Der „trotzige“ Europäer

25. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Zurück zu den laut „Time“ angeblich 100 einflussreichsten Menschen. Unser „Lieblings-Gelaber“ kommt dabei vom französischen „Philosophen“ Bernard-Henri Lévy. Er bezeichnet Frankreichs Präsidenten Francois Hollande als „trotzigen Europäer…

und behauptet, er sollte in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt aufgenommen werden. Hollande, so Lévy, sei einer der letzten europäischen Führer, die an Europa glauben würden. Ohne Europa würden wir demnach wieder in ein dunkles Zeitalter zurückgehen.

Wir sind nicht sicher, über wen wir zuerst lachen sollten – Hollande oder Lévy.

Wir haben die Karriere von Levy aus großer Entfernung und mit viel Desinteresse seit mehr als 40 Jahren beobachtet. Wir trafen ihn in den frühen 1970er Jahren. Er war der Anführer einer linken Bewegung namens „Die Neuen Philosophen.“ Wir dachten, es wäre einen Besuch wert. Leider konnten wir nicht behaupten, dass dies Fall ist. Wir tadelten uns damals selbst Unser Wissen über die alten Philosophen war lückenhaft, bestenfalls;

Also sind wir damals davon ausgegangen, dass es unsere Schuld sei, dass „Die Neuen Philosophen“ keinen Sinn machen würden. Nun sind wir da nicht so sicher. Warum glaubt Lévy daran, dass Europa in ein dunkles Zeitalter zurückfallen würde, wenn die Europäische Union aufgelöst werden würde?

Die EU gibt es seit 1992.

War es vor 1992 wirklich so schlimm?

Wir können uns jedenfalls nicht daran erinnern.

Aber Lévy zieht hier noch keinen „Stop“ ein. Er sagt weiter, dass Hollande ein großer Staatsmann auf der Weltbühne sei. Das sei keine Meinung. Das sei Fakt.“

Huh?

Was für eine Art Tatsache ist das dann? Und welche Art von Philosoph kennt nicht den Unterschied zwischen Fakten und Meinungen? Offenbar die Art, die glaubt, Hollande sei ein Staatsmann mit Weltformat. Oder der arme Trottel, der jetzt für das einst wichtige Magazin von Henry Luce arbeitet…

„Ich kann nicht führen.“
von Bill Bonner

„I can’t lead. And I don’t want to follow. – Ich kann nicht führen. Und ich möchte nicht folgen.“ – Martin Clark

Ja, ich habe nachgedacht. Ich bin von den politischen Ideen und Theorien zur Regierung enttäuscht. Das sind nur Rechtfertigungen und Gerede. Jemand versucht, jemand anderen über die einfachen Leute zu setzen… der eine sagt, das sei gut für den einfachen Mann… der andere sagt, dass der einfache Mann sonst verloren werde.

Die meisten Ansichten dazu sind keine „Theorien“…sondern nur Blaupausen für das Schaffen jener Art von Regierung, welche der „Theoretiker“ haben möchte. Es ist eine Blaupause, welche – nicht überraschend – den Intellekt und die Vorstellungskraft der Theoretiker anregt.

Aber dies beantwortet nicht die kritischen Fragen: Warum lassen wir uns von anderen Leuten sagen, was zu tun ist – sind wir nicht alle gleich? Was ist der Zweck einer Regierung? Was kostet diese, und was für Vorteile bietet sie?

Man kann diese Fragen weit entfernt vom eigentlichen Thema der Finanzmärkte finden. Aber wie mein Kollege Michael Vaupel vom Traders Daily schaue ich gerne über den Tellerrand hinaus. Und diese Fragen beschäftigen mich gerade. Ich bin Amerikaner, und uns steht eine größere Wahl bevor.

Verschiedene Männer möchten die politische Führung der USA übernehmen. Vielleicht ist es wert, darüber nachzudenken, um was diese Männer in einen Wettkampf treten.

Die Regierung ist ein Fakt. Sie existiert. Sie ist so verbreitet wie Aufstoßen. Sie ist so verbreitet, wie es Läuse sind, und so unausweichlich wie Eitelkeit. Aber was ist sie? Und warum gibt es sie? Und was ist aus ihr geworden?

