Deutsch kaputt

20. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Egon Wolfgang Kreutzer – Homepage

Es ist fast wieder wie vor 13 Jahren. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte damals zu Beginn seiner zweiten Amtszeit mit der Agenda 2010 und der so genannten Hartz-Kommission einen Paukenschlag gesetzt, der in einer totalen Umgestaltung der Republik münden sollte. Offiziell erklärtes Ziel war die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, bekämpft wurden jedoch Beschäftigte und Arbeitslose gleichermaßen…

…statt eines Aufschwungs am Arbeitsmarkt machten sich Leiharbeit, Ein-Euro-Jobs und immer mehr prekäre Voll- und Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse breit. Ausgelöst worden war dies von dem geradezu verbrecherischen Streben, die gesamte EU – mit Deutschland als Lokomotive voran – zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum des Planeten umzugestalten.

Wettbewerbsfähig hieß in diesem Zusammenhang allerdings vor allem, und in erster Linie, und primär und alternativlos: Runter mit den Löhnen, runter mit den Lohnnebenkosten, runter mit den Lohnersatzleistungen, runter mit den Sozialtransfers, also: Immer feste drauf, auf die Kleinen. Nicht in der Überzeugung: Kleinvieh macht auch Mist, sondern in der Überzeugung: Nur Kleinvieh macht Mist!

Begleitend dazu begann in Wirtschaft und in den öffentlichen Verwaltungen ein Personalabbau sondersgleichen. Zum Teil durch Firmenpleiten, zum Teil durch Rationalisierungen, zum Teil durch Outsourcing in Billiglohnländer, zum Teil nur aus einem idiotischen Sparwettbewerb des Bundes, der Länder und der Kommunen, so dass in wenigen Jahren Millionen von einst unterhaltssichernden Arbeitsplätzen vernichtet und – wenn überhaupt – durch schlechter bezahlte Jobs ersetzt wurden.

Nun scheint es in eine neue Runde zu gehen.

In den letzten Wochen tauchten bereits wieder viele Meldungen über bevorstehenden Arbeitsplatzabbau in nicht übersehbaren Größenordnungen auf. Waren es die bekannten „bedauerlichen Einzelfälle“? Oder kommt wieder etwas Großes auf uns zu?

Die erste wirklich große Schockwelle kam mit dem so genannten „Abgas-Skandal“ bei VW.
Nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass weder die von den USA angekündigten milliardenschweren Strafzahlungen, noch die von der Regierung ausgesprochene hektische Verpflichtung zum Rückruf von Millionen Fahrzeugen von Höhe, bzw. Umfang her, in irgendeiner Weise gerechtfertigt wären.

Es scheint aber so, dass sich kein Bundeswirtschaftsminister finden mag, der schützend seine Hand über einen der wichtigsten Arbeit- und Auftaggeber der Republik halten will, sondern dass man stattdessen ganz versessen darauf zu sein scheint, VW so weit wie möglich an den Rand des Abgrunds zu drängen. Auch vom Bundesland Niedersachsen, Großaktionär bei VW, sind keine vernünftigen Töne zur Schadensbegrenzung zu hören.

Und VW selbst? In Wolfsburg scheint man sich der Tatsache zu erinnern, dass in jeder Krise auch eine Chance liegt und spricht – noch nicht quantifiziert – davon, dass der Schaden, trotz schon beschlossener Einsparungen bei den Investitionen, wohl kaum ohne Personalabbau zu bewältigen sein wird. Dass man sich zunächst von den Leiharbeitern trennen wird, scheint bereits beschlossene Sache. Zahlen gibt es nicht. Wissen sollte man, dass VW weltweit etwa 600.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon die Hälfte in Deutschland. Von diesen 300.000 hierzulande könnten nach meiner Einschätzung durchaus 10 bis 15 Prozent als Leiharbeiter beschäftigt sein. Hinzu kommt eine große Zahl befristet Beschäftigter.

