Der Witz mit den 100.000 Euro

22. Dezember 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Sandpreise sind schon wieder auf Rekordpreise gestiegen. Wie der DAX. Kein Wunder, wenn den Leuten so viel davon in die Augen gestreut wird…

Grob und fein – alles durfte sein, verteilt durch Sterndeuter und Experten. Jeder von ihnen erwartet ein üppiges 2014. Doch Vorsicht! 2015 wird noch um vieles besser. Vollgas beim Wachstum, volle Kasse, volle Läden, Vollbeschäftigung, voll krass. Aber wo nur? Im Vollrausch oder Taka-Tuka-Land.

Doch die beste Nachricht war ohne Zweifel diese: Die Spargelder wären auch voll sicher! Steuerzahler würden künftig bei Bankpleiten voll geschont. Diese Prognose fällt normalerweise unter das Betäubungsmittelgesetz.

Traurig, dass die Politik Spareinlagen heute schon garantieren muss und es gar nicht kann. Bis zu 100.000 Euro auf dem Konto wäre alles sicher, heißt es. Diese Garantie ist ein Witz bzw. eine Tonne Sand pro Auge, denn wie werden eventuelle Billionenschäden abgesichert? Mit Peanuts, bzw. mit einem Fonds! Binnen zehn Jahren soll ein Topf mit 55 Milliarden Euro befüllt werden. Ich würde ja die Banker-Boni dorthin umleiten. Das ginge wesentlich schneller, als diesen Fonds mit den Gebühren der Bankkunden zu befüllen, während man erzählt, die Banken würden den Topf befüllen.

Was ist aber mit Beträgen über 100.000 Euro? Werden diese bei einer Pleite etwa „gezypert“? Oh ja! Das wäre zwar eine Enteignung, aber niemand hat offiziell die Absicht. Die Nagelprobe wird es zeigen. Bis dahin schlafe ich doch lieber auf Baumwolle. Hoffentlich reichen die Beruhigungspillen aus, um nicht unsanft aus meinem Schlaf gerissen zu werden, wenn die nächste Finanzkrise (Überschuldungskrise) an die Tür geklopft hat.

Deutsche Sparer haben bislang nur das Wort der Kanzlerin aus dem Jahr 2008, ihre Gelder wäre sicher. Aber sie haben keinen Rechtsanspruch darauf. Und weil alles so toll und transparent gehandhabt wird, schweigt der deutsche Einlagensicherungsfonds über seine vermeintlichen Guthaben. Es sollen rund fünf Milliarden Euro sein – also schon wieder Peanuts für den Fall der Fälle.

Gut, dass es Sand gibt. Deshalb wurde er in dieser Woche mit dem Bohei um eine ach so nützliche Bankenunion so teuer. Die Geschichte zeigt, wenn man Politikern Sand in die Hände gibt, wird dieser spätestens nach fünf Jahren sehr knapp und damit teuer – selbst in der Wüste.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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2 Kommentare auf "Der Witz mit den 100.000 Euro"

  1. samy sagt:

    N‘ Abend,

    neulich, in der Mittagspause, kam wieder einmal die Frage auf:

    -100 000 pro Person oder pro Konto oder pro Person und Kreditinstitut?
    -Die Wiki sagt, glaube ich, 100 000 pro Person und Kreditinstitiut.
    -Wie lief es in Zypern? Hat da jemand Infos?

    Ein Kollege streubt sich hartnäckig davor, 10%-15% seines frei verfügbaren ererbten Vermögens in Gold anzulege, um es vor der diversen Szenarien abzusichern. Mit Gold versichert man Geld, sei es vor einem Staatsbankroot, sei es vor einer Inflation. Aber weil ich für meinen „fundierten“ Pessimismus bekannt bin, lassen die es auch nicht mich um eine Meinung zu fragen. Denen jetzt mit „Back to Mesopotamia“ usw. usf. zu kommen, da habe ich einfach keine Böcke mehr darauf.

    Aber wie war es in Zypern, hat da einer Infos?

    VG

  2. jean sagt:

    Hallo Frank,
    ich habe dich letzte Woche und nach einer sehr langen Zeit wieder im Fernseher angeguckt. Seit Wann Trägst du eine Brille ? Oder glaubst du den Dax- und Dow-Kurse nicht mehr ?

    Gruß
    Jean der um sein Land besorgte Franzose und keine sauce hollandaise mehr isst.

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