Der überraschende Grund, warum QE weiterlebt

9. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Die Fed muss vorsichtig sein. Wenn sie ankündigt, dass QE wirklich tot ist, dann wird sie wahrscheinlich Gejammer am Aktienmarkt verursachen. Die Investoren werden ein Verlustgefühl haben…

Ist die Party vorbei?

Das Problem mit dem Tod ist, dass er permanent ist. Die Toten bleiben tot. Und wenn die Investoren glauben, dass QE nicht wiederauferstehen wird, dann könnten sie entmutigt werden. Oder sich sogar betrogen fühlen. Wenn QE Geschichte ist, dann gilt das wahrscheinlich auch für den Bullenmarkt an der Wall Street. Die Party ist vorüber.

Die Aktienkurse werden wahrscheinlich dahin gehen, wo sie hergekommen sind. Die Fed hat bereits Andeutungen gemacht, dass QE zwar vielleicht den letzten Atemzug getan hat, aber der Nachwuchs von QE könnte weiterleben. Die Fed wird ihren Bestand von ca. 4,5 Billionen Dollar Anleihen nicht verkaufennoch nicht einmal erlauben, dass dieser Bestand aus natürlichen Gründen ausläuft.

Normalerweise würden diese Anleihen fällig werden und dann wie wir alle verschwinden. Aber Janet Yellen sagt uns, dass sie die Beträge von Anleihen, welche fällig werden, neu investieren wird. Mit anderen Worten: Die Fed wird neue Anleihen kaufen, um zu helfen, dass die Renditen niedrig bleiben. Ich bezweifle, dass das genug sein wird

Eine Wirtschaft, die von Schulden abhängt, braucht immer mehr davon, um so weiterzumachen. Das erste Mal, wenn man Kredite in eine Wirtschaft pumpt, dann bekommt man einen Sprung. Erst später beginnt das Zittern. Wenn die Schulden wachsen, dann wird es schwerer für die Wirtschaft zu wachsen. Denn die Ressourcen, welche die Zukunft benötigt, werden bereits von der Vergangenheit beansprucht. Ultraniedrige Zinsen verdecken das Problem und verschieben den Zahltag, aber das geht nicht für immer.

Ein Mann, der heute einen Kaffee auf Kredit kauft, hat sich verschuldet, und das wird einen Teil seines zukünftigen Einkommens beanspruchen. Wenn er diese Schuld verzinsen muss, dann könnte er für diese Tasse Kaffee noch in 10 oder 20 Jahren bezahlen, wenn er die Schuld nicht tilgt. Laut Van Hoisington und Dr. Lacy Hunt von „Hoisington Investment Management“ wird das Wirtschaftswachstum eines Landes etwa ein Viertel seiner normalen Wachstumsrate verlieren, wenn das Schuldenniveau ein „kritisches“ Niveau von 250 bis 275% des BIP erreicht. Aktuell liegt es in den USA bei 334%.

Wenn man sich verschuldet, um in produktive Dinge zu investieren, dann kann der zusätzliche Einkommensstrom genug sein, um die Schulden zurückzuzahlen und einem sogar einen Gewinn zu bringen. Aber wenn man sich für Obamacare, Krieg im Mittleren Osten oder Bonuszahlungen der Wall Street verschuldet, dann ist man in keiner besseren Position, die Schulden zurückzuzahlen – man ist in einer schlechteren Position. Das ist die Schlussfolgerung einer Untersuchung von Wissenschaftlern, die für das „International Center for Monetary and Banking Studies“ arbeiten. Deren Analyse sagt, dass die Schuldenlast der Welt noch wächst. Das überrascht mich nicht

Aber wenn man auch noch das geringe Wirtschaftswachstum berücksichtigt, dann kommt man zu einem „Teufelskreis“, in welchem man die Schulden nicht zurückzahlen kann. Die Regierungen versuchen, Wachstum zu stimulieren. Sie haben Haushaltsdefiziteund senken die Zinsen, um Schuldenmachen zu ermunternund glauben, dass diese Dinge es möglich machen werden, sich aus den Schulden herauszuarbeiten. Stattdessen graben wir nur ein noch tieferes Loch – was das Risiko von Pleiten, Depression und Deflation erhöht.

Deshalb wäre ich nicht so schnell damit, QE zu begraben. Das mag noch nicht völlig tot sein. Und wenn der erste Alarm in den Schlagzeilen kommt – dass der Aktienmarkt einbricht, oder dass die Wirtschaft schrumpft – dann werden wir wahrscheinlich eine Wiederauferstehung sehen… (Seite 2)



 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.