Fraglos wird es aufgrund der absolut einseitigen und rufschädigenden Berichterstattung und der Demutshaltung gegenüber den Anklägern aus den USA bei VW zu einem deutlichen Umsatzrückgang kommen. Umsatzrückgänge verringern die Auslastung der Werke – und das bringt die Kalkulation durcheinander. Je weniger Autos gebaut werden, desto mehr der insgesamt anfallenden Kosten entfallen auf das einzelne Produkt. Je kapitalintensiver ein Unternehmen, desto stärker die negativen Auswirkungen. Es können also nicht nur diejenigen Beschäftigten freigestellt werden, für die es keine Arbeit mehr gibt, es müssen darüberhinaus weitere freigestellt werden, um die steigenden Stückkosten zu begrenzen und „wettbewerbsfähig“ zu bleiben. Vorsichtig, ja optimistisch geschätzt, wird VW in Deutschland im nächsten Jahr ca. 5 Prozent weniger Neuwagen produzieren. Um dies aufzufangen, wird VW sich von ungefähr 30.000 Mitarbeitern trennen müssen. Eine ähnlich hohe Zahl ist zusätzlich bei den Zulieferern zu erwarten.

Die zweite große Schockwelle wurde dieses Wochenende von der Deutschen Bank ausgelöst. Das inzwischen von vielen als problematisch angesehene Unternehmen, dem ebenfalls – vor allem aus den USA – Milliardenstrafen drohen und das im dritten Quartal des laufenden Jahres einen Verlust von 6,2 Milliarden Euro in die Bücher schreibt, will sich wieder einmal vollkommen neu aufstellen. Dass man sich von der Postbank wieder trennen will, die man – angeblich um das Privatkundengeschäft wieder zu beleben – vor ein paar Jahren aufgekauft hat, ist schon länger bekannt. Da geht es um rund 15.000 Arbeitsplätze – und ob es in Deutschland noch eine Bank gibt, die bereit ist, die Postbank zu übernehmen, mit ihren sonderbaren Filialen in den hinteren Kruschecken der Supermärkte, zwischen Gemüseabteilung und Leergut-Automat, ist in Zeiten, in denen den Banken allesamt wegen der Niedrigzinspolitik ein wichtiger Etragsfaktor weggebrochen ist – und die Ära der Filialschließungen, bedingt auch durch das Online-Banking – noch längst nicht zu Ende ist, in höchstem Maße zu bezweifeln.

Doch wenn die Deutsche sich von der Postbank getrennt haben wird, vermutlich für einen Euro an einen österreichischen Investor, der dann die Drecksarbeit übernimmt – dieses Spiel kennen wir ja schon – ist der Laden immer noch nicht saniert. Man munkelt, dass noch weitere 10.000 Bankjobs über den Jordan (Anspielung auf den Chef der Schweizer Nationalbank, der mit der Freigabe des Wechselkurses des Franken ein wahres Gemetzel auf den Finanzmärkten ausgelöst hat) gehen werden.

Die Deutsche Bahn will 5.000 Stellen streichen. Schuld: Die Lokomotivführer! (hahaha!)

Die Zurich Versicherungen wollen sich in Deutschland von 500 Mitarbeitern trennen.

Die Landesbank Baden Württemberg will schlanker werden.

Tuifly trenntt sich von 70 Beschäftigten.

Bilfinger, der weltweit aktive Baudienstleister aus Mannheim, kurzzeitig Arbeitgeber von Roland Koch, will die Belegschaft von 70.000 auf 50.000 Mitarbeiter eindampfen.

Der Maschinenbauer SPX-Flow aus Unna verlagert 170 von 230 Stellen ins Ausland.

Das alles sind nur wenige Meldungen aus den letzten Tagen. Mit einer gründlichen Recherche würde die Liste sich um viele Einträge verlängern lassen, aber ich will nicht meine alte Statistik neu auflegen, sondern einfach darauf hinweisen, dass sich da wieder etwas kolossal mächtig in Bewegung setzt.

Aber lassen Sie sich von mir nicht irremachen!

Solange die deutsche Wirtschaft händeringend nach ausländischen Fachkräften ruft und sich um alle hochqualifizierten Flüchtlinge reißt, von denen sie gar nicht genug bekommen kann, solange kann es Deutschland gar nicht so schlecht gehen.

Jedenfalls, wenn man Deutschland nur als „Standort“ betrachtet.

