Wir sind doch nicht von gestern.

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