Der Teufel im Zinsgewand

22. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Neulich bekam ich eine Einladung zu einer Veranstaltung zum Thema „Anlagenotstand“. Welche schlimme Krankheit, unter der manche Leute leiden, und das zu einer Zeit, in der die Deutschen reicher sind als je zuvor…

Laut Bundesbank besitzen sie rund fünf Billionen Euro. Könnten unter „Notstand“ die befürchteten Begehrlichkeiten gemeint sein, zu denen es wegen der ganzen Retterei Europas kommen wird? Jeder Deutsche besitzt im Schnitt Guthaben über 62.500 Euro, sagen Experten. Mumpitz! Noch nie waren Guthaben so ungleich verteilt. Ein Millionär und ein armer Schlucker ergeben statistisch immer 500.000 Euro.

Doch warum wächst diese Summe immer weiter? Legt man fünf Billionen Euro auf einen Haufen und „lässt ihn arbeiten“, kommen bei Zinsen von drei Prozent jährlich 150 Milliarden Euro hinzu – ganz ohne Anstrengung. Ist es so einfach? Bis zur Jahrhundertmitte wüchse der Guthabenberg von fünf auf 17 Billionen Euro. Bei fünf Prozent, wären es 37 Billionen Euro. Bloß Verrechnungseinheiten.

Wo ist der Haken? Der liegt im Zins und Zinseszins. So wachsen Geldberge wie Hefeteig. Zum Schluss explodiert die Backschüssel. Da die Guthaben der einen die Schulden der anderen sind, löschen sich die Billionen aus, wenn die Schuldner wie Griechenland umkippen. Noch hat derjenige, der auf der Guthabenseite sitzt gut lachen. Vielleicht hat meine Oma recht, wenn sie sagt, der Teufel macht immer auf den größten Haufen. Vielleicht meint sie auch, der Zins wäre der Teufel. Für die einen kommt er segensreich daher, für andere als Zerstörer. Und wenn der Teufel zu mächtig ist, dann gnade uns Gott.

(Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten)

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27 Kommentare auf "Der Teufel im Zinsgewand"

  1. der_Berliner sagt:

    Aber zum Glück gibt es ja Frau Merkels Garantie für alles und jeden…da können wir uns doch alle entspannt zurücklehnen 😉 lol

  2. Hans Moog sagt:

    Die Frage ist doch, was wäre denn die Alternative zum Zins? Irgendwie muss man ja die Geldvermögenden (die es wohl auch immer und zu jeder Zeit geben wird) dazu bringen ihr Geld wieder zurück in den Wirtschaftskreislauf zu geben. Denn sonst fehlt irgendwann einfach das Tauschmittel und die Wirtschaft trocknet aus.

    Der Zins ist eigentlich eine gute Idee, die aber mit der Zeit einfach aus dem Ruder läuft und den beschriebenen Effekt hat (wie ein Computerprogramm das immer mehr Arbeitsspeicher braucht – irgendwann ist der Speicher voll und das Programm raucht ab).

    Eine Umlaufsicherungsgebühr (wie von Bernd Senf und Silvio Gesell gefordert), würde zwar den selben Effekt bewirken ist aber praktisch nicht wirklich realisierbar. Denn was in Wörgl funktioniert hat wäre im großen Stil nicht machbar. Wer will schon ständig Marken auf Geldscheine kleben und diese beim Bezahlen auch noch jedesmal überprüfen (was wäre mit Münzen – sollen die auch beklebt werden?). Auch das Bankgeheimnis müsste bei einer Umlaufsicherungsgebühr weichen.

    Daher stellt sich ernsthaft die Frage ob es eine Lösung für die Zinsproblematik gibt, die sich selbst reguliert und nicht zu einem Absturz des Systems führt.

    Ich habe mir in den letzten Jahren oft den Kopf darüber zerbrochen und vor kurzem auch eine Idee gehabt wie man das ganze praktisch lösen könnte. Das würde aber hier den Rahmen eines Kommentars sprengen 😛 *schwafel*

    Kennt jemand ein Forum, wo man über solche Themen diskutieren kann um eine praktikabele Lösung zu ersinnen? Wenn man dann ein gesamtwirtschaftliches funktionierendes Konzept gefunden hat müsste man natürlich versuchen, das Ganze in auch politisch irgendwie durchzusetzen (z.B. durch Gründung einer Partei).

