Der Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus

11. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Im Jahr 2008 erhielt die belgische Bank Dexia noch großzügige Garantieerklärungen durch Belgien und Frankreich, vor wenigen Monaten bestand die Bank den Stresstest der EU problemlos und gestern wurde sie verstaatlicht – ein Weg, den viele weitere Banken ebenfalls beschreiten dürften…

Falscher Anreiz

Bereits die Stützung der Dexia Bank im Jahr 2008 war systemgemäß logisch: Keiner der großen Finanzakteure darf Pleite gehen, insbesondere wenn er großzügiger Kreditgeber staatlicher Einheiten ist (wie die Dexia für viele französische Kommunen). Dies ist natürlich ein verhängnisvolles Anreizsystem. Es galt immer größer zu werden und immer höhere Risiken einzugehen, um jene Liga der „Too big to fail“-Banken zu erreichen. Wer in dieser Liga spielt, kann dann nämlich extrem hohe Gewinne einstreichen, während er das Risiko auf die Allgemeinheit abwälzt. Die allermeisten Banken wären schon längst bankrott, würden sie ihre Assets zu der entsprechenden Marktbewertung in ihren Bilanzen führen. Da sie dies aber nicht müssen, sondern diese vielmehr einfach zu Einkaufspreisen bilanzieren oder gar vollständig außerhalb der Bilanz führen dürfen, kommt die traurige Wahrheit immer nur häppchenweise ans Tageslicht.

Bankrotte werden nicht zu gelassen

Ein Bankrott einer Bank würde aufgrund der weltweiten Vernetzung der Finanzindustrie einen Dominoeffekt auslösen. Dies darf nicht sein. Also werden Banken, deren Bankrott sich nicht weiter verschleiern oder mittels Garantien verzögern lässt, verstaatlicht. Ein Szenario, welches wir schon lange formuliert haben, zuerst in der Ausgabe 7/2008 „Bombe im Bankensektor“.

Dank unserem Geldsystem, in welchem Geldschöpfung aus dem Nichts stattfindet, können diese Prozesse sogar relativ lange verzögert werden, bis der Staat schließlich doch gezwungen ist, die entsprechenden Banken unter seine Fittiche zunehmen. Für die angehäuften Verluste steht der Staat dann gerade. Dieses Geradestehen wird über immer neue Schulden bezahlt. Genau hierin sieht Smart Investor einen der wichtigsten Treibsätze für den Crack-up-Boom. In einem solchen Boom steht der reale Kapitalerhalt an oberster Stelle. Deshalb haben wir auch in diesem Jahr wieder unsere Oktoberausgabe diesem Thema gewidmet. Da zum Kapitalerhalt auf jeden Fall Edelmetalle gehören, stellt sich die Frage nach der richtigen Lagerung. Lesen hierzu das Interview mit Smart Investor Kolumnist und Gründer der GoldMoney Foundation, James Turk.

Festzustellen bleibt, dass die wenigsten Banken bereit sein dürften, ihre Fehler einzugestehen und die Bilanzen zu bereinigen. Ein solcher Prozess, wie ihn die österreichische(!) Erste Bank angestoßen hat, ist für die meisten Institute zu schmerzhaft und dürfte wohl auch häufig zu spät kommen. Am Ende läuft es auf den Scherz über den Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus hinaus: „Im Sozialismus werden die Banken erst verstaatlicht und gehen dann pleite. Im Kapitalismus gehen sie erst pleite und werden dann verstaatlicht.“ Und damit zu den Märkten… (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Der Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus"

  1. FDominicus sagt:

    Ich denke man darf ohne Übertreibung sagen, die derzeitigen Eingriffe werden immer extremer. Man denke einmal an Paulsons 750 MRD Blanko-Check. Ich weiß nicht wieviele davon bis heute schon verbrannt wurden. Aber die Summe die im Raums stehen werden immer gigantischer oder vielleicht sollte man eher sagen absurder. Noch scheint es nicht anzukommen, aber mit jedem neuen „Paket“ wird es offensichtlicher. Das dem wirklich rein gar nichts gegensteht, dürfte es irgendwann in sich zusammenfallen. Man weiß eben nur nicht „wann“…

  2. Die Wallstreet spielt Gott…

    Stellen Sie sich vor, Sie als Anleger sind nur ein kleines Licht in der großen Welt der Börse. Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Instanz, die Ihre Vorstellungskraft sprengen würde, etwas wo Sie sagen würden, das kann es gar nicht geben. Vielleicht mei…

  3. crunchy sagt:

    Das mit dem Wann? ist die spannenste Frage.
    Heute fielen mir im Gelben Forum die entgegengesetzten Trends
    von Blatic Dry:
    http://investmenttools.com/futures/bdi_baltic_dry_index.htm
    und Harpex:
    http://www.harperpetersen.com/harpex/harpexRH.csv auf.

    Die Frage ist wie kann´s kommen?
    Meine Antwort kann erschrecken:
    Der Harpex beschreibt ja den gegenwärtigen Stand der Wirschaftsaktivität. Und die gleitet und gleitet, bis sie abstürzt.
    Der BDI als vorlaufender Wirtschaftsindikator passt da irgendwie nicht in´s Bild.

    In meiner Jugend lernte ich: Die Chinesen können Berge versetzten.

    Und das ist die Erklärung:
    Niedrige Frachtraten, niedrige Rohstoff(Erz)preise und jede Menge Dollars!
    Das Zeug wird eben auf chinesischem Boden gelagert und bei gewiss kommendem Bedarf zu den dann hohen Weltmarktpreisen dazugemischt.

    Da brennt die Lunte im Dollarsystem. Schön, dass man in einer undemokratischen Kommandowirtschaft so schnell reagieren kann.
    Aber ich habe Hoffnung, wenn ich nach Brüssel schaue: Bald ist Europa auch so weit, dem € sei´s gedankt!

  4. Takuto sagt:

    Ein super Witz über Kapitalismus und Sozialismus. Ich glaube aber, diese beiden Wörter werden bald nicht mehr so wichtig sein. Neue Gegensätze sind am Entstehen.

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