Losgelöst von den Menschen, die dort heimisch sind, losgelöst von der sowieso im Zusammenbruch befindlichen Rechtsordnung, gestützt auf eine Regierung, deren Agieren in allen Fragen inzwischen unter den noch des Denkens fähigen Deutschen immer befremdlicher wirkt (in diesem Zusammenhang sei nur einmal die selbstmörderische Hinwendung zur Todesdroge TTIP genannt), lässt sich diesem Deutschland durchaus viel Gutes – im wahrsten Sinne des Wortes – abgewinnen.

Vorausgesetzt, man kann dort für den Export produzieren lassen. Solange, bis es nicht mehr geht. Weil Deutsch kaputt.

© Egon Wolfgang Kreutzer – Homepage

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9 Kommentare auf "Deutsch kaputt"

  1. Ernst Jünger sagt:

    Ach, was war das vor einem Jahr noch schön. Wir waren Weltmeister, die BBC drehte „Make me a German“. Schweden nannten sich in Klaus-Heidi um, von der Lufthansa gesponsert, nach Berlin kommen zu können. Jeder wunderte sich, wie gut doch Deutschland die Krise überstanden hatte (wann genau war die eigentlich beendet?).

    Das deutsche Modell, also sehr grob Kooperation statt Konkurrenz, staatliche Eingriffe statt unsichtbarer Hand, drohte gewisse andere Systeme in den Schatten zu stellen, auch in Bezug auf das Gesundheitssystem.

    Effizienz, harte Arbeit und Kooperation schienen Ihre Früchte getragen zu haben.

    Und jetzt? Pustekuchen, Freunde! Das ist alles nur geklaut, gezogen und geraubt.
    Die Weltmeisterschaft 2006 soll geschmiert worden sein. VW hat betrogen – gut, es sind keine Leute umgekommen, aber der Ruf der deutschen Industrie, des Fußballs und Deutschland ist angekratzt, und Klaus-Heidi heißt wieder Sven.

    Und mal sehen, was aus dem sozialen Frieden und dem Gesundheitssystem wird, wenn erst mal der Frost kommt, mit hunderttausenden Flüchtlingen , die in Zelten hocken, und schon jetzt, politisch korrekt gesagt, unruhig werden. Die Ersten, sicherlich Metallarbeiter, haben hier in Hamburg schon mal angefangen, Ihre Betten auseinander zu bauen. Das als Vorbereitung eines gewaltätigen Akt zu sehen, war sicher ein Mißverständnis, und als die 20 Streifenwagen ankamen, war wieder Ruhe. Unsere Polizei war für die Abwechslung sicher dankbar.

    Auch hier wieder ein Literaturtipp: Die Schocktherapie, von Naomi Klein. Hier wird beschrieben, wie in der Vergangenheit Systeme kaputt gemacht wurden. Ohne anschließendes wieder Heile-Machen.

    Darf ich mal wild raten, was als nächstes passieren könnte? Stromausfall, Unruhen, aufgrund dessen Herabstufung des Länderratings durch unsere Freunde (Sorry, Dude), Deflation. Und als Rettung TTIP und Konsorten? Bereinigung der Ukraine-Frage (war da eigendlich mal irgendwas?)

    Wenn ich Unrecht habe – liebend gerne. Wenn ich Recht habe, ist das ein konzertierter Angriff auf Europa mit Deutschland als Sollbruchstelle. Von wem bloß?

    • toter_esel sagt:

      @ Ernst Jünger

      Leider haben Sie recht. Doch es wird noch schlimmer kommen. Lassen wir die Energie“Wende“ mal raus, denn da geht´s ja nur um Geld, wenn auch um sehr viel in den nächsten Jahren.

      Die jahrelange Euro“Rettung“ hätte wahrscheinlich schon unsere sozialen Sicherungssysteme gesprengt. Dazu bekommen wir noch die Ukraine und ihre Gasrechnungen der Gazprom präsentiert. Eigentlich müssten wir auch Syrien und den Irak wieder aufbauen. Es ist Blödsinn, darum herum zu reden, wem wir das alles zu verdanken haben.

      Natürlich haben die USA ein vitales Interesse daran, Europa und speziell Deutschland wirtschaftlich und sozial zu destabilisieren. Denn DANN werden wir nicht nur TTIP akzeptieren MÜSSEN, auch der Dollar ist wieder König unter den Blinden.

