Der US-Dollar: Nur „fast“ so gut wie Gold

26. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Seit Herbst 2011 wertet der US-Dollar-Wechselkurs auf und entsprechend hat der Goldpreis seither merklich nachgegeben. Für viele Investoren ist ein starker US-Dollar ganz offensichtlich ein „Ersatz“ für Gold.

Ein Grund dafür dürfte sein, dass das Weltfinanzsystem (nach wie vor) ein US-Dollar-Devisen-Standard ist: Der US-Dollar steht für den größten Kapitalmarkt und gibt die Richtung für die weltweiten Finanzmärkte vor. Ist das Vertrauen in den US-Dollar groß, verringern sich die Anreize, Gold nachzufragen.

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Ein weiterer Grund könnte sein, dass der US-Dollar nach wie vor die höchste „Golddeckung“ aufweist: Keine andere Zentralbank hat mehr Gold im Keller im Verhältnis zur ausgegebenen Papiergeldmenge als die US-Zentralbank (soweit man den offiziellen Zahlen Glauben schenken mag).

Allerdings haben solche Betrachtungen in der kurzen Frist in der Regel keine Bedeutung für die Wechselkurs- und Goldpreisbewegungen. Das zeigte sich recht deutlich in den Währungsmärkten.

(Schein-)Fels in der Brandung

Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise war mit erheblichen Schwingungen der Wechselkurse gegenüber dem US-Dollar verbunden (siehe hierzu Abb. 2).

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Der Russische Rubel und die Indische Rupie haben merklich abgewertet gegenüber dem US-Dollar. Aufgewertet haben Schweizer Franken, chinesischer Renminbi und Euro.

Der japanische Yen wertete bis Anfang 2012 sehr stark auf. Seither ist er jedoch im Abwertungstrend – vor allem seit Ende 2012, nachdem die Bank of Japan verkündete, Staatsanleihen aufkaufen zu wollen.

Jüngst scheint auch der Aufwertungstrend der chinesischen Währung gestoppt zu sein: Die Sorgen vor einem Platzen des „Kreditbooms“ lassen den Renminbi absinken gegenüber dem US-Dollar.

Blickt man auf die Wechselkursbewegungen der letzten Jahre, so könnte der Eindruck entstehen, dass sich in den Geldmärkten letztlich alles um den US-Dollar dreht. Doch ist das wirklich so? (Seite 2)

 

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