Der Zensurweltmeister und die Fed…

8. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Manchmal ist es klüger, einfach nichts zu sagen. Von der US-Notenbank etwa können deutsche Politiker noch einiges lernen. Wir sind schon wieder Weltmeister! Diesmal bei der Zensur von Internet-Videos. Festgestellt haben das die Forscher von Statista im Rahmen ihres Projekts OpenDataCity…

Platz zwei geht mit großem Abstand an den Südsudan. An den Südsudan!

Sie fragen, wo ist Russland? Die „bösen Russen“ schaffen es ausnahmsweise nicht unter die ersten Zehn, dafür erhält der Vatikan die Bronzemedaille. Ein Achtungserfolg für die Pfaffen!

Nun ist die folgende Grafik vor allem aus einem Grund interessant: Der „Weltmeistertitel“ in Internetzensur wurde bereits im Jahr 2012 vergeben, also noch lange bevor Zensurminister Heiko Maas (SPD) „Hasskommentaren“ im Internet den Kampf angesagt hatte:

Neuerdings müssen Konzern wie Facebook, Twitter und Co. zweistellige Millionenbeträge berappen, wenn sie unschöne Äußerungen ihrer Nutzer nicht umgehend löschen. Freuen können sich darüber insbesondere Denunzianten und wohlmeinende „Gutmenschen“. Auf deren Initiative hin werden Internetbeiträge künftig nämlich entfernt.

Das bedeutet: Auf seinem unbeirrbaren Weg in Richtung DDR-Zwo wird das vereinigte Deutschland seinen Zensurvorsprung künftig derart massiv ausbauen, dass andere Länder nicht die geringste Chance haben werden, den amtierenden Zensurweltmeister noch einzuholen. Ein Hauch von „Made in Germany“ wird den Titel künftig umwehen. So haben sie es am liebsten, die Deutschen.

Diverse Schlaumeier werden nun natürlich einwenden, dass „rechtliche Probleme“ mit Musiklizenzen den deutschen Zensurvorsprung bei Youtube-Videos verursacht haben. Für Zahlen aus dem Jahr 2012 mag das zutreffen, künftige Zensurpokale wird sich Deutschland nach der Maas-Initiative allerdings auch ganz ohne die ausgebremsten Barden erspielen.

Dabei ist Heiko Maas ja nicht der Einzige, der im Bundestag offen gegen deutsche Interessen und die grundgesetzlich verankterte Meinungsfreiheit agitiert. Eine besondere Blüte können Sie hier bewundern. Und die Dame mit erkennbar rudimentären Kenntnissen darüber, was wirklich in unserem Grundgesetz geschrieben steht, ist sogar Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Kein Scherz! Doch Sie sollten sich beeilen, das Video anzusehen, womöglich wird es ja in Kürze zensiert.

US-Notenbank: Alles echt…

Wie gut, dass wir in diesen Tagen unsere Fed haben, werden da nun manche sagen. Denn bei der US-Notenbank werde schließlich nichts zensiert. Alles echt und ungeschminkt. Zum Teil stimmt das sogar, denn dort geht man sehr viel raffinierter zu Werke, wie wir gleich sehen werden.

Nun hat die Fed also das Unaussprechliche gewagt und vor einer fundamentalen Überbewertung der Aktienmärkte gewarnt.

Was hat das zu bedeuten?

Altgediente Börsianer werden sich an Alan Greenspans Warnung vor „Irrationalen Übertreibungen“ erinnern. Gut 20 Jahre ist das her und seinerzeit dauerte es noch ein ganzes Weilchen, bis die Anleger begriffen hatten, warum Greenspan Ende 1996 derart besorgt war: Die Internet-Blase platzte erst im Jahr 2000.

Heute ist Greenspan aus einem ganz anderen Grund besorgt: Der 90jährige wittert Ungemach wegen der historisch einmaligen Anleiheblase. Auch diesmal wird „der Magier“ Recht bekommen. Greenspans Kollegen befürchten unterdessen ein Gewitter an den Aktienmärkten. Dort seien die Bewertungen inzwischen „luftig“, was immer das heißen mag.

Kommen nun also Anleihen UND Aktien unter die Räder? Das wäre ja mal ganz was Neues. Wie sehr sich die Bewertung der Börsen von der Realität abgekoppelt haben, das lässt die folgende Abbildung nur leise erahnen. Leise deshalb, weil die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2014 stammen.

Zu sehen ist das Verhältnis der Börsenkapitalisierung in Relation zur US-Wirtschaftsleistung. Schon von drei Jahren war dieser Wert höher als zu Zeiten der Internetblase in den Jahren 1999 und 2000. In weiser Voraussicht hat die Notenbank die Berechnung der offiziellen Zahlen wenig später eingestellt.

Sehr geschickt: Keine Zensur, stattdessen sagt man gar nichts mehr. Das ist natürlich besonders schlau, denn so werden nur einige wenige Unruhegeister bemerken, dass die Aktienbewertungen heute um rund 15 Prozent höher liegen als vor drei Jahren, während das BIP nur um rund sieben Prozent gewachsen ist. Das bedeutet: Der aktuelle Balken ganz rechts, den Sie sich nun denken müssen, würde alle bisherigen Rekordmarken sehr deutlich überragen.

Wie sich Fed-Warnungen vor einer fundamentalen Überbewertung der Aktienmärkte in der Vergangenheit bei den Börsenkursen niedergeschlagen haben, das zeigt die folgende Abbildung. Im Klartext: Zwölf Monate später waren im Durchschnitt an allen wichtigen US-amerikanischen Börsenplätzen mehr oder weniger große Verluste zu verzeichnen.

Nun kann man nicht behaupten, die Botschaft der US-Notenbank käme zur Unzeit, denn mit dem April beginnt allmählich jene Phase, da Dauertrader und Börsenjunkies zwar weiterhin wie gebannt auf die Kurstaffeln starren, am Ende des Sommers aber in schöner Regelmäßigkeit feststellen, dass der ganze Stress umsonst war. Wieder ein bisschen Leben vor der Glotze verplempert.

Ach so, Sie spekulieren sowieso schon auf fallende Kurse? Dann ist ja alles in Ordnung. Passen Sie nur auf, dass Ihnen Alan Greenspan nicht dazwischenfunkt. Denn sollte die Anleiheblase tatsächlich platzen, dürften bei diversen „Finanzinstrumenten“ ganz unzensierte Wahrheiten auf den Tisch kommen…
Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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