Der Weg nach Null (3)

25. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Egon Wolfgang Kreutzer

Es ist wohl eher so, dass wir weggelockt worden sind, von allem, was gut und langlebig war, in jene Wegwerfgesellschaft, die mit jeder Mode, mit jedem Verschleiß, mit jedem Qualitätsverzicht in immer schnellerer Folge immer neue Gewinne für die Wirtschaft ermöglicht und dabei Ressourcen verschwendet und sehr viel Lebenszeit abfordert, nur um Schlechtes, Billiges, durch noch Schlechteres, noch Billigeres zu ersetzen…

Die Kapitalakkumulation die dabei stattgefunden hat, ermöglicht es in der jetzigen Phase, immer mehr auf menschliche Arbeitskraft zu verzichten. Der Produktivitätsfortschritt kommt allerdings nicht den Menschen zugute. Die einen, die immer weniger werden, müssen für ihr Einkommen immer mehr, immer länger und auch immer intensiver arbeiten. Die anderen, die als Überflüssige ausgesondert wurden, dürfen bei Strafandrohung nicht arbeiten und müssen sich mit den Almosen, die ihnen der Staat zugesteht, so einrichten, dass nicht jedes kleine Vergnügen mit einem unfreiwilligen Fastentag bestraft wird.

Doch es geht eben nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf – es geht auch die Schere zwischen der möglichen Produktion und der Kaufkraft immer weiter auf.

Ein Prozess, der schon lange dazu geführt hat, dass Investitionen in realwirtschaftliche Unternehmen gegenüber so genannten „Investitionen“ in Produkte der Finanzbranche zunehmend als unrentabel angesehen werden. Durch „Geld Haben“ und „Geld Hin- und Herschieben“ einen höheren Gewinn zu erzielen als durch die Produktion von Waren und Dienstleistungen, ist für die Eigentümer der großen Vermögen eine Versuchung, der kaum noch widerstanden wird.

Dass die Zinserträge aus Krediten entweder von den Konsumenten direkt aufgebracht werden müssen oder über die versteckten Zinsen in den Preisen indirekt zu bezahlen sind, dass die Dividenden-Ausschüttungen der Aktiengesellschaften von den Konsumenten bezahlt werden, weil der Gewinn Teil des Preises ist, das wird zwar noch verstanden.

Was noch nicht begriffen wird, ist die Tatsache, dass der Gewinn aus Kapitalanlagen niemals höher sein kann als die Löhne und Gehälter, die an die Beschäftigten ausgezahlt werden.

Sinken die Löhne und Gehälter, müssen auch die Gewinne sinken.

Dass die Gewinne immer noch steigen, ist dem Export zu verdanken. Doch die Welt, in der Phase der umfassenden Globalisierung, wächst zu einem makroökonomischen Ganzen zusammen. Export findet nur noch scheinbar über nur noch scheinbare Grenzen statt, die vom frei beweglichen Kapital längst ausradiert sind.

Dass die Gewinne immer noch steigen, ist also nicht nur dem Export zu verdanken, sondern vor allem der Tatsache, dass unsere Exporte mit Krediten bezahlt werden. Kredite, von denen sich zwangsläufig herausstellen muss, dass ihre Gesamtsumme niemals mehr sinken kann, sondern zwangsläufig immer weiter steigen wird – es sei denn, es erfolgt ein Schuldenschnitt.

Auch die Annahme, man könne die Schulden mit Inflation bekämpfen, ist irrig!

Es ist zwar richtig, dass sich alte Schulden leichter tilgen lassen, wenn das Geld, das man zur Tilgung verwendet, Kaufkraft verloren hat, gegenüber dem Geld, das anfänglich als Kredit ausgereicht wurde – doch dabei wird vergessen, dass das Geld, mit dem getilgt wird, eben nur durch neue Schulden geschaffen werden kann.

Das ganze Spiel ist ein Wahnsinn. Es ist menschenverachtend, ja existenzvernichtend. Es bringt Armut und Hunger, Aufstände und Terrorismus hervor und kann auch durch Kriege nicht beendet, sondern nur immer wieder neu gestartet werden.

