Der Zinseszins – Eine Umverteilung von arm zu reich

5. September 2015 | Kategorie: Videoblog

Der fatale Fehler im Geld- und Zinssystem Unser Geldsystem ist am Ende. Warum das so ist und wo die Fehler im System liegen, erklärt dieser kurze Film. Natürlich sind die Zinsen nicht das einzige Problem im System. Fiat-Money (Geldschöpfung aus dem Nichts) und die Kontrolle des Geldes durch eine Minderheit sind weitere Problem

Quelle: Youtube

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11 Kommentare auf "Der Zinseszins – Eine Umverteilung von arm zu reich"

  1. Rico sagt:

    Das Schöne ist ja, dass mit der Vermögenssteuer diese Umverteilung neutralisiert wird. Seitdem hohe Vermögen aber nicht mehr hoch versteuert werden, wird dieser Effekt natürlich minimiert, sodass der Umverteilungseffekt durch Zinsen sich wieder stärker auswirkt.

    Man muss also nichtmal das Geldsystem ändern. Der Staat kann einfach Kapitalerträge höher besteuern und reduziert damit den Umverteiungseffekt automatisch.

    Diesen Zusammenhang stellt nur niemand her.

  2. Avantgarde sagt:

    Und weil das so ist ist es auch keineswegs boshaft die reicheren Mitmenschen stärker zu besteuern.
    Da aber seit den 80ern in USA Reaganomics in Europa ausgeprägt durch Thatcherismus vorherrschen und dieser Pfad immer weiter gegangen wird, und wir übrigens keineswegs ein Keynesianisches sondern ein Neoklassisches Wirtschaftssystem haben….

    ….wurden die Einkommen und Kapitalertragsteuern für die Vermögenderen und Super-Reichen immer weiter und weiter gesenkt.

    Noch zu Kohls Zeiten lag der Spitzensteuersatz über 50%, die Kapitalertragsteuer war nicht nur 25% sondern lag beim persönlichen Steuersatz.
    Natürlich waren die USA und GB unsere großartigen Vorbilder.
    Diese „Medizin“ nehmen wir in immer großen Mengen und es geht uns immer schlechter dabei.
    Inzwischen müssen die so gelobt und bejubelten GlobalPlayers wie Amazon und Co. noch nicht mal mehr Steuern in Europa bezahlen.
    Na wunderbar…..

    Wie sagt doch der Warren Buffett so treffend:

    „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“ – zitiert bei Jutta Ditfurth. Zeit des Zorns 2011

    • Sandra (andere) sagt:

      @Avantgarde:

      Dies funktioniert aber nur, weil es unter den Armen (hierzu zählt auch der sog. Mittelstand) genug Dumme gibt, die als intellektuellle Minderleister respektive intellektuelle Totalausfälle den oberen 10 % (besonders dem oberen 1%) uneingeschränkt zu deren Dienste und im deren Interesse handeln. Ohne deren Hilfe hätten die oberen 10 % keine Chance. Dabei hat man es den Menschen bereits in den US-Serien der 1980er/1990er Jahren bereits die Mechanismen und die Vorgehendsweise gezeigt. Ich habe zwar altersbedingt auch noch einige Jahre gebraucht, bis ich es vollständig verstanden hatte, jedoch war mir bereits Mitte der 1990er Jahre klar, dass es sich bei den Vorgesetzten/Bossen i.d.R. nur um Feiglinge handelte, die Dritte (=besonders nützliche und dümmliche Idioten) die ganze Drecksarbeit machen lassen und selbst im absoluten Luxus und Wohlstand schwelgen. Daher heißt es bisher heuer: „Die hätten es ja nicht machen brauchen“. Hier ist mehr Wahrheit drin als es die meisten wahrhaben möchten. Stünde statt dem Einzelwohl das Gemeinwohl im Vordergrund würde es derartige Auswüchse nicht geben.