Wir wissen nur sehr wenig über die Entstehung von Regierungen. Alles was wir wissen – und dies aus archäologischen Quellen – ist, dass eine Gruppe von Menschen oft eine andere Gruppe besiegt hat. Es gibt Skelette, die mehr als 100.000 Jahre alt sind und welche die Art von Wunden zeigen, die man in Kämpfen erhält. Ich nehme an, dies bedeutete, dass „die Regierung“ sich änderte.

Wer auch immer bestimmte, wurde auch verfolgt und umgebracht. Und dann bestimmte jemand anderes.

Stammeszusammenschlüsse, oder auch Familiengruppen, hatten wahrscheinlich „Anführer“. Das konnten Männer sein, welche wenig mehr zu bieten hatten als besondere Körperkraft… oder vielleicht respektierte Ältere. Im Laufe der Jahrtausende gab es wahrscheinlich so viele unterschiedliche Beispiele für primitive „Regierungen“, wie es Stämme gab.

Einige wählten ihre Anführer. Einige könnten die zufällig ausgewählt haben, soweit wir wissen. Viele bestimmten die Anführer wahrscheinlich im allgemeinen Konsens. Einige hatten wahrscheinlich überhaupt keine identifizierbaren Anführer.

Aber es scheint ein Charakteristikum der menschlichen Rasse zu sein, dass einige Menschen Anführer sein wollen… und viele Menschen wollen, dass sie jemand anführt.
Quelle: Kapitalschutz Akte
Der „Trotzige“ Europäer (von Bill Bonner)
Ich kann nicht führen (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

Ein Kommentar auf "Der „trotzige“ Europäer"

  1. Insasse sagt:

    „Aber es scheint ein Charakteristikum der menschlichen Rasse zu sein, dass einige Menschen Anführer sein wollen… und viele Menschen wollen, dass sie jemand anführt.“

    Ein bestimmtes Maß an Führung ist in größeren Gesellschaften der Ordnung halber wohl erforderlich. Warum sich Menschen allerdings ANführen lassen und damit ihre eigenen Ideen und Interessen denen der Anführer preisgeben, ist auch mir völlig zweifelhaft. Dahinter steckt wohl die menschliche Grundhaltung, gerne Verantwortung bei anderen abzuladen, so dass man selbst an den schlechten Umständen, die von den anderen (möglicherweise) verursacht werden, nicht Schuld ist. Hinter diesem Mechanismus steckt wohl das mangelnde Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sein Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Dieses mangelnde Selbstvertrauen wird von bestimmten politischen Ideologien, die derzeit flächendeckend an der Macht sind, noch zusätzlich unterstützt. Denn je weniger Menschen (= Wähler) Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben, desto mehr müssen sich auf die Ideen und Vorgaben ihrer (politischen) Anführer verlassen. Ein prima Geschäftsmodell für die Anführer, dass zudem von den so Angeführten noch zwangssubventioniert werden muss.

    Zu Herrn Lévy und seinen abstrusen Thesen mit Blick auf Hollande: Herr Lévy kann ja grundsätzlich erzählen, was er will. Das Schlimme daran ist, dass der allergrößte Teil der Menschen, denen dieser Unfug über die Kanäle der Machthaber kommuniziert wird, gar nicht mehr darüber nachdenken, was ihnen da eigentlich vorgesetzt wird. Nein, sie konsumieren diese Nachrichten ohne den Inhalt selbst zu durchdenken. Noch schlimmer: Da solche Statements völlig unkritisch von „seriösen“ Medien wiedergegeben werden, übernehmen die Leute die Nachricht reflexartig in ihre „Argumentation“. Selbstständiges Denken: Fehlanzeige. Und so wird selbst der größte Unsinn zur von der Masse akzeptierten „Wahrheit“. Womit wir wieder beim Thema „sich Anführen lassen“ wären.

    BTW: Hollande ist der größte Loser, den man seit Langem auf der politischen Bühne gesehen hat. Er hat keinerlei Charisma mit dem er seine ohnehin nicht vorhandenen politischen Visionen zu den Leuten transportieren könnte. Er ist quasi das genaue Gegenteil von Trump.

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