Dass alte Männer vor langer Zeit ein Gesetz niederschreiben ließen, in dem vorgeschrieben ist, dass alle 50 Jahre einmal ein großer Schuldenerlass stattzufinden habe, so dass niemand in dauerhafte Knechtschaft verfalle, zeugt von großer Klugheit und Weisheit, und wohl auch von bitteren Erfahrungen. Es zeugt davon, dass der gleiche Wahnsinn, dem wir jetzt anheimfallen, schon einmal geherrscht haben muss und dass dem damit ein Ende gesetzt werden sollte.

Sie finden dieses Gesetz im fünfundzwanzigsten Kapitel des dritten Buches Mose in jeder Bibel – oder hier, unter diesem Link. Der Text ist zudem auch interessant, weil er neben dem Schuldenerlass auch eine Regelung für das Eigentum an Grund und Boden beinhaltet, die – wenn man sich einmal hineingedacht hat – die Problemlösung erst vervollständigt!

Warum ist es nur so schwer, zu verstehen, dass alles, was auf dieser Welt verkauft wird, insgesamt nur so viel kosten darf, wie dafür auch Lohn gezahlt wird?

Warum ist es nur so schwer zu verstehen, dass Preise, die über den Löhnen liegen, letztlich nur durch Verschuldung oder andere Vermögensverschiebungen zu Gunsten der Verkäufer erzielt werden können.

Warum ist es nur so schwer zu verstehen, dass gewinnorientiertes Wirtschaften, also ein Wirtschaften, das über den eigenen Bedarf hinaus zu Gelderträgen führt, die nicht verwendet, sondern nur gehortet oder verliehen werden, langfristig zum Zusammenbruch des Wirtschaftsraumes führen müssen?

Warum kapiert niemand, dass der Unterschied zwischen dem Kapitalismus und dem Spiele-Klassiker Monopoly darin besteht, dass beim Monopoly, nachdem der Gewinner feststeht, alles wieder eingesammelt und beim nächsten Spiel neu verteilt wird, während im Kapitalismus „ewig“ weitergespielt wird, ohne dass die Verlierer jemals eine neue Chance bekommen?

Die vorne eingefügte Grafik, so fiktiv die Werte und die angenommenen Entwicklungsverläufe auch sein mögen, ist die Abbildung einer Gesetzmäßigkeit, der wir uns unterworfen haben, als wir es zuließen, dass die Welt, einst Gemeineigentum aller Lebewesen, in handelbares und vererbliches Eigentum einzelner umgewandelt wurde.

Grund und Boden ist das einzige Gut, das – so lange die Welt besteht – Bestand haben wird und zugleich ist es dasjenige Gut, das jeder Mensch, vom Augenblick der Geburt an benötigt, um mit seinem materiellen Körper in einer materiellen Umwelt existieren zu können. Grund und Boden ist das Gut mit dem höchsten Erpressungspotential, weil niemand ohne „Raum“ existieren kann und ihn folglich pachten oder mieten muss, wenn er leben und arbeiten will.

Miete und Pacht für Grund und Boden, Zinsen auf Geld, sind ebenso wie Gewinne aus Produktion und Handel, Einnahmen, die von den Eigentümern ohne adäquate Gegenleistung gefordert werden. Alle diese Einnahmen müssen aus den Löhnen bezahlt werden, die wiederum grundsätzlich niedriger sind als die Preise der damit erzeugten Waren und Dienstleistungen. Die Differenz lässt das Vermögen weniger und die Schulden vieler im gleichen Umfang wachsen.

Dies gilt unabhängig von Rationalisierungs- und Automatisierungsprozessen, wird durch diese aber enorm beschleunigt.

Der Aufstand der Weber, heute gerne als fortschrittsfeindlich belächelt, wandte sich vordergründig und sichtbar gegen die Maschinenwebstühle. Doch die Weber waren nicht auf die Maschinen böse, an denen sie zum Teil ihre Wut ausließen, sie waren zornig, weil aus dem als gerecht empfundenen Lohn von Tausenden der Gewinn einiger Weniger gemacht wurde.

Eigentum beschränkt und verwehrt Teilhabe.

Im kleinen Maßstab ist das gut und richtig. Im großen Maßstab wird es fragwürdig, und wo Eigentum nur noch eingesetzt wird, um Nutzungsentgelt zu erpressen, ist die Ausübung von Eigentumsrechten ein krimineller und menschenverachtender Akt.

Wege zur Trendumkehr

Um überhaupt den Ansatzpunkt für eine Umkehr dieses verheerenden Trends finden zu können, gilt es, einen Blick auf die angebliche Quelle allen Fortschritts zu richten, nämlich das, was wir beschönigend „Wettbewerb“ nennen, obwohl es sich dabei inzwischen um einen Vernichtungskrieg handelt.