    Hab mir mal die Partei der Vernunft angeschaut, die ja einige gute Ansätze bereits im Programm hat aber irgendwie geht mir das alles noch nicht tief genug, da bei denen die Zinsproblematik komplett ignoriert wird.

    • Hauki sagt:

      Hallo,

      nicht speziell zum Zinsproblem, aber zum Geldsystem gibt es die eine oder andere Seite im Netz, u.a. das Projekt „Liebe Angela Merkel“ von Raimund Brichta:
      liebeangelamerkel.de/

      Diskussion des Geldsystems:
      liebeangelamerkel.de/?page_id=647

      Außerdem fällt mir noch die Monetative ein:
      monetative.org/

      Auf alle Fälle empfehle ich aber die Schriften von Paul C. Martin (Debitismus) und das Gelbe Forum:
      dasgelbeforum.de.org/

      Wenn man den Ansatz des Debitismus einigermaßen verstanden hat, erkennt man endlich auch die fatale (und so merkwürdige) Rolle des Staates, Stichwort Staatsverschuldung.
      Wenn ich persönlich auch andere Schlussfolgerungen ziehe, ist die Beschäftigung mit dem Debitismus sehr hilfreich. Man muss aber die Bereitschaft mitbringen, Denkmuster beiseite zu legen. Wie ich auch insgesamt festgestellt habe, dass sich ein „politischer Atheismus“ als sehr hilfreich erweist …

      Gruß, Hauki

      • Hans Moog sagt:

        Danke für die Links einige davon kannte ich schon.

        Hab meine „Idee“ (obwohl ich garnicht weiss ob diese Idee so neu ist), mal beim Brichta gepostet. Mal sehen was er dazu meint 😛

        Ich sehe die Staatsschulden neben der Giralgeldschöpfung eigentlich als das Hauptproblem an, denn nur der Staat ist unbegrenzt „solvent“.

        Dadurch erfüllt der Zins nicht mehr die Vorraussetzung, dass er ein Ausfallrisiko vergütet, sondern führt zu einem unendlichen Wachstum der Geldmengen.

        Wenn der Staat nicht gezwungen wäre sich zu verschulden, würde es nur noch begrenzt solvente Spieler im System geben und das System würde sich durch Firmen- oder Privatinsolvenzen regelmäßig selbst reinigen.

        • Hauki sagt:

          „Ich sehe die Staatsschulden neben der Giralgeldschöpfung eigentlich als das Hauptproblem an …“

          Ja. Ich auch.

          „Wenn der Staat nicht gezwungen wäre sich zu verschulden …“

          Das ist die große Frage. Besteht denn tatsächlich ein Zwang? Oder ist das für dieses „System“ nicht letztlich notwendig? Von Beginn an ermöglicht der Staat freiwillig (durch Verpfändung zukünftiger Steuereinnahmen) eine relativ sichere Geldanlage.
          Die Enteignung ALLER Bürger (ob sie es wollen oder nicht, es gibt ja keine Möglichkeit, sich dem zu entziehen …) kommt über Jahrzehnte denen zugute, die über entsprechende Mittel verfügen. Ist der Staat dann am Ende (geknebelt durch Schulden), sind die „viel zu hohen Sozialleistungen“ der Grund …

          Dieter Meyer hat in seinem Buch „Die Schuldenfalle“ interessante Zahlen errechnet:
          „Von 1965 bis 2009 lag auf der Ebene des öffentlichen Gesamthaushalts die Summe aller Neuverschuldungen bzw. Defizite bei ca. 1.420,1 Mrd.EUR und die Summe aller Zinsausgaben bei ca. 1.578,1 Mrd.EUR.“
          (Quelle: http://www.staatsverschuldung-schuldenfalle.de)

          Damit dürfte die Mär vom „sozialen Staat“ zumindest diskussionswürdig sein. Ist sie aber nicht. Stattdessen werden alle gegeneinander ausgespielt …

          Gruß, Hauki

          • Hans Moog sagt:

            Der Staat ist natürlich nicht a priori dazu „verpflichtet“ sich zu verschulden.

            Trotzdem wird er von Zeit zu Zeit Investitionen tätigen müssen, die sich erst nach langer Zeit „lohnen“, aber am Anfang eine Menge Geld benötigen (z.B. der Ausbau der Infrastruktur). Da er nicht schlagartig die Steuern erhöhen kann um den Ausbau zu finanzieren, muss er sich zumindest kurzfristig verschulden.

