Der transatlantische Geldkrieg und die Sicherheit von Geldanlagen

3. Dezember 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Manfred Gburek

So etwas habe ich noch nie erlebt: Dass eine Zeitung sich derart einseitig gegen den Euro in Front bringen lässt wie die Financial Times Deutschland (FTD) vom Freitag. Mit „Europa am Abgrund“ beginnt der Schmäh gleich auf Seite 1…

Ab Seite 9 folgt dann ein Sonderteil, eingeleitet durch „Ein Kontinent zwischen Himmel und Hölle“, danach „Der Untergang“ und „Der Tag des Jüngsten Gerichts“schließlich einige Seiten weiter „EU-Parlament ignoriert EZB-Chef“ und als nochmaliger Höhepunkt „Angela Merkel ist in diesem Spiel der Schurke“, das Zitat eines Institutsdirektors aus Washington.

Offenbar haben wir es hier mit einer Variante des transatlantischen Geldkriegs zu tun, den ein anderer – in diesem Fall deutscher – Institutsdirektor neulich so kommentierte: Eigentlich sei Großbritannien, die Heimat des FTD-Schwesterblatts Financial Times, zur Hälfte schon ein amerikanischer Bundesstaat. Er bezog sich auf die vielen gemeinsamen Interessen von Briten und Amerikanern, die unter anderem darin gipfeln, dass man alles unternimmt, um den Euro nicht zu stark werden zu lassen.

Doch der Devisenmarkt belegt: Kaum dass die konzertierte Aktion der Zentralbanken sich am vergangenen Mittwoch auch nur angedeutet hatte, schoss der Euro gegen den Dollar und das Britische Pfund nach oben. Das heißt, mehr Geld zur Abwendung einer Kriseneskalation begünstigte den Euro. Daraus folgt: Eine dosierte Geldschwemme im Euro-Raum kann der europäischen Gemeinschaftswährung nichts anhaben.

Und womit machte das Handelsblatt, die unmittelbare Konkurrenz der FTD, am Freitag ganz vorn auf? Etwas um die Ecke formuliert mit „Die neue außerparlamentarische Opposition“, dazu die – in diesem Fall wirklich notwendige – Erläuterung: „Wie Großbanken, Hedge-Fonds und Ratingagenturen den Schulden-Politikern einheizen“. Auf den Punkt gebracht: Banker, Fondsmanager und ihre Helfershelfer nutzen die zugegebenermaßen chaotische Diskussion im Zusammenhang mit der Rettung einiger Euro-Länder aus, um sie in klingende Münze umzusetzen.

Wie das mithilfe medialer Begleitung geht, zeigt das Beispiel Italien: Die negativen Meinungsäußerungen und Schlagzeilen zur Euro-Raum-Wirtschaftsmacht Nummer 3 nach Deutschland und Frankreich setzten ein, nachdem die Rendite bestimmter italienischer Staatsanleihen (nicht aller) von 5 auf 7 Prozent gestiegen war. Das wiederum hatte mit der an die Öffentlichkeit lancierten Hochrechnung zu tun, wonach Italien spätestens Ende 2012 bis zu 400 Milliarden Euro neu finanzieren müsse, macht bei 2 Prozent Zinsdifferenz ein Mehr an Zinszahlungen in Höhe von maximal 8 Milliarden Euro. Oder bezogen auf Italiens Schulden von annähernd 2 Billionen Euro gerade mal ein Anstieg im Promillebereich.

Für Anleger ist es sicher nicht immer einfach, zwischen den inszenierten Horrorzahlen und den harten Fakten zu unterscheiden, weshalb allemal Nachrechnen lohnt. Noch relevanter ist allerdings die Vorbereitung auf Ereignisse, die wir alle uns nur mit ganz viel Phantasie oder gar nicht vorstellen können, wie zuletzt die weltweiten Folgen der amerikanischen Häuserblase, der Lehman-Pleite, der griechischen Finanztricks oder auch der Reaktorkatastrophe von Fukushima. (Seite 2)


Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , ,

4 Kommentare auf "Der transatlantische Geldkrieg und die Sicherheit von Geldanlagen"

  1. konnt_ja_keiner_ahnen sagt:

    So weit, so gut. Aber die Rechnung 8 Milliarden ins Verhältnis von 2 Billionen Staatsverschuldung zu setzen gefällt mir nicht. Also gar nicht. Wenn schon, dann hielte ich es für sinnvoller, den Anstieg der Ausgaben für Zinszahlungen ins Verhältnis zu den jährlichen (Steuer-)Einnahmen Italiens zu setzen und dann reden wir von einem Anstieg von mindestens 4 Prozent. Und mit dieser Zahl könnte man jetzt weitere Überlegungen anstellen.

  2. Edwin Glaser sagt:

    „Banker … nutzen die … chaotische Diskussion … um sie in klingende Münze umzusetzen.“

    Ob diese Strategie aufgeht?

    Je chaotischer die Diskussion, um so weniger klingende Münze bekommen die Herrschaften für ihr Buchgeld.

  3. WiKa sagt:

    Ich denke die ganze Diskussion geht bislang in eine falsche Richtung. Weder der Euro noch sonst eine Währung an sich ist das Problem. Aber alle Währungen haben ausnahmslos ein Problem, dass des exponentiellen Wachtsums der Geldmengen. Will sagen, dass Geld-System an sich ist faul und dieser Umstand wird nur all zu gerne übersehen oder schöngefärbt indem man uns glauben machen möchte, dass es mit ein wenig Inflation getan ist. Nur ganz offensichtlich ist dabei auch wer die Verlierer sind, diejenigen die nichts exponentiell wachsen lassen können. Es gelingt mit der persönlichen Arbeitskraft nicht und mit den den nicht vorhandenen vermögen bei der Mehrheit auch nicht. Ergo brauchen wir ein Geld-System welches diesen Fehler beseitigt, darüber wird viel zu wenig berichtet.

    Das exponentielles Wachstum des Geldes am Ende nicht funktionieren kann, kann man wunderbar an einer kleinen Weihnachtsgeschichte: „Jesus Euro Cent und dem Mammon sein Renditeziel“ nachverfolgen, hier der Link:

    http://qpress.de/2010/07/23/jesus-euro-cent-vs-mammon-renditeziel/

    Auch wenn die Geschichte die Sache flach darstellt, so kommt am Ende aber deutlich das Problem zum Vorschein, eben das besagte kaputte Geld-System. Hier liegt die Herausforderung. Will sagen, ob am Ende der Euro, die DEM oder eine andere Währung steht, ändert nach wie vor nichts an dem alle 3 Generationen programmierten Crash. Der ganze VWL und BWL Voodoo Zauber scheint ausschließlich darum zu gehen diese Kleinigkeit zu verbergen, warum sonst ist es nicht DAS THEMA? Und klar, die besseren Startchancen nach einem Reset haben diejenigen mit Sachwerten, ob nun Gold, andere Edelmetalle oder Immobilien, alles besser als Sparguthaben, Lebensversicherungen und Derivate Müll aller Arten. Also dann, den Crash werden wir allemal erleben, können nur hoffen dass das System nicht in dieser Form wieder aufersteht um endlich mal eine Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit zu erreichen.

    Alle jetzigen Beobachten sagen doch lediglich aus, dass Geld, einst als reines Zahlungs- und Tauschmittel konzipiert, ein derartiges Eigenleben bekommen hat, dass es in der Lage ist die Mehrheit der Menschen zu ruinieren. Also dann fröhliche Weihnachten und geben sie die Geschichte mal Ihren Kindern zum Nachrechnen … (°!°)

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.