Ein Krieg, der zwar noch an so vielen unterschiedlichen und unzusammenhängenden Frontlinien tobt, dass der globale Charakter des Vernichtungskrieges – wie der Wald vor lauter Bäumen – kaum erkennbar ist, der aber dennoch in jeder Region und jeder Branche flächendeckend ausgefochten wird und nichts als verbrannte Erde hinterlässt.

Etwas Neues in die Welt zu setzen oder Bestehendes zu verbessern, ist selbstverständlich gut und richtig. Doch wie alles, was Menschen auf dieser Welt erdacht, erfunden, konstruiert, entwickelt und gestaltet haben, geht es doch stets auf jenen Fundus an Wissen und Erfahrung zurück, den alle vorangegangenen Generationen der Menschheit aufgebaut haben.

Gerade diejenigen, die in langen Studienjahren größtmögliches Wissen in sich aufnehmen und dieses Wissen dann zur Erzielung höchster Einkommen verwerten, stehen doch am meisten in der Schuld derjenigen, welche die Basis dafür gelegt haben – und das sind nicht nur ihre Lehrer und die Gelehrten der Vergangenheit, es sind auch alle diejenigen, die es ihnen mit ihrer Arbeit, mit ihren Dienstleistungen ermöglicht haben, sich weitgehend frei von anderen Verpflichtungen dem Studium hinzugeben.

Es ist nicht der Einzelne alleine, der seinen Aufstieg erkämpft, es ist die gesamte Gesellschaft, die ihm dabei als Steigbügelhalter zur Seite steht.

Doch wir haben eine Geisteshaltung entwickelt, die statt Dankbarkeit Gier hervorgebracht hat und den „Erfolgreichen“ mit Schutzrechten ausstattet und ihn zum alleinigen Verwerter einer Idee, eines Gedankens macht, obwohl dieser in der jeweiligen Zeit schlicht „in der Luft lag“. Von bestimmten Perversionen im Patentrecht, wie der Patentierung von Lebewesen und Mini-Patenten, mit denen Konkurrenten bösartig ausgebremst werden, gar nicht zu reden.

Ein Wettbewerb, der unter dem Motto steht „The winner takes it all“, zielt auf die Vernichtung der Konkurrenz ab, nicht auf wirklichen Fortschritt, nicht auf Verbesserung von Lebensumständen und Arbeitsbedingungen, sondern auf den größtmöglichen Anteil am erwarteten Gewinn. Das ist – zugegebenermaßen – eine starke Motivation, doch was haben wir davon?

Wir haben uns damit den Zwang eingehandelt, immerwährend mit aller Kraft zu ringen und zu kämpfen, zu arbeiten, zu intrigieren, zu täuschen und zu tricksen, um ja nicht einen Zentimeter zurückzufallen, weil wir an denen sehen, die wir hinter uns gelassen haben, wie dreckig es ihnen geht. Dass es denen so dreckig geht, weil wir sie im „Wettbewerb“ besiegt und ihnen damit (the winner takes it all) alles genommen haben, erkennen wir nicht oder wollen es nicht erkennen.

Dass es denen so dreckig geht, weil wir nicht darauf verzichtet haben, mit Betrug und Bestechung, mit Gewalt und Erpressung zu arbeiten, um an die Spitze zu gelangen und dort zu bleiben, erkennen wir ebenfalls nicht oder wollen es nicht erkennen.

Dass zwar grundsätzlich jeder, der mitspielt die gleiche Chance hat, dass aber immer nur wenige gewinnen können, ist zwar trivial, wird aber konsequent ausgeblendet. Dass die Chancengleichheit de facto durch bereits erworbenes Vermögen massiv verändert wird, wird kaum thematisiert.

