Der „Würgeengel“ kommt…

28. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Inmitten der ganzen Trump-Tweets schaut fast niemand auf folgende Entwicklung. Es gibt nämlich wieder ein Gespenst, das die Wirtschaft heimsucht. Es ist das Gespenst der Inflation…

Bloomberg berichtete: „Die US-Lebenshaltungskosten vollzogen im Januar den größten Anstieg seit Februar 2013. Höhere Kosten für Benzin und andere Waren und Dienstleistungen sorgten dafür, dass die Inflation an Dynamik gewann. Der Verbraucher-Preisindex stieg stärker als erwartet um 0,6% . Im Dezember lag das Plus bei nur 0,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die von den Amerikanern bezahlten Preise für Waren und Dienstleistungen um 2,5%. Das ist der stärkste Anstieg seit März 2012.“

Die französische Investmentbank Natixis verweist auf folgendes:

„Die Rückkehr der Inflation in der Eurozone, einhergehend mit dem Anstieg des Ölpreises, wird dazu führen, dass die Europäische Zentralbank ein Ende des QE-Programms verkünden wird. Das wird zu einem Zinsanstieg von 110 Basispunkten (1,1 Prozent) in der Eurozone führen.“

Warten Sie bitte einen Moment. Ist Inflation nicht das, worauf die Fed aus ist? Die jüngsten Zahlen zeigen, dass das Ziel der Notenbanker von 2% bereits erreicht ist. Vielleicht erinnern Sie sich ja, liebe Leser. Die Fed hat sich ja zwei Ziele gesetzt: Die Arbeitslosigkeit sollte unter fünf Prozent sinken. Und die Inflation sollte über zwei Prozent steigen. Das Erreichen dieser beiden Ziele würde beweisen, dass die Wirtschaft „gesund“ genug sei, um die Zinsen zu erhöhen.

Höhere Inflationsraten – höhere Preise – das signalisiert mehr Konsumnachfrage. Und mehr Arbeitskräftebedarf. Es suggeriert, dass es mehr Menschen mit mehr Geld gibt. Und die Menschen sind auch bereit, das Geld auszugeben. Wie könnte das jemals eine schlechte Sache sein? Und jetzt, nachdem beide wichtigen Fed-Ziele erreicht sind, sind wir auf gutem Weg zurück zu den guten, alten Zeiten, oder? Oh, liebe Leser, wenn es nur so einfach wäre!

Verschuldung auf Rekordniveau

Das typische Haushaltseinkommen eines normalen US-Privathaushalts liegt unter dem Niveau von 1999. Höhere Verbraucherpreise machen es schwieriger, den Lebensstandard zu halten. Aber das größere Problem sind die Schulden. Echtes Geld – gedeckt durch Gold – ist begrenzt. Dies begrenzt die Höhe der Schulden, weil man nur eine begrenzte Menge an Geld leihen kann.

Das Post-1971-Fake-Geld-System erlaubte andererseits, den Schuldenstand erst graduell und später galoppierend zu erhöhen. Jetzt sind wir bei einem Schuldenstand von mehr als 200 Billionen Dollar weltweit angekommen. Das entspricht in etwa dem Dreifachen der Wirtschaftsleistung.

Und jetzt bringen wir es bildhaft auf den Punkt.

Wenn die Schulden steigen, wird die Inflation zu einem Würgeengel. Zuerst ist sie „willkommen“. Man freut sich auf sie. Aber dann endet das Ganze tödlich. Denn steigende Preise signalisieren den Kreditgebern, dass die Geldsummen, die sie verliehen haben, an Kaufkraft verlieren. Sie werden und müssen höhere Zinsen verlangen, um sich zu schützen.

Rezessionswarnung
von Bill Bonner

Also, es geht um die Frage, was passiert, wenn die Kreditgeber aus Furcht vor Kaufkraftverlust höhere Zinsen verlangen. Unsere Welt ist eine Welt, in der alle großen Institutionen – Banken, Pensionskassen, Regierungen, Großkonzerne – , also alle wichtigen Akteure des Systems von Deep State, nur bei extrem niedrigen Zinsen gedeihen können. An dieses extreme Zinsniveau haben sie sich wie die Dinosaurier an die Tropen angepasst. Sie werden zittern, sterben, ja aussterben, wenn auf einmal kalte Winde wehen sollten.

Und ein harter Schlag könnte insofern anstehen….

Nehmen wir an, dass die Zinsen nur um ein kärgliches Prozent steigen. Das würde der Weltwirtschaft einen um mehr als zwei Billionen Dollar pro Jahr höheren Zinsdienst kosten. Alle – also auch die oben genannten großen Akteure – , die sich Geld leihen mussten, wären plötzlich nicht mehr in der Lage, den Lebensstil zu bewahren, an den sie sich gewöhnt hatten. Selbst normale Privathaushalte würden in Schwierigkeiten geraten. Hypothekenzinsen würden steigen. Hauspreise würden fallen. Kreditmärkte würden „einfrieren“, so dass es schwierig würde, alte Kredite zu refinanzieren.

Alle müssten kürzer treten … Arbeiter entlassen und Expansionsprojekte aufgeben … oder bankrott gehen.

Die Aktien könnten sich dann locker und leicht halbieren … und für lange Zeit auf dem tiefen Niveau verharren. Die Renten müssten wahrscheinlich auch gekürzt werden. Selbst die Regierung wäre gezwungen, mehr für ihre Schulden zu bezahlen und müsste die Ausgaben reduzieren. Aber keine Sorge. Die Zentralbanken haben die Sache im Griff, oder? Nun, da Inflation und Arbeitslosigkeit die Zielwerte erreicht haben, können die Zinsen wieder steigen, oder? Das wird dann auch die Inflation wieder nach unten bringen, nicht wahr?