      Ein ganz zentraler Aspekt ist vollkommen verloren gegangen. Die Ökonomie dient nur zu Befriedigung von Bedürfnissen. Hier sind nicht die Bedürnisse einer macht- und geldgierigen kleinen Clique gemeint, sondern die physische Versorgung der Menschen mit nützlichen Gütern und Dienstleistungen. Hierzu müsste allerdings erst einmal ein Grundverständnis für die Funktionsweise des Wirtschafts- und Finanzsystems bei der bereiten Masse geschaffen werden. Und dies ist bis heuer ein auswegloses unterfangen. Wer das Finanzsystem wirklich verstanden weiß, dass dies der Untergang jeder Kultur, jedes Volkes bzw. jeder Nation ist. Das war schon immer so, so ist es in der Gegenwart und so wird es auch in der Zukunft bleiben. Ein wirklicher Ausweg ist eine Welt ohne Geld und die Abschaffung aller unnützen Arbeitsplätze. Denn der Konsumwahn ist die Grundvoraussetzung für die Zahlung von Arbeitsentgelten. Hierbei muss unabhängig vom Bedarf immer konsumiert werden, damit das System nicht kollabiert (=> Dekadenz). Und ohne Kredite kein Geld.

      Bedanken können sich alle Wissenden bei den Unwissenden, die mit ihrer Gutmenschenmentalität überall bestimmten und mitentscheiden möchten, jedoch von der Materie selbst keinerlei Ahnung haben.

      • Avantgarde sagt:

        Hallo Sandra (andere)

        ich denke ich teile diese Beschreibung der Lage.
        Die Weichen wurden bereits vor Jahren falsch gestellt und nun sind wir schon allein durch die fortgeschrittene Technik in eine Beschleunigung eingetreten. Marodierendes Kapital sucht inzwischen in Millisekunden Anlagemöglichkeiten rund um dem Globus – und nur wenige ziehen wirklich die Fäden.
        Sehr gut möglich daß unsere Kultur daran letztlich zerbrechen wird.

  3. Eber sagt:

    Friedrich August von Hayek schreibt in seinem ganz fabelhaften, für mich als Laien etwas schwierigen Buch »Der Weg zur Knechtschaft« diesen wunderbaren und leicht verständlichen Satz:
    »Das Unsozialste, was ein Staat tun kann, ist Schulden zu machen.«

    Mit glasklarer Logik begründet er das sinngemäß so:
    Bei wem kann der Staat Kredite aufnehmen? – doch nur bei denjenigen, die so viel Geld haben, dass sie es nicht ganz für ihren Lebensunterhalt benötigen, sondern einen Teil davon weg leihen können – bei den »Reichen« also.

    Selbstverständlich muss der Staat diesen »Reichen« dafür Zinsen bezahlen – womit?
    Aus seinen Steuereinnahmen selbstverständlich.
    Und wer bezahlt diese Steuern in aller erster Linie?
    Es ist die Masse der abhängig Beschäftigten, denen die Einnahmen aus ihrer Arbeit gerade dazu ausreichen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – die »Armen«.

    Dieses Schulden-machen bewirkt folglich und ganz zwangsläufig eine Umverteilung von »unten« nach »oben«:
    Die »Reichen« werden ohne eigenes Zutun immer reicher – die »Armen« bleiben bestenfalls arm oder schlimmer …

    Genau das hatte von Hayek mit »das Unsozialste« gemeint.

    Zum Zinseszins will ich erst gar nichts sagen: Exponentialfunktionen, darauf ist das menschliche Denken nicht programmiert.

    Meine Meinung: Politiker, die Schulden zu machen gedenken, gehören augenblicklich aufgehängt oder dergleichen.

  4. Claus Kiep sagt:

    Zins und Miete sind im Grunde identisch. Das Wort Zins koennte ruhig abgeschafft werden, es ist nichts anderes als eine Geldmiete. Ueberlassung eines Vermoegens-Gegenstands auf Zeit, fuer die Zeit der Ueberlassung muss eine Gebuehr bezahlt werden, und nach Ablauf dieser Zeit ist der Vermoegens-Gegenstand zurueckzugeben, ohne dass die bezahlten Mieten zurueckgefordert werden koennen !