Selbst im eigenen Land verschließen wir konsequent Augen und Ohren vor den Folgen des allgegenwärtigen, erbitterten Konkurrenzkampfes und achten stattdessen strengstens darauf, dass unsere Kinder möglichst vom ersten Schrei an bestmöglich für diesen Kampf trainiert werden. Die Erklärung für dieses Verhalten, die Erklärung dafür, dass wir so viel Energie darauf verwenden, so viel Stress auf uns nehmen, so viel Lebenszeit verschwenden, lautet bei den meisten, die noch gelegentlich einen Augenblick Zeit finden, ihre Situation zu reflektieren… 

„So ist die Welt nun einmal. Man kann nichts machen. Du musst mitspielen oder untergehen, also spiele ich mit. Es hängt mir zum Hals heraus, es ist furchtbar, aber die Alternative ist noch viel schlimmer.“ (—> Seite 2)

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10 Kommentare auf "Der Weg nach Null (3)"

  1. Green Line sagt:

    §1 (1) Ab 2016 ist ein Anteil von 15 Prozent der Unternehmensgewinne nach einem sozial gerechten Schlüssel an die Beschäftigten auszuschütten. (2) Dieser Anteil steigt in den folgenden Jahren jeweils um fünf Prozentpunkte bis ein Anteil von 90 Prozent erreicht ist

    Wenn ich so etwas lese dann kommt mir das Grauen, waren Sie schon mal Selbständig, oder haben ein Unternehmen geführt?

    Ich vermute nicht.

    • Avantgarde sagt:

      Das hier ist die Kurve des Spitzensteuersatzes in den USA
      https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e5/MarginalIncomeTax.svg/878px-MarginalIncomeTax.svg.png
      90% in den 50ern und 60ern – gab es deswegen eine Depression? Wie wir wissen nicht.

      Thatcher hat in UK den Spitzensteuersatz 1979 von 83 auf 60% gesenkt und dann immer weiter bis auf 40%

      Noch zu Kohls Zeiten gab es hier einen Spitzensteuersatz von 56 und 53%
      Auch die anderen Kapitalsteuern waren höher. Die Mehrwertsteuer aber niedriger.
      Depression? Nein!

      Nur mal so als Anmerkung….daß der Author durchaus auf dem Boden der Realität bleibt.

    • astroman sagt:

      Über den Punkt war ich wohl auch gestolpert. Bei diesen Forderungen wird – vermute ich einmal – nicht berücksichtigt, dass es viele sehr kleine Kapitalgesellschaften gibt, wo einzelne „natürliche“ Personen Eigentümer sind und mit ihrem persönlichen Vermögen trotz beschränkter Haftung der Kapitalgesellschaft direkt gegenüber den Banken haften, wo die Firma ihre Konten und Kredite hat. Insofern würde ich als Betroffener auch nur dann die restlichen 45% des Unternehmensgewinns hergeben (50% sind ohnehin Steuern, wenn 90% vor Steuer an die Belegschaft ausgeschüttet werden, bleiben also 5% nach Steuern für den Eigentümer und 45% für die Belegschaft), wenn die Angestellten dann auch wie der Eigentümer gesamtschuldnerisch haften und im Insolvenzfalle dann mit gerade stehen oder bei Durststrecken selber Geld in die Firma stecken. Ich denke, damit wäre der Drops schnell gelutscht und das Gros der Belegschaft würde freiwillig auf den Gewinn verzichten.

      Ich schreib’s immer wieder gerne, da das immer ausgeblendet wird: Bereits heute gehen knapp 50% der Gewinne bei in Deutschland „normal“ besteuerten Unternehmen in den sozialen Topf, bevor sie beim Eigentümer ankommen. Das dürfte für so ziemliche alle kleinen GmbHs und AGs zutreffen. Das ist 50/50 und wie ich denke mehr als fair. Die eine Hälfte für die Mitmenschen und Gesellschaft, die die Kapitalgesellschaft überhaupt erst ermöglicht hat. Die andere Hälfte für den Unternehmer, der persönlich für die Firma gerade steht und diese am Laufen hält. (Und Unternehmer kann auch heißen, dass einer ´ne 5-Mann-Bude gründet.) Das schließt ja dann auch nicht aus, dass man in der Firma noch unternehmensgewinnbezogene Boni ausschüttet.

      Ich hab den Eindruck, dass die Leute die nach 90% Steuern rufen immer nur die bösen Großkonzerne vor Augen haben und selber nie was gegründet haben. Sonst käme so eine Forderung nicht. Leider schreiben zu wenig Gründer/Unternehmer, so dass das Bild in den Medien doch etwas verzerrt ist und man sehr selten „von der anderen Seite“ hört.