            Außerdem benötigt unser Zentralbanksystem, welches Geld aus Schuld erschafft, eine ständig wachsende Verschuldung (es existieren ja immer mehr Schulden als Geld vorhanden ist, die mit Zinsen bedient werden „müssen“!) und da Firmen/Institutionen und Privatpersonen nur begrenzt solvent sind, würde das Spiel nach sehr kurzer Zeit zuende sein (alle wären pleite).

            Von daher würde ich sagen, dass die Staatsverschuldung durchaus eine folge aus dem jetzigen Regelwerk ist.

          • Hauki sagt:

            Nur zur Ergänzung …

            „Trotzdem wird er von Zeit zu Zeit Investitionen tätigen müssen …“

            Sicher, wie ein Unternehmen auch. Aber im Gegensatz dazu kann der Staat es sich erlauben, NIEMALS seine Schulden zu tilgen. DAS ist der wesentliche Unterschied. Früher nannte man das Wechselreiterei. Jeder „Private“ wäre recht schnell pleite …

            Und Medien, „Wirtschaftswissenschaftler“ und Politiker arbeiten eifrig daran, das zu verschleiern.
            „Die Staatsverschuldung sinkt“ heißt es dann, wenn die Verschuldung langsamer steigt, als zuvor; usw.usf …
            Es werden fortlaufend Tatsachen verdreht … man könnte auch sagen, es wird wissentlich die Unwahrheit gesagt. Aber das will man ja besser niemandem unterstellen …

          • Hans Moog sagt:

            Die Frage ist doch: Was wäre, wenn er seine Schulden tilgen würde? Um seine Schulden zu tilgen, müsste er ja besser wirtschaften als die anderen Wirtschaftsteilnehmer und Gewinne erzielen, da auch er kein Geld erschaffen kann.

            Das würde aber automatisch bedeuten, dass weniger Geld im System für die restlichen Wirtschaftsteilnehmer übrig bleibt! Würde der Staat also seine Schulden begleichen, hätten dass eine verarmende Bevölkerung zur Folge, da Sie nun in Summe dazu gezwungen ist sich anstatt des Staates zu verschulden, um das fehlende Geld für die Zentralbankzinsen zu erwirtschaften. Das müssten Sie solange machen, bis Sie Insolvenz sind.

            Es würde also eine Armut entstehen, die weder aus einem Versorgungsengpass noch auch aus einem schlechten Wirtschaften resultiert, sondern einzig und alleine dem Zentralbanksystem geschuldet ist. Zwar würde das System auf diese Art und Weise nicht „zusammenbrechen“ aber ein erstrebenswerter Zustand ist das meiner Meinung nach nicht.

            Ich weiß nicht ob die Wahl zwischen Cholera und Pest wirklich eine Wahl ist …

          • Hauki sagt:

            Hallo,

            das mit den Nachschuldnern ist schon richtig. Es würde dann Rezessionen geben. Die wären aber nunmal notwendig, um Auswüchse auszugleichen. Es gäbe dann wahrscheinlich keine oder zumindest weniger Möglichkeiten, Kartelle etc. zu bilden.
            Außerdem ist es ja nicht so, dass der Staat nur durch Verschuldung zu Geld kommt. Die Steuereinnahmen sind (hierzulande) enorm …

            Der ganz wesentliche Punkt in dem ganzen Zentralbanken-System, wie wir es heute kennen, ist die Tatsache, dass niemand sie in Frage stellt, es unter Ökonomen ein Tabu ist, darüber überhaupt zu sprechen (siehe Aussagen von z.B. Bernard Lietaer).
            Beschäftigt man sich aber mal mit diesem Thema, fallen einem viele Umgereimtheiten und Merkwürdigkeiten auf.
            Das Argument z.B. dass der Staat sich hemmungslos verschulden könne, wenn die Zentralbank nicht unabhängig wäre, straft die Geschichte lügen. Es ist einfach Mumpitz, wie wir alle sehen können.
            Ich wüsste übrigens keinen Grund, warum ich einer privaten Zentralbank mehr Vertrauen schenken sollte, als einer anders organisierten. Bei Legislative, Judikative, Exekutive meldet sonderbarerweise niemand solche Zweifel an.
            Es wäre an der Zeit, außerhalb der Box zu denken. Aber es sieht so aus, als solle das mit allen Mitteln verhindert werden.

            Gruß, Hauki

        • Hauki sagt:

          Noch eine kleine Ergänzung. Weshalb verzichtet ein Staat z.B. freiwillig auf Geldschöpfungsgewinne?