    Gibt es einen prinzipiellen Unterschied zwischen der Miete fuer die Ueberlassung einer Sache und der Miete fuer die Ueberlassung eines Geldbetrages ? Sehe ich nicht ! Genauso gut kann jemand erhaltene Wohnungsmieten ansparen, fuer neue Wohnungskaeufe verwenden, diese dann wieder vermieten, etc…bei der ‚Geldmiete‘ ist nur die moegliche Stueckelung kleiner !

    Wenn man also den Zins abschafft, muesste man eigentlich alle Mietgeschaefte abschaffen – Haeuser, Autos, etc….gut, letztere erleiden Verschleiss, Geld erleidet Inflation, beides muss durch die Miete kompensiert werden. Bei Abschaffung aller Mietgeschaefte aber waere jegliches nicht selbst genutztes Eigentum sinnlos und Kapitalbildung nicht moeglich.

    Das Problem der systemimmanenten Vermoegens-Ungleichheit durch Zins/Miet Verbote zu loesen macht aber eine Eigentums -und Marktwirtschaft unmoeglich. Daher wurde auch immer wieder erfolglos versucht Zinsen zu verbieten.

    Die einzig sinnvolle Art der Vermoegens-Konzentration und dem Horten zu begegnen, ohne die Marktdynamik auszuschalten, ist eine andere Art der Besteuerung : statt die Ertraege sind die Bestaende zu beteuern – ein sehr kleiner Steuersatz wuerde genuegen. Vermoegenssteuer ? Ja, aber nicht nur auf grosse ‚Vermoegen‘, sondern auf jedem Euro der ueber einen Freibetrag hinausginge.

    Auch die Ertrags-Steuerfreiheit bei Reinvestition wuerde vermieden – die ist sinnvoll in Phasen starken Mangels, Aufbaus und Wachstums, zwingt aber eine Wirtschaft immer weiter zu wachsen und bei Stagnation oder Schrumpfung aus dem Gleichgewicht kommen.

    Denn wenn haupsaechlich Loehne, Einkommen und Ertraege besteuert werden sinken bei einer Wachstums-Pause die Einnahmen des Gemeiwesens – Staat. Der muss dann entweder Steuern erhoehen – sehr kontraproduktiv – oder sich verschulden, in der Hoffnung sich beim naechsten Wachstum-Schub ihrer wieder zu entledigen. Oder eben Gelddrucken.

    Wenn Vermoegen nicht sinnvoll investiert werden koennen dann sinken sie eben, ohne dass deswegen das Steueraufkommen zusammenbricht.

    • Eber sagt:

      Ich beziehe mich hier nur auf Ihren ersten Absatz und meine, dass Ihre Argumentation nicht ganz schlüssig – zumindest unvollständig ist.
      Geld zu verleihen und z. B. eine Wohnung zu vermieten, sind ja nicht das selbe.

      Die Wohnung nützt sich ab, auch wenn sie stets „perfekt“ renoviert wird, weil das Haus insgesamt eben eine begrenzte Lebensdauer hat. Das muss in der „Miete“ berücksichtigt werden.

      Wenn ich Geld verleihe, habe ich ein Risiko, nämlich dass der Kreditnehmer pleite geht und mein Geld dann weg ist – dafür muss ein Risiko-Beitrag geleistet werden – wie auch für die Inflation, die mein Geld permanent entwertet. Auch der muss vom Kreditnehmer bezahlt werden.

      Außerdem will ich selbstverständlich etwas „verdienen“, wenn ich mein Geld verleihe. Warum soll nur der Kreditnehmer mit meinem Geld etwas verdienen, in dem er z. B. ein Unternehemen gründet und womöglich reich wird?
      Immerhin trage ich das Risiko, mein Geld zu verlieren – siehe oben.

