Der US-Arbeitsmarkt: Simsalabim-bamba-saladu-saladim

1. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

US-Zauberei vom Feinsten! Was haben wir gelacht! Und was haben wir gefeiert. 157.000 neue Stellen wurden in den USA im Januar geschaffen. Harry Potter hatte viel zu tun. Bei den Amerikanern scheint es allerdings eine Art von Unlust zu geben, denn 88,8 Millionen der US-Bürger stehen dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung. Wahrscheinlich sind Sie im Urlaub oder einfach nur vor dem Fernsehgerät eingeschlafen…

Die Zahl der Amerikaner, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen, ist seit Barack Obamas Amtsantritt vor fünf Jahren von 80,0 auf jetzt 88,8 Millionen angestiegen. In der Spitze waren es schon mal 89,9 Millionen. Überhaupt sind die US-Statistiken auf den ersten Blick nur schwer zu begreifen. Obwohl 157.000 Stellen neu geschaffen worden sind, ist die Arbeitslosenquote von 7,8 auf 7,9 % gestiegen. Im Dezember hatte man die Anzahl der neu geschaffenen Stellen nach oben revidiert auf 196.000.

Es sieht alles super aus, werden die Zahlen kommentiert. Die Börsen gehen wieder in den Steigflug über. Dow Jones und S&P500 pirschen sich an ihre nominalen Höchststände an. Es geht langsam aber beständig aufwärts, heißt es von den Kommentatoren. Bei CNBC schreien sie sich wieder an. Herrlich! Dabei muss man wissen, dass die Arbeitsmarkt nicht wie hierzulande aus Arbeitsämtern stammen, sondern durch eine monatlichen Umfrage zustande kommen. Nach offizieller Lesart suchen derzeit 12,3 Millionen US-Bürger einen Job. Gleichzeitig aber bekommen 47,5 Millionen Amerikaner Lebensmittelmarken.

Um in der Statistik eine etwas genauere Zahl über die Situation zu erhalten, muss man schon tief in die Statistik eintauchen und der offiziell ausgegebenen U-3- Arbeitslosenquote die U-6-Quote entgegenstellen. Diese wurde mit 14,4 % ausgewiesen, was ungefähr auch der Anzahl derer entspricht die im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der USA Lebensmittelmarken erhalten. Wissen sollte man auch, dass „entmutigte“ Arbeitnehmer nach einer gewissen Zeit aus der US-Quote gekippt und bei „Not in Labour Force“ entsorgt werden.

Während im Einzelhandel 33.000 Stellen geschaffen wurden, und 28.000 in der Bauwirtschaft, steigt die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen und 23.000 und die im Bergbau um 6000. Im produzierenden Gewerbe, und das ist erstaunlich, wegen den großen Aufschwungs in den USA, wurden keine neuen Jobs geschaffen. in Amerika wird also weiter konsumiert statt produziert. Interessant ist auch der Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenquote im Bereich der Teenagern beträgt 23,4 Prozent und liegt damit nahe an der Grenze zur Trostlosigkeit.

Hier! Ein Knochen!

Während die Börsen feiern, sendet der Rentenmarkt gefährliche Signale. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen ist inzwischen in Richtung Zwei-Prozent-Marke geklettert. Vor dem Hintergrund wäre es doch erstaunlich, wenn die amerikanische Notenbank es mit ihrem so genannten Exit aus der ultralockeren Geldpolitik ernst meinen würde. Dies dürfte aber der Dreh- und Angelpunkt in der Diskussion der kommenden Monate werden, hat die FED neulich den Märkten einen großen Knochen hin geworfen, an dem sich lange genug abarbeiten können. Es wird das gleiche Geschrei wie die Sache mit der Schuldenobergrenze und Fiskal-Klippe. Viel Spaß damit!

Und dann, vermutlich im Herbst, wenn dieser große Knochen genügend abgenagt ist, heißt es vielleicht April! April! Und dann gibt es einen neuen, noch größeren Knochen, der Märkte, Experten und Kommentatoren beschäftigen wird.

Eines muss man der amerikanischen Notenbank unterstellen: Genialität. Sie versteht es, mit wohl dosiertem und verwirrenden Signale zumindest auf der Zeitebene Quartal für Quartal voranzukommen, obwohl die Realität ganz anders aussieht. Diese Realität wird durch statistische Tricks, Verbalakrobatik und hinter bunten Fassaden versteckt. Wir wissen ja, dass was in Amerika zur Mode geworden ist, kommt früher oder später auch hierzulande an. Freuen wir uns darauf!


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Ein Kommentar auf "Der US-Arbeitsmarkt: Simsalabim-bamba-saladu-saladim"

  1. Herr Bert sagt:

    Richtig: Man kann’s nur noch mit Humor ertragen – denn zum Haare-Raufen langts nicht mehr! Da setzt man die Zahlen der Vormonate rauf und freut sich, dass man sich um ganze 40% verzählt hat! Zum Vorteil für die aktuellen Zahlen wie man meint. Zeigt ja auch ganz eindeutig die Zunahme der Stellen: Bildet sich mit den neu berechneten Vormonaten doch eine Kurve, die von (nach oben korrigierten) 247.000 Millionen für November und (nach oben korrigierten)196.000 für Dezember nun auf 157.000 für Januar abstürzt. Hurra! Eine Kurve wie eine Sprung-Schanze, wir heben ab um sportlich im Tal der ahnungslosen Mathematikverweigerer zu landen. Und in der Zeitung liest man, (Berliner Zeitung von heute), wie sich doch die Wirtschaftsdaten der USA aufhellen, bei nur noch 7% (!) Arbeitslosigkeit! (Klar: 7,9% fühlen sich an wie 7 Prozent. 7 Euro 90 fühlen sich ja auch wie 7 Euro an!)
    Wenn man sich in dieser ganzen Euphorie nun auch noch dazu bekennen wollte, sich aktuell möglicherweise ebenfalls um plus/minus 40% verzählt zu haben und eigentlich eine Revision abzuwarten sei, dann kann man sich demnächst auf 94.000 bis 220.000 neu geschaffenen Stellen für den Januar einstellen.
    Und um der ganzen Euphorie einen krönenden Abschluss zu geben muss man sich ja auch einmal vorstellen: Die US-Arbeitsmarktlage ist soooo gut, dass sich unter den 12 Millionen arbeitslosen Amerikanern wohl nicht einer findet, der besser als mit einer Streubreite von 80 Prozent“rechnen“ kann! Halleluja, die Amis sind gerettet!

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