      Der Autor hat aber vermutlich auch eher das End-Game vor Augen, wo die Gewinne der Großkonzerne maximiert sind und für die Gesellschaft gar nix mehr übrig bleibt. Daher vermutlich die krass hohe Ausschüttungsquote. Wobei ich dann noch besser fänd’, wenn Mitarbeiter Anteile an der Firma erhalten und so am Gewinn partizipieren. Dann wird das Kapital nämlich wirklich Volkseigentum – mit allen Vorteilen und allen Risiken.

  2. Conilo sagt:

    Lieber Herr Kreutzer,
    ganz herzlichen Dank für diesen erleuchtenden Artikel zur Weihnachtszeit. Sie zeigen wunderbar anschaulich und schlüssig auf, in welche Sackgasse uns der real existierende, menschenverachtende, neoliberale Kapitalismus geführt hat. Als jemand, der selber diesen BWL/VWL-Quatsch einmal studiert hat und dessen Lehren und Glaubenssätze in der Berufspraxis verinnerlicht hatte, möchte ich Sie zu diesem Artikel ausdrücklich beglückwünschen.
    Sie analysieren nicht nur den Ist-Zustand des kapitalistischen Sytems m.A.n. sehr treffend, sondern skizzieren auch dessen fatale zukünftige Entwicklungen im Hinblick auf Arbeitsmarkt und Gesellschaft auf überzeugende Weise.
    Ich bedaure sehr, dass man heutzutage viel zu selten auf derart wertvolle Artikel stößt. In den gesteuerten Mainstreammedien erwarte ich diese nicht, wohl aber in alternativen Medien. Doch auch dort wird man selten fündig. Im „Schwesterportal“ von Rottmeyer, der „Metallwoche“, findet man Ihren Artikel bezeichnenderweise nicht. Obwohl es dort im August einmal einen Podcast mit Egon Wolfgang Kreutzer gab, ist dort Kapitalismuskritik nicht en vogue, vielmehr bietet man dort permanent neoliberalen Stimmen wie Markus Blaschzok, Peter Boehringer oder anderen eine Bühne.
    Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest!

    • Frank Meyer sagt:

      Lieber Conilo, Sie verstehen sich wirklich in Humor…

      Markus Blaschzok und Peter Boehringer als „neoliberal“ zu bezeichnen…. Oh, der war wirklich gut!
      Auch „Kapitalismuskritik ist auf der Metallwoche nicht en vougue!… Oh, der war sogar noch viel besser! 🙂

      Viele Grüße von Frank

      P.S. Es ist uns in der Tat (bei Ihnen) nicht gelungen, die Begriffe „liberal“ „neoliberal“ und „libertär“ zu erklären.
      Vielleicht haben Sie die Podcasts aber auch nicht alle gehört, bei der Menge, die wir senden…

      • astroman sagt:

        Ja, das ist in der Tat ein Versagen der Liberalen. (Bitte nicht persönlich nehmen; ich denk da eher noch an was Gelbes 😉

        Aus dem Lesen diverser Beiträge, Kommentare über die Jahre und den Sichtweisen im Bekanntenkreis ahne ich, dass Begriffe wie „liberal“ in Bezug auf Wirtschaft und „Kapital“ mittlerweile in Deutschland sehr negativ besetzt sind. Gedanklich haben viele Menschen immer nur die amoralisch agierenden Großkonzerne vor Augen. (Und die finden „neoliberal“ auch nur so lange klasse, wie sie nicht im neoliberalen Feuer der Märkte selber abfackeln. Welcher Idiot hat eigentlich den Begriff „neoliberal“ geprägt?)

        Dass eine freie Gesellschaft einzig aus dem freien Handel (ein Aspekt einer liberalen Gesellschaft) von Gütern, Arbeitsleistung und Besitz oder Geld (alles Aspekte von Kapital) einzelner Menschen miteinander entstehen kann, ist mittlerweile Mythos und Geheimwissen geworden. Ich hab’s auch eher zufällig entdeckt in den letzten Jahren. Dabei haben sich schon so schlaue Köpfe wie Popper damit beschäftigt.

        Mal Roland Baader lesen; gibt’s teilweise für umme im Netz. (Man was hätte der heute viel zu schreiben…) Und ruhig mal durchhalten, auch wenn einem das ein oder andere aufstößt beim Lesen. Ich stimme auch nicht immer zu 100% zu, aber es ist wichtig, mal zu verstehen, worum es im Liberalismus und auch Kapitalismus eigentlich geht. (Der Aufruf geht jetzt freilich nicht an die Autoren des Blogs, sondern die Mitleser 😉

  3. Michael sagt:

    Da steckt viel Wahres drinnen. Aber was ist der Unterschied zu jetzt?