      Wenn derartige Dinge nicht gesichert sind, weshalb denn sollte ich mein Geld weg leihen ??? Da stecke ich es doch lieber unter die Matraze.

      Das Zinsverbot im Islam ist ein ausgesprochener Quatsch, der nie und nirgendwo funktionieren kann.
      Kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass eine Islamische Bank eröffnet werden, die Geld Koran-gerecht zinslos verleihen soll. Ich habe die Modalitäten nicht genau gelesen, ein typisch orientalischer Schwindel das. „Man“ hat die Zinszahlung irgendwie in einen zweiten Vertrag „ausgelagert“ usw.

      Die Urfrage bleibt eben immer:
      Weshalb soll ich Geld weg leihen, wenn ich keinen Profit davon habe, der Kreditnehmer aber womöglich reich wird, ich aber das Risiko trage, mein Geld zu verlieren, weil der pleite macht?

  5. Rico sagt:

    Claus, deine Argumentation klingt sehr interessant und nachvollziehbar. Damit schaffst du quasi eine Art negativ-Zins auf „Guthaben“, der ja auch dieses Jahr schonmal probeweise für Geldvermögen veranschlagt wurde.

    • ToGue sagt:

      Eine Gebühr oder ein Negativzins auf Guthaben kommt bei Befürwortern eines „fließenden Geldes“ immer wieder vor (z.B. Andreas Popp, u.ä.). Ich halte so etwas für fatal! Claus Kiep gesteht in seinem Posting oben zumindest eine Freigrenze zu. Aber: Wie hoch ist die denn? Und wer setzt die an? Ich für meinen Teil möchte mir nicht vorschreiben lassen, wie viel ich für Notfälle (z.B. Reparaturen, Krankheitsfälle, etc.) auf der hohen Kante haben darf bevor darauf zu gegriffen wird. Und zwar von keiner Regierung, keiner Zentralbank, keiner Kommission, oder was auch immer.
      Beträge bis hin zu einigen hunderttausend Euro (ich benutze mal diese Verrechnungseinheit, setzt jede beliebige andere, gegenwärtig oder zukünftig ein, wenn ihr wollt) sind auch i überhaupt nicht das Problem. Es wird erst dann schwierig wenn jemand über so viel verfügt, dass derjenige politische/gesellschaftliche Entscheidungsprozesse beeinflussen kann, das geht selbst mit einigen Millionen noch nicht wirklich.
      Mal eine Utopie(!) wie es meiner Meinung nach gehen würde : Führt eine Vermögensobergrenze ein. Das klingt jetzt auch sehr sozialistisch, aber wenn diese so hoch liegt, dass jeder so viel Vermögen verdienen kann, dass es für ihn und alle seine Angehörigen locker bis an den Rest seines Lebens reicht und dann noch für die Kinder etwas übrig bleibt, wäre das ohne Probleme machbar. In heutigen Geld gerechnet, vielleicht 10 Mio Euro pro natürlicher Person als Obergrenze…? Für Firmen ein Betrag je nach Art des Geschäftsfeldes… Immobilienvermögen und Wertpapiere mit eingerechnet. Gerade so viel dass alles polypolistisch bleibt, nirgendwo Oligo – oder gar Polypole entstehen. Wer schon 10 Häuser hat, darf dann halt nicht mehr so viel Aktien besitzen…Innerhalb der Vermögensgrenze niedrige Steuern, die niemals einen gewissen Prozentbetrag überschreiten dürfen, auch nicht per Parlamentsbeschluss. Damit muss die Regierung auskommen! Für Vermögenserträge allerdings höhere Steuern als für durch Arbeit verdientes Geld. Schuldenaufnahme durch den Staat gibt’s nur in absoluten Katastrophenfällen und diese muss(!) in den folgenden Jahren zurückgeführt werden. Zusätzlich keine(!) Geldschöpfung durch Zentralbanken, keine Rettungen von Schuldnern (oder Gläubigern).
      Innerhalb der Vermögensgrenzen würde sich eine reine, unverfälschte Marktwirtschaft im eigentlichen Sinne entwickeln, keine Zentralplanung, freies Wirtschaften.
      Alles was über die Vermögensgrenze hinaus erwirtschaftet wird, geht in allgemein nutzende Forschungs – und/oder Sozialfonds, die NICHT allein von der Regierung überwacht werden.
      …ich weiß, eine Utopie…