          „Die Banken realisieren aus ihrer Giralgeldschöpfung einen privaten Zinsextragewinn. Infolge der großen Giralgeldmenge entgeht den Zentralbanken, damit der öffentlichen Hand, ein großer Teil des Geldschöpfungsgewinns. Deren Summe bewegt sich für Deutschland in einer Größenordnung von jährlich 10–30 Milliarden Euro je nach Expansion der Geldmenge. Die Seigniorage entspricht in erster Annäherung einem Zuwachs der Geldmenge M1 in Proportion zum realen Wirtschaftswachstum, nach heutigen Maßstäben Summen in der Größenordnung von jährlich 25 bis 50 Milliarden Euro.“
          (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Banking-Theorie#Aktuelles_und_Kritik)

          Gruß, Hauki

    • opa lolo sagt:

      Hallo Hans,
      schau mal http://www.bandbreitenmodell.de, da findest Du die Lösung für viele unserer Probleme.
      Die Partei die das umsetzen möchte nennt sich ddp (www.ddp-partei.de).
      Ich habe auch gedacht, dass allein das Zinsproblem gelöst werden müsste, dies ist aber zu kurz gesprungen.
      Herzlichen Gruß,
      opa lolo

  3. Hal 9000 sagt:

    Herr Meyer, statitisch (i.d.R das arithmetische Mittel)hat jeder ein Guthaben von 62.500 Euro. Aber wie sieht es mit dem Median aus? Hier würde man ein realitischers Bild bekommen, was die Masse tatsächlich so hat. Ich habe dazu leider nichts gefunden.

  4. leon sagt:

    Hallo Herr Meyer
    Ich lese diesen Blog schon länger und möchte mich auf diesem Wege bei ihnen und auch dem Düsseldorfer für eure hervorragende Arbeit bedanken.
    Dem Zinsteufel bin ich vor etwa 5 Jahren auf die Schliche gekommen. Als ich merkte wie weit er schon fortgeschritten war ist mir klar geworden(vorallem nach dem Aufsatz von Greenspan von 1966″Gold und wirtschaftliche Freiheit“)das ich als Schuldner in diesem System
    nur mit sparen in Gold und Silber eine chance habe mein Eigentum zu
    schützen.Die alternative wäre der Verkauf von Ackerland und damit unserer Existenz gewesen.Bin zwar noch nicht soweit aber auf einem guten Weg.

    Gruß aus dem etwas trockenem Münsterland

    Leon

  5. Bummbumm sagt:

    Der Zins ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass man vorgegaukelt bekommt, dass Zins und Rückzahlung sicher wären.

    Ohne Garantien hätte der Markt das Problem bereits gelöst. Anleger hätten auch für niedrige Zinssätze riskantere Anleihen gekauft und Verluste erlitten.

    • Hauki sagt:

      „Ohne Garantien hätte der Markt das Problem bereits gelöst … “

      Ja, wenn das Wörtchen wenn nicht wär‘. Das ist nunmal leider nicht der Fall. Gäbe es keine Marktmanipulationen, keine Kartelle, keine oligarchischen Strukturen usw. usf., dann wäre das schon richtig.

      Aber da das nicht so ist, wird der Zins sehr wohl zum Problem. Ich finde gerade keine andere aktuellere anschauliche Grafik, aber folgende ist sehr aussagekräftig. Selbst bei geringen Zinsen müssen diese Vermögen erst einmal „bedient“ werden:

      http://baniisauviata.files.wordpress.com/2009/01/creutz22euro_300.jpg

      Der gute Herr Meyer hat schon recht!

      Gruß, Hauki

  6. quest sagt:

    Dem Zins- und Zinseszinsproblem sowie der Wirkung von Exponentialfunktionen im allgemeinen ist sehr leicht beizukommen. Man bezeichnet sie einfach als esoterisches Zeug. Wer Volkswirt ist, kann dazu noch auf das mathematische Formelwerk der unsichtbaren Hand verweisen.

    • Bummbumm sagt:

      Im realen Leben gibt es überhaupt kein exponentielles Wachstum. Weder in der Natur, noch in der Wirtschaft.

      Nirgends.

      • Hauki sagt:

        “ … Weder in der Natur … “

        ?

        Und was ist mit radioaktivem Zerfall, Krebs oder bspw. der r-Strategie (Fortpflanzung)?