  4. Argonautiker sagt:

    Da mag ich Ihnen zu der gelungenen Trilogie meinen Glückwunsch aussprechen.

    In der Tat hat das Übel, an dem wir gerade zugrunde gehen, viele Facetten. Heruntergeschlagen, ist es jedoch dem Irrtum geschuldet, überwiegend in eine falsch verstandene, den Anderen vernichtende, Konkurrenz zueinander eingegangen zu sein, anstatt einen Wettstreit der Nächstenliebe bevorzugt zu haben.

    Aber unsere heutigen Führungskräfte meinen mal wieder, daß es eine Lösung sei, zum Krieg gegeneinander aufzurufen. Lassen wir ihnen doch gerne den Vortritt, an die vorderste Front.

    Nun, es ist von drei Wehen gesprochen worden, um die neue Welt zu gebären, und es sieht wirklich so aus, als wenn die Welt noch ein drittes Mal durch den Schmerz gehen muß, um das Prinzip der Leben gebärenden Nächstenliebe zu verstehen, denn Einsichtige, die mit dem Sinn dieses Artikel einhergehen, gibt es viel zu wenig.

    Beste Grüße aus Bremen

  5. bluesbuddy sagt:

    Moin,Moin Herr Kreutzer,
    Lob für diese erstklassige Arbeit.Ihre Lösungungsvorschläge ,§1 etc. sind mehr als
    nachdenkenswert.
    MfG.

  6. Andi sagt:

    Am Anfang befanden wir uns auf einer Einbahnstrasse. Jetzt in einer Sackgasse. Herr Kreuzer ist ein Visionär. Seine Gedanken ehrenwert. Seine Lösungsansätze diskussionswürdig. Seine Steueransätze verbesserungswürdig. Aber er handelt nach dem gleichen unternehmerischen Prinzip. Das weiss ich deshalb so genau, weil er genau denen,die eine Chance suchen, keine Chance gibt. Er handelt da genauso wie jeder andere. Er möchte auch nicht mehr bezahlen u.U. weil er seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Ob er mehr bezahlen muss weiss er gar nicht, weil er es nicht ausprobiert. Ob er nicht vielleicht eine bessere Leistung bekommt auch nicht. Es zählt das hier und jetzt. Im Moment weiss er es. Was kommt weiss er nicht. Er will es aber nicht ausprobieren. Das ist kein Vorwurf. So verhält sich 90 % des Marktes. Der Markt sucht sich die günstigsten Preise. Und wenn er dafür bis nach Asien marschiert. Der Markt nimmt radikal den Ausverkauf seiner eigenen nationalen Produktivität in kauf. Punkt. Zu sehen in allen Belangen in Deutschland. Deshalb ist diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Der Punkt Null unausweichlich. Der bewaffnete Konflikt aber auch. Darüber sollte man sich im klaren sein. Eine Gesellschaft die gut ausgebildet ist, verlässt den Standort dann, wenn das Überleben nicht gesichert ist. Nationalbewusstsein hin oder her. Der Abgang ist vorgezeichnet. Der Niedergang damit auch. Zurück bleiben die , die es einfach nicht blicken. Somit wird ein Industriestandort zum failed State. Nun ja. Die Majas haben uns das ja voraus. Die Ägypter auch. Danach kam kein einziger mehr mit Verstand aus dem Loch gekrochen, um es mal ganz platt auszudrücken. Der Niedergang geht am Anfang langsam. Danach rasend schnell. Mit jedem Jahr. Die Globalisierung frisst ihre Kinder. Die heutig 50 jährigen, dürfen zumeist ihren wirtschaftlichen Niedergang in vollen Zügen auskosten. Definitiv. 60 Jahre Aufbau, müssen doch in 10 Jahren kaputt zu kriegen sein. Da wäre doch gelacht. Was Herr Kreutzer und viele nicht begreifen wollen, das ist so gewollt. Sonst würden sich doch ein paar Regierungsmitglieder dagegen stellen. Ich für meinen Teil vertrete eine Ansicht, die man in den Raum stellen sollte.
    Die Wirtschaftskrise war ein Angriff auf den Mittelstand. Ist der Mittelstand mit Innovation kaputt, verbleibt die Großindustrie Konkurrenzlos. Den Rest kann man sich denken. Gute Nacht.

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