      Noch etwas anderes: Das Video ist von oder verweist am Ende zumindest auf eine Organisation, die sich „monneta“ nennt. Auf dieser Website wird eine Gebühr (Negativzins) auf Bargeld(!!) und kurz – bzw. mittelfristige Spareinlagen propagiert. Wem das nutzen würde darf sich dann jeder ausrechnen.

      Und als letztes, ohne als Klugsch….. darstehen zu wollen, aber: In dem Video wird es bei Minute 2.00 so dargestellt, als ob natürliches Wachstum immer als „beschränktes Wachstum“ verläuft. Dem ist nicht so. Die meisten natürlichen Wachstumsvorgänge haben zu Beginn durchaus einen (fast) exponentiellen Verlauf, werden dann langsamer und laufen an eine Grenze heran, die von den Bedingungen, die gerade herrschen, bestimmt wird. Das wäre sog. „logistisches Wachstum“.
      Wer sich einen Überblick über die verschiedenen Wachstumsarten verschaffen will, hier eine kurze, wenn auch etwas mathematische Übersicht, die ich für ziemlich gut halte:
      http://www.geoinf.uni-jena.de/fileadmin/Geoinformatik/Lehre/SoSe_2010/GEO241/Studi/Brockmann-Wachstumsmodellierung.pdf

  6. Claus Kiep sagt:

    Rico,
    richtig. Und auch die moralische Rechtfertigung ist fuer mich stimmig. Sach -und Geldvermoegen ist nur wertbestaendig solange es einen Rechtstaat gibt der dieses Eigentum garantiert und die Instrumente schafft diese transaktionsfaehig zu machen. Der Beitrag zum Gemeinwesen solte sich also nach deren Hoehe richten, und nicht aus derem Ertrag und dem Ertrag aus Arbeitseinkommen.

    Einer saturierten – oder reifen – Wirtschaft droht die Erstarrung. Also ist die Bewegung zu entsteuern, und das ‚Erstarrte‘ zu besteuern. Wenn jemand es vorzieht Vermoegen nicht in den Verkehr zu bringen darf das nicht gratis sein. Die Ertraege aus dem ‚in den Verkehr bringen‘ sollten nicht bestraft werden.

    Die Argumentation fuer die Vermoegenssteuer dreht sich immer um Gerechtigkeit. Darum geht es nicht, es geht um Systemstabilitaet.

  7. Insasse sagt:

    Ab Minute 5:30 wird folgende Aussage gemacht: „Das Geldsystem sorgt für systematische Umverteilung. Von der Mehrheit der Bevölkerung zu der vermögenden Minderheit.“

    Diese Aussage mag grundsätzlich stimmen. Wir leben unstrittig in einem Geldsystem, dass auf Kredit basiert und dementsprechend Kreditnehmer produziert, welche Zinsen zahlen und somit für Umverteilung sorgen. Hinsichtlich des Ausmaßes der Umverteilung fragt sich allerdings, ob die Mehrheit der Bevölkerung nicht erheblich mitverantwortlich für den Reichtum der vermögenden Minderheit ist.

    Insoweit darf die Betrachtung auf Kredit für Konsum eingeschränkt werden, da der Großteil der Bevölkerung nicht investiert, sondern konsumiert (auch ein selbstgenutztes Haus ist entgegen landläufiger Meinung übrigns Konsum und nicht Investition).

    Hinsichtlich des Konsums ist zu unterscheiden zwischen dem lebensnotwendigen (essenziellen) Konsum und dem nicht lebensnotwendigen (dekadenten) Konsum.