      Natürlich ist das nur Verschwörungstheorie. Und VW, DFB und Deutsche Bank… alles Zufälle. Drei der sieben Vorstandsposten werden immerhin von Inländern besetzt. Doch dass der Vorstand FREIWILLIG das Trennbankensystem einführt, das macht mich echt stutzig. Nicht, dass der Investmentbereich dem Dodd-Act unterworfen und das Einlagen-und Kreditgeschäft durch bail-in saniert wird…

      Auf alle Fälle ist die Unterwürfigkeit der Politiker und Medien den USA gegenüber kaum noch zu ertragen.

  2. Falkenauge sagt:

    Die Arbeitslosigkeit wird in der Zukunft durch die zunehmende Automatisierung noch gewaltig zunehmen. Die anschwellende Automatisierung menschlicher Handarbeit durch Maschinen ist ja an sich kein Unglück, im Gegenteil. Die Menschen werden dadurch vielfach von der Fron körperlicher Arbeit befreit. Sie werden frei für höhere, kulturelle Bedürfnisse, die sie bisher unterdrücken mussten oder die sich noch gar nicht in ihnen regen konnten. Und sie werden frei, ihre Fähigkeiten zur Befriedigung solcher Bedürfnisse Anderer einzusetzen. Wir stehen eigentlich in einem gewaltigen historischen Umbruch der Verlagerung menschlicher Arbeit auf eine höhere menschliche Ebene. Und die Frage stellt sich, wie das zu organisieren und zu finanzieren ist.

    Die Fähigkeiten, die in der Wirtschaft gebraucht werden, werden in den Schulen und Hochschulen des Bildungswesens, dem Kern und der Quelle des Geistes- und Kulturlebens, entwickelt und ausgebildet. Natürlich werden sie in den Betrieben weiter spezialisiert, setzen aber ihre Grundlegung voraus. Die Wirtschaft lebt also von dem, was im Geistesleben entwickelt worden ist. Und ihre Gewinne sind ohne die in Schulen, Fachhochschulen und Universitäten gebildeten Fähigkeiten der Menschen, ohne die damit entwickelten und konstruierten Maschinen und die Durchrationalisierung der betrieblichen Abläufe nicht denkbar.

    Daher müssten die Unternehmen auch einen Teil ihrer Gewinne direkt an das Geistes- und Kulturleben abgeben, nicht nur als Gegenleistung für das bisher Erhaltene, sondern auch zur Weiterentwicklung des Bildungswesens in der Zukunft, von der die Unternehmen in ihrer eigenen Existenz und Entwicklung selber abhängig sind. Dies umso mehr, als durch die Automatisierung Personalkosten in erheblichem Umfang weggefallen sind und weiter wegfallen, an deren Stelle die Investitionen für die Maschinen nur einen Bruchteil ausmachen.

    Durch den Über-Fluss des wirtschaftlichen Gewinnes an das Kulturleben können dort in zunehmendem Maße Einkommen für die im Wirtschaftsleben freigewordenen und jetzt nach sozialer und kultureller Fähigkeitsentfaltung strebenden Menschen finanziert werden.

    Vgl.: http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/10/25/arbeitslosigkeit-manipulation-der-gesellschaft-mit-einem-verengten-begriff/

    Voraussetzung dafür ist aber, dass der Gewinnüberschuss der Unternehmen nicht mehr in unsozialer Weise als arbeitsloses Einkommen in die Taschen fernstehender Eigentümer, insbesondere der Aktionäre fließt. Das Eigentum an den Produktionsmitteln, am Unternehmen, und der hier von der gesamten Belegschaft erarbeitete Gewinn dürfen nicht als Privateigentum dem Eigennutz dienen, sondern müssen – rechtlich umgewandelt – als sozialgebundenes treuhänderisches Eigentum der Gesellschaft dienen.”