        Gruß, Hauki

        • Bummbumm sagt:

          Radioakiver Zerfall unterliegt keinem exponentiellen WACHSTUM.

          Die r-Strategie kenne ich zwar nicht aber wenn Krebs exponentiell wachsen würde, dann müssten Sie mir sagen können, wann er die gesamte Erdoberfläche bedecken würde und wohin er dann weiter wachsen würde. Exponentielles Wachstum geht nämlich bis zum Zeitpunkt t=unendlich weiter.

          Gruss Bummbumm

          • Hauki sagt:

            Wir reden aneinander vorbei, fürchte ich. :O)
            Die Definition lässt sich in jedem Lexikon nachschlagen. Krebs z.B. wächst (im Idealfall) exponentiell, bis das betroffene Lebewesen stirbt. Sprich, ein Kollaps ist selbstverständlich die Folge …
            Die „Erdoberfläche“ zu bedecken, ist in diesem Fall nicht vorgesehen, glaube ich.
            Das trifft auch auf die r-Strategie zu (= ein starker Rückgang oder Zusammenbruch der Population).
            Oder bei „negativem Wachstum“ (Zerfall) ist bei Null nunmal Schluss.

            Gruß, Hauki

          • Bummbumm sagt:

            Hallo Hauki,

            wenn wir aneinander vorbei reden, dann liegt das nicht an mir.
            Exponentielles Wachstum hört niemals auf und geht gegen unendlich.

            http://de.wikipedia.org/wiki/Exponentielles_Wachstum

            Bei Quest oben ging es um die Wirkung von Exponentialfunktionen durch den Zinseszins Effekt. Anschaulich erläuterbar durch den Josephspfennig.

            http://de.wikipedia.org/wiki/Josephspfennig

            Dabei geht es um Wachstum, nicht um Zerfall.

            Wenn man ein „exponentielles“ Wachstum nur innerhalb eines bestimmten Bereichs haben will, dann kann man das auch beliebig genau mit einer polynomialen Funktion annähern. Außerhalb des Bereichs verläuft die dann natürlich völlig anders, als die richtige Exponentialfunktion. Zb. die Anzahl der Krebszellen fällt wieder gegen Null ab.

            Und dass jede Wachstumsfunktion spätestens beim begrenztem Erdvolumen bzw. der Erdmasse enden muss, dürfte einleuchten. Also kann es kein exponentielles Wachtum in der Natur geben.

          • Hans Moog sagt:

            Das ist Schwachsinn!

            Der Begriff exponentielles Wachstum sagt nichts über die Dauer des Wachstumsprozesses aus. Es sagt lediglich etwas über die zugrundeliegenden mathematischen Zusammenhänge aus! Exponentielles Wachstum muss zeitlich nicht unendlich lange andauern! Und auf den Krebs bezogen ist das Wachstum (im „Idealfall“) tatsächlich exponentiell – solange bis der Wirt stirbt.

            Exponentielles Wachstum bedeutet mathematisch ausgedrückt einfach, dass ein Wert Y mit steigendem Wert X durch eine Formel Y = n^X (mit n > 1) berechnet werden kann.

            Es tut mir leid aber Hauki hat mit dem Krebsbeispiel recht!

            Radioaktiver Zerfall ist aber wie beschrieben kein Wachstum und schon garnicht exponentiell.

            Ps: Dein Beispiel mit der polymonialen Approximantion verstehe ich nicht. Jede beliebige Funktion kann polymonial approximiert werden – aber das würde doch nur dann etwas bringen, wenn der Verlauf bekannt wäre. Ist er aber nicht! Niemand weiss wann die Spannungen zu groß werden und das System bricht.

          • Hauki sagt:

            Wollte es mir verkneifen, weil’s manchmal kein Ende nimmt, aber nun also trotzdem noch einmal:

            Laut Wikipedia (von Bummbumm verlinkt):
            „Verändert sich ein Bestand pro Zeiteinheit um einen festen Prozentsatz des sich damit stets ändernden Zeitwertes, bezeichnen wir diesen Vorgang als exponentiell, gleichermaßen bei der Zunahme (dem Wachstum) oder der Abnahme (auch Zerfall oder negatives Wachstum genannt).

            Und:
            „Weitere Beispiele

            Bei radioaktivem Zerfall die Abnahme des ursprünglichen Isotops“

            @Bummbumm

            Deine Aussage führt zu Missverständnissen, denn in der Regel spricht man davon, dass es in der Natur eben „kein endloses exponentielles Wachstum“ gibt.