    Über den lebensnotwendigen (essenziellen) Konsum muss ein jeder Zinsen zahlen. Das sind die Zinsen, welche im Produktentgelt eingepreist sind. Dieser Zwang zur Zinszahlung gilt für Einkommensschwache genauso, wie für den Mittelstand und die Vermögenden.

    Ein Großteil der Umverteilung per Zinsen stammt in der heutigen Zeit aber nicht aus dem lebensnotwendigen Konsum, dem jeder Konsument zwangsläufig unterliegt. Vielmehr hat ein Großteil der Umverteilung per Zinsen seine Ursache im nicht lebensnotwendigen Konsum auf Kredit. In diese Kategorie gehören Kredite für Haus, Auto, Urlaub, Smartphone, teure Wohnungseinrichtung etc. pp.

    Je mehr Einkommen ein Kreditnehmer hat, desto höher ist seine Kreditwürdigkeit, je mehr Kredit ist also möglich. Wer mehr Kredit aufnimmt, hat zwangsläufig auch eine höhere Kreditlast als jemand, der aufgrund seines geringen Einkommens nicht so kreditwürdig ist und deshalb nicht so viel Kredit aufnehmen kann.

    In dem Video heißt es weiter: „Vor allem der Mittelstand trägt eine unverhältnismäßig große Last durch die Zinsen in allen Krediten.“

    Dies ist eine Tatsache, die sich logisch aus der vorgenannten Argumentation (vorheriger Absatz) erklärt. Darin besteht aber keine zwangsläufige Benachteiligung des Mittelstandes, denn niemand istgezwungen, Kredit für nicht lebensnotwendigen (also dekadenten) Konsum aufzunehmen, also Kredite für Haus, Auto, Urlaub etc. und dafür Zinsen zu zahlen.

    Dies ist die freie Entscheidung des Kreditnehmers. Er entscheidet sich mit der Kreditaufnahme dafür, den nicht lebensnotwendigen Konsum vorzuziehen, anstatt dafür zunächst aus seinem Einkommen heraus anzusparen und dementsprechend erst später zu konsumieren. Über die daraus entstehende, nicht notwendige Zinslast, muss sich der Kreditnehmer also nicht beschweren. Insbesondere muss er sich aber nicht über die zwangsläufig darin liegende Umverteilung beschweren, die er ja ohne Zwang selbst verursacht.

    Da es in der heutigen Zeit von der ganz großen Mehrheit der Bevölkerung als völlig normal angesehen wird, Kredit für nicht lebensnotwendigen Konsum aufzunehmen, beschleunigt sich die Umverteilung per Zinsen von dieser großen Mehrheit zur vermögenden Minderheit erheblich. Dieses Phänomen gilt insbesondere für den Mittelstand, der kreditwürdiger ist als einkommensschwächere Schichten. Der Mittelstand trägt deshalb zwangsläufig auch den größten Anteil an der Umverteilung per Zinsen. Würde sich der Mittelstand dagegen auf den lebensnotwendigen Konsum beschränken, trüge er nur die gleiche Zinslast, wie der einkommensschwächere und vermögende Teil der Bevölkerung.

    Die Ursache für das Ausmaß der Umverteilung per Zinsen vom Großteil der Bevölkerung hin zur vermögenden Minderheit, liegt also nicht (allein) im Geldsystem begründet, sondern zu einem guten Teil im Verhalten der Konsumenten, welche auf nicht lebensnotwenigen Konsum nicht verzichten wollen und dafür unnötig Kredit aufnehmen.

    Fazit: Die Umverteilung per Zinsen ist in einem auf Kredit basierenden Geldsystem grundsätzlich nicht zu verhindern, da ein jeder für den lebensnotwendigen Konsum Zinsen zahlen muss. Das Ausmaß der Umverteilung ist dagegen sehr wohl steuerbar. Und zwar durch Verzicht von nicht lebensnotwendigem Kunsum auf Pump. Unsere Großeltern kannten diesen Mechanismus übrigens noch und haben ihn auch angewendet.

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