    Vgl. auch:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/08/20/kapital-macht-und-lohnsklaverei-das-versagen-des-rechts/

    • Ralf sagt:

      @Falkenauge:
      Die Mehrwerttheorie von Karl Marx ist ein Trugschluss, die Arbeitnehmer seit 160 Jahren gerne hören und allein schon deswegen unausrottbar ist. Der Gewinn eines Unternehmens entsteht in Wirklichkeit nicht durch die Leistung der Maschinen oder der Arbeiterschaft. Die Gewinne der Unternehmen verschwinden, wenn Banken dem Wirtschaftskreislauf weniger Geld durch Vergabe neuer Kredite zuführen als durch den Schuldendienst (Zins und Tilgung) alter Kredite entziehen. Man spricht in diesem Fall von Deflation. Die Unternehmen können ihren Schuldendienst nicht mehr leisten, sie erleiden hohe Verluste, sogar wenn Maschinen oder Arbeitnehmer völlig unentgeltlich arbeiten würden. Zusammengefasst: Einen Mehrwert gibt es nicht, sondern es gilt, je höher die Kreditvergabe, desto höher die Gewinne. Vergeben alle Banken keine neuen Kredite, verschwinden die Gewinne und alle verschuldeten Unternehmen werden zwangsläufig zahlungsunfähig. Eine vom Gewinn abhängige Maschinensteuer wäre eine unzuverlässige Einnahmequelle. Eine Umsatz bezogene Maschinensteuer würde den Konkurs von Unternehmen beschleunigen, die durch eine Deflation bedroht werden.

      • beccon sagt:

        Deflation ist schlecht? Nicht wirklich. Das ganze 19. Jahrhundert war dank Goldstandard eine einzige Deflation. Ist es den Leuten 1899 schlechter gegangen als 1801? Ganz und gar nicht. Das vorletzte Jahrhundert war ein unglaublicher industrieller und kultureller Aufschwung.

        OK, wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen – der aufkommende Sozialismus gegen Ende brachte den Laden schließlich zum Einsturz und das Chaos, unter dem wir heute alle leiden.

    • Insasse sagt:

      Zu Ihrem letzten Satz: Dieses Marxsche Experiment hatten wir bis vor 25 Jahren in der DDR. Wie es dort zum Schluss ausgesehen hat, ist allseits bekannt. Ich gebe allerdings gerne zu, dass es hier schon in die gleiche Richtung geht, was allerdings der immer DDR ähnlicheren Politik zu verdanken ist.

      Im Übrigen frage ich mich, wo die hohen Gewinne der Unternehmen durch Automatisierung herkommen sollen, wenn die meisten Leute dann keine Arbeit mehr haben. Vom Ausleben bisher unterdrückter kultureller Bedürfnisse, wird sich im Zweifel die Haushaltskasse nicht füllen. Wer soll und vor allem kann die zahlreichen im Wege der Automatisierung hergestellten Produkte dann noch kaufen? Wer hat woher das Geld dafür und wer braucht das alles?

    • beccon sagt:

      >>Die Arbeitslosigkeit wird in der Zukunft durch die zunehmende Automatisierung noch gewaltig zunehmen<<
      Eine Litanei, an die ich mich noch als Kind in den 70ern erinnere. Damals war auch eine solche Endzeitstimmung – wegen der "EDV" (Großrechner, erst einmal mit schicken Lochkarten und dann lochstreifengesteuerten Werkzeugmaschinen – faszinierend, das auf der Leipziger Messe anzusehen 😉 )

      Viele Jobs sind dann weggefallen – aber noch mehr neue hinzugekommen. So wird es auch jetzt sein. Weniger Routinearbeiten an der Drehbank oder Bohrmaschine – mehr Programmierung. Klar, daß sich die Qualifikationen dabei anpassen müssen – aber das haben sie immer getan. Früher rotierten Dampfmaschinen mit Heizern und Maschinisten – dann kamen Elektromotore, noch vorher gab es Pferde … Jedes Mal war vom Ende der Arbeit die Rede. Meine Vorhersage: es bleibt auch dieses Mal aus.

      Arbeitslosigkeit ist eine Fehlallokation. In Chavez/Maduros Venezuela ist das Klopapier knapp, da es Preiskontrollen dafür gibt. Also wird keins hergestellt bzw. das vorhandene schwarz zu Wucherpreisen verkauft. Unsere GroKo macht mit dem Mindestlohn eine vergleichbare Politik mit der gleichen Wirkung. Das Angebot schwindet. 1+1=2 – und das bleibt = 2 gestern, heute und übermorgen – nur verstehen das Sozialisten nicht.