            Es gibt ja auch das eine oder andere Zitat von einem klugen Kopf, so z.B. von Kenneth Boulding:
            „Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.“

            „go on forever“ würde hier dann keinen Sinn ergeben …

          • Bummbumm sagt:

            Hallo Hans Moog,

            in Ihrer Erklärung der Exponentialfunktion haben Sie die Zeitvariable vergessen. In gleichen Zeitabständen t wächst der Wert Y jeweils mit konstanter Wachstumsrate an. Wenn er das nicht tut, dann ist das Wachstum nicht exponentiell. Und das ist der Fall, wenn das Wachstum nicht unendlich lange anhält.

            Wenn der Krebs den Wirt tötet, dann ist die Bedingung der konstanten Wachstumsrate nicht mehr erfüllt. Also kein exponentielles Wachstum.

            Gruß
            Bummbumm

          • Bummbumm sagt:

            Hallo Hauki,

            genau das ist es, was ich sagen wollte. Die Kritik am Zinssystem, es würde deshalb automatisch in die Zerstörung führen, weil exponentielles Wachstum dahinter stecken würde, ist falsch. So leicht kann man es sich nicht machen, wenn man eine mathematische Widerlegung sucht, um Zinsen abzuschaffen.

            Zu deinem Beispiel mit dem Krebs: Dass Biologen von exponentiellem Wachstum sprechen bedeutet nicht, dass es zu einem Problem für die Gesellschaft kommt. Für die Person, die davon betroffen ist, ist der Krebs zwar eine Katastrophe, aber nicht für die Gesellschaft. Betrachtet man die Anzahl der Krebszellen in einem Körper, dann verändert die sich meinetwegen exponentiell. Zählt man aber die Krebszellen aller Bundesbürger zusammen, dann verändert die sich nur marginal, so lange es nicht viele Kranke gibt.

            Also nochmal zurück zum Zinssystem: Würden einige Zinsteilnehmer den „Krebstod“ oder den „Exponentialtod“ sterben, zb. in dem sie durch Überschuldung insolvent werden, dann bricht nicht das gesamte Zinssystem zusammen. Denn die „exponentielle“ Schuldenzunahme einzelner Marktteilnehmer bläht die Geldmenge noch nicht wesentlich auf.

          • Hans Moog sagt:

            Hallo Bummbumm,

            beim Buchstaben X handelt es sich um eine Variable. Und wie bei Variablen üblich kann diese mit jedem beliebigen Wert substituiert werden.

            Im Falle eines exponentiellen Wachstums über die Zeit würdest du deinen Wert t also in X einsetzen.

            Gründsätzlich kann man Variablen bennen wie man will. Die Formel hätte also auch Eierkuchen = Bratkartoffeln^Krautsalat heissen können und wäre trotzdem richtig gewesen. Ich habe lediglich X und Y als Variablennamen gewählt, da man die Zeitkoordinaten in einem karthesischen Koordinatensystem oft auf der X-Achse abträgt.

            Und die Aussage, dass exponentielles Wachstum unendlich lange Zeiträume vorraussetzt ist schlicht und ergreifend falsch! Es gibt sogar exponentielles Wachstum, bei dem die Zeit in der Formel überhaupt nicht vorkommt. Sogar auf der von dir zitierten Wikipedia-Seite gibt es solche Beispiele: „Zunahme der Schichtdicke beim Falten“. Beim falten von Papier ist es vollkommen unerheblich wie schnell oder langsam du das Papier faltest oder ob es ab einem bestimmten Punkt nicht mehr faltbar wäre. X ist hier die Anzahl der Faltungen und Y die Dicke des Papiers (du siehst – keine Zeit).

            Da gibt es nichts dran herumzudiskutieren. Wenn ab einem gewissen Zeitpunkt das Wachstum aufhört oder sich umkehrt, dann ist es ab diesem Moment einfach zuende, trotzdem kann es vorher exponentiell gewachsen sein (in dem betrachteten ZEITINTERVALL).

            Du würdest ja auch nicht sagen, dass Menschen grundsätzlich keine Lebewesen sind nur weil sie irgendwann mal sterben und in dem Moment ihren Status als lebendiges Wesen verlieren ?!?

  7. Hauki sagt:

    Hallo Bummbumm,

    „… wenn wir aneinander vorbei reden, dann liegt das nicht an mir.“

    Schön! Es war (m)ein Missverständnis … so besser?

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