Das wird nicht passieren …

Wie wir hier im Tagebuch schon oft gewarnt haben, kann die Fed niemals freiwillig zu einer normalen Zinspolitik zurückkehren, weil sie eine Welt geschaffen hat, die von der Abnormalität abhängt. Was wird also passieren?

Also, die Fed wird über die Erhöhung der Zinsen sprechen. Sie kann oder wird vielleicht sogar den Leitzins noch ein oder zwei mal um 25 Basispunkte erhöhen. Aber eine Rezession und ein Bärenmarkt wird kommen, vermutlich noch vor dem Ende dieses Jahres. Wenn Präsident Trump klug wäre, würde er versuchen, beides bald starten zu lassen, damit er dafür Präsident Obama verantwortlich machen kann. Je länger man auf beides warten muss, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er dafür verantwortlich gemacht wird.

Märkte und Volkswirtschaften sind Teil der natürlichen Welt. Sie müssen einatmen und ausatmen. Ihre Lungen füllen sich mit Ehrgeiz und Optimismus. Dann müssen sie ausatmen und die Fehler und Enttäuschungen herauspusten.

Aber wenn die „Korrektur“ kommt, werden die riesigen Greifvögel in Nord-Virginia und die Megafauna von Manhattan nach Unterstützung schreien. Die Fed wird sofort ihr Ziel, wieder normal zu werden, aufgeben. Stattdessen wird sie Aktien und Anleihen kaufen. Und sie kann Bargeld verbieten … negative Zinssätze einführen … Geld von Hubschraubern abwerfen…

Was unterscheidet reiche von armen Ländern?
von Bill Bonner

Mit Blick auf die Aktienmärkte ist anzumerken, dass jüngst der Dow, der S&P 500 und der Nasdaq fünf Handelstage in Folge auf einem neuen Rekordhoch aus dem Handel gingen. Das letzte Mal, dass es so etwas zu bestaunen gab, war im Jahr 1992. Heute wollen wir uns aber hier im Tagebuch wieder einmal mit etwas Grundsätzlichem beschäftigen.

Was trennt, was unterscheidet ein reiches Land von einem armen? Ja, die reichen Länder haben mehr Geld. Aber Geld ist nur ein Anspruch, eine Anwartschaft auf Reichtum. Es ist kein wirklicher Reichtum. Wie erhalten nun reiche Länder mehr Wohlstand? Durch Bodenschätze, natürliche Ressourcen?

Nein.

Zwei der reichsten Länder – Japan und die Schweiz – haben nur wenige natürliche Ressourcen. Und zwei der ärmsten Länder der Erde – Venezuela und der Kongo – haben jede Menge natürlicher Ressourcen.

Kultur?

Nein.

Japan und die Schweiz haben sehr unterschiedliche Kulturen. Das ist auch bei Venezuela und Kongo der Fall.

Politische Institutionen?

Infrastruktur?

Bildungssysteme?

Enorme Unterschiede im selben Land

Nun, lieber Leser, bevor wir hier noch weiter so wild raten, halten wir folgendes fest. All diese Dinge machen zwar einen Unterschied aus, aber keiner erklärt es so richtig. Sogar im selben Land – mit der gleichen Infrastruktur, dem gleichen Bildungssystem und den selben politischen und rechtlichen Institutionen, die jedem zur Verfügung stehen – sehen Sie große Reichtumsunterschiede.

In Baltimore, zum Beispiel, lebt fast die Hälfte der Bewohner der Stadt auf einem ähnlich tiefen Niveau wie die Menschen in Venezuela oder dem Kongo. Und viele afrikanische Nationen haben die politischen Modelle der USA, Frankreichs oder Großbritannien übernommen und sie fast wortwörtlich angewandt. Die Ergebnisse sind aber – bescheiden formuliert – sehr unterschiedlich. Warum ist dem so?

Wie wir vor kurzem erklärt haben, wird eine Gesellschaft, die Win-Win-Transaktionen fördert reicher als eine, die Win-Lose-Transaktionen bevorzugt. Aber schauen wir uns das Ganze aus einem weiteren Blickwinkel an.

In gewissem Sinne ist alles aus den gleichen Atomen gebaut. Wir alle haben die gleiche Grundlage. Es hängt aber alles davon ab, was wir daraus machen. Ein Wolkenkratzer ist nichts anderes als verschiedene Grundelemente, die in einer bestimmten Weise zusammengebaut werden. Arme Stammesangehörige im Amazonasgebiet wissen nicht, wie man das macht. Reiche Leute in New York, Tokio oder Paris wissen das sehr wohl.

„Information“ und Wissen machen den Unterschied aus. Es sagt uns, wie man ein Kernkraftwerk baut oder Eiscreme herstellt. Informationen sind auch wichtig für eine Wirtschaft.

Wie viele Eisdielen brauchen wir?

Wie viel Stahl sollten wir produzieren?

Wie produziert man einen TV-Show-Quotenhit?

Eine Volkswirtschaft ist ein Lernsystem. Die Teilnehmer lernen jeden Tag. Dann wenden sie die Lektionen an.

Sie testen weiter und erfahren mehr.

Brauchen Konsumenten Kirsch-Frappuccinos?

Können Sie einen Gewinn erziellen, wenn man Eistüten an Eskimos verkauft?

Was ist der „echte“ Preis von Kapital?

Märkte geben Ihnen die Antworten und informieren die Wirtschaft, die mit mehr Tests, mehr Gebäuden, mehr Versuchen und mehr Fehlern reagiert. Mit jedem neuen Test erhält die Wirtschaft wertvolle Informationen.

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Eine andere Welt...(von Bill Bonner)
Die Partei des Krieges(von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.