    • FDominicus sagt:

      Ihre Sprüche kaschieren nicht Ihre Absicht. Sie wollen Eigentum so umverteilen wie Sie es für richtig halten. Warum sind Sie alle nur so leicht durchschaubar? Ihr ganzes Geschreibt lässt sich immer auf eins zurückführen: „Ich (wir) sind im Besitz der Wahrheit und daher haben wir alle Rechte diese Wahrheit auf jedem Weg durchzusetzen)

      Allein schon die Idee das Arbeit irgendwie knapp werden könnte. Arbeit ist immer ein limitierende Faktor. Aber das kapieren Sie einfach nicht – oder wollen es nicht. Keine Produktion ohne Arbeit, nicht erledigt sich von allein. Geht Ihnen zu Hause die Arbeit aus oder schaffen Sie nicht täglich auf in Ihrem Haus?

      Sie wollen immer dir Früchte der Arbeit Anderer für Ihre unsäglichen Vorlieben. Selber nichts produktives leisten wollen/können aber dann so etwas schreiben. Ich bin darüber mehr als verärgert und lehne Ihre Einstelllung ab. Kurz Leute wie sie können gernel leben wie Sie wollen, auf EIGENE Kosten. Kein ¢ werde ich Ihnen freiwillig für ihre angebliche „Leistung“ geben.

  3. astroman sagt:

    Ja, die Halbwahrheiten der Sozialisten sind schwer erträglich – wenn man dann mal alle Fakten beisammen hat. Ich hab früher auch „genau“ gerufen und war für’s Umverteilen durch Vater Staat. Jetzt bin ich 40+ und hab seid knapp 10 Jahren ne GmbH von 0 aufgebaut.

    Hier mal ein paar Fakten für die Sozialisten. Auch wenn man sich den Mund fusselig redet.

    „Daher müssten die Unternehmen auch einen Teil ihrer Gewinne direkt an das Geistes- und Kulturleben abgeben […]“

    Tun sie schon. Das nennt sich Steuern und Sozialabgaben, die an diversen Stellen anfallen und vom Staat umverteilt werden. Wenn der Umverteilungsschlüssel nicht passt: Bitte sich an die entsprechende staatliche Stelle wenden.

    „Voraussetzung dafür ist aber, dass der Gewinnüberschuss der Unternehmen nicht mehr in unsozialer Weise als arbeitsloses Einkommen in die Taschen fernstehender Eigentümer, insbesondere der Aktionäre fließt.“

    Bis der Gewinn beim „fernstehenden“ Eigentümer (der häufig im Betrieb selber als geschäftsführender Gesellschafter arbeitet – das mal am Rande) „unsozial“ angekommen ist, sind pi mal Daumen 50% weg Richtung Staat/Kommune als Steuer.

    Siehe oben. Wenn der Umverteilungsschlüssel nicht passt: Bitte sich an die entsprechende staatliche Stelle wenden.

    Sozialisten wollen sicherlich kein leistungsloses Einkommen. Nein, sie wollen mehr: Leistungslosen Besitz. Das ist nämlich noch viel geiler und hat noch nen schönen Sozialanstrich über der schäbigen Motivation.

    Mein Vorschlag: Erst mal das kleine 1×1 Steuerrecht bei Kapitalgesellschaften lernen. Geht recht fix mit Wikipedia. Da ist dann schon so manche sozialistische Theorie genauso fix dahin. Zweitens: Selber mal ne Firma gründen, bei Banken als alleinhaftender Gesellschafter die Hosen runterlassen und abschließend die Pole „Sozialismus“ und „Kapitalismus“ differenziert bewerten. Und wenn man dann noch seinen Mitarbeiter vernünftige Gehälter zahlt und fleißig Steuern abführt und vielleicht noch oben drein Geld spendet aus den besteuerten Gewinnen ist man wirklich sozial und produktiv unterwegs und das hat einen Wert.

    Und nein, ich hab nicht die Seiten gewechselt. Ich war vorher lediglich unwissend und daher „sozialistisch“. Und „sozialistisch“ hat GAR NICHTS mit „sozial“ zu tun. Leider ist das Wort sehr geschickt gewählt.

    PS: Und wer glaubt, dass der Staat die wohlwollende Mutti ist, die keines ihrer Kinder bevorzugt und gerecht verteilt… der sollte die Augen etwas weiter aufmachen.

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