Der spanische Kampf um die Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit

15. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Ich bin weiter auf Mallorca unterwegs. Was verdient ein Spanier im Jahr? Statistisch gesehen sind es 22.000 Euro. Nicht-Spanier mit Zeitvertrag bekommen rund 15.000 Euro. Es ist schwierig, sich als Ausländer bei ähnlich hohen Kosten wie in Deutschland über Wasser zu halten. Gebt ihnen das Doppelte!

Konsum wird auf Mallorca groß geschrieben. Das Problem ist, dass die Kaufkraft der Gäste und der Einheimischen wie fast überall in Europa Schaden genommen hat. Was liegt näher, als nun die Geschäfte im Zentrum der Inselhauptstadt auch an Sonntagen zu öffnen, am besten rund um die Uhr. Erweiterte Öffnungszeiten der Geschäfte werden auf der Insel in der Medien als Innovation gefeiert und Extrem-Optimismus vermischt. Der Einzelhandel will damit seine seine Gewinne steigern, heißt es. Doch nach ein paar Tagen stellt sich Enttäuschung ein. Eine Enttäuschung das Ende einer Täuschung mit umgekehrten Vorzeichen. Deshalb muss so viel getäuscht werden.

Mehr Leben in Palmas City

Dieses Motto hat das Rathaus von Palma ausgerufen, um Geschäfte ab April auch in der Innenstadt und an Sonn- und Feiertagen ihre Türen öffnen können. Bislang konnten dies nur kleinere Ladengeschäfte mit einer Fläche von 300 Quadratmetern. Doch die interessierte es es nicht.

Um das Publikum in die Shoppingmeile zwischen Avenidas und Jaume III zu locken, müssten alle an einem Strang ziehen, lautet nun die Losung von Bürgermeister Mateu Isern…

schreibt eine Zeitung und fährt fort, es ginge um eine „Dynamisierung“ der Innenstadt. Wie herrlich! Seit dem 7. Januar gibt es Traumwochenenden im Winterschlussverkauf. Kurze Zeit später sagten 44 Prozent der Geschäftsinhaber, dass die Umsätze zu wünschen übrig lassen. Woher soll es auch kommen?

Mister Market ist unbestechlich. Kein Moss, nix los.

Die Bereinigung schreitet voran, auch wenn die Hälfte der Unternehmer fest im Glauben ist, dass die Verkäufe in den kommenden Wochen stark zunehmen werden – eine Umfrage des Verbands kleiner und mittelständischer Unternehmen Pimeco. Selbst Nachlässe von bis zu 70 Prozent steigern vielleicht die Kaufwilligkeit, jedoch nicht die Kauffähigkeit. Bis zum 7. März heißt es auf den Balearen Rebajas. Und danach gibt es neuen Optimismus mit angeschlossener Enttäuschung, aber gutem Willen. Was bleibt sonst übrig?

Widersprüchliche Meldungen

Auf den Balearen wären im letzten Jahr 2.200 neue Unternehmen entstanden, ein Plus von 16% im Vergleich zu 2010. Die Zahl der aufgelösten Unternehmen erhöhte sich ebenfalls und belief sich zu Jahresende auf 788. Die Angaben veröffentlichte das Nationale Institut für Statistik INE in einer Wirtschaftsstudie. Wen interessiert`s?

Wenige Tage zuvor hieß es, 889 Firmen auf den Inseln ihren Betrieb eingestellt. Damit sind über 13.000 Arbeitsplätze weggefallen. Seit Beginn der Krise im Jahr 2007 mussten insgesamt mehr als 5.400 Unternehmen auf den Balearen aufgelöst werden. Wenige Stunden zuvor meldete das Nationale Statistikinstitut, es wären 178 neue Unternehmen angemeldet worden. Die Zahl der aufgelösten Firmen belief sich auf 78. Halten Sie davon, was Sie wollen. Glaube gehört bekanntlich in die Kirche oder in die Statistikabteilungen für umgeleitete Kometen. Apropos…

Den Astronomen des Observatoriums in Costitx ist eine bislang einmalige Entdeckung gelungen. Sie haben einen von sechs Kometen im Asteroidengürtel des Sonnensystems gefunden. Wahrscheinlich ist das der Hauptsitz der Behördenstatistiken, und nicht nur zuständig für die Balearen.


 

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3 Kommentare auf "Der spanische Kampf um die Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit"

  1. Avantgarde sagt:

    „Selbst Nachlässe von bis zu 70 Prozent steigern vielleicht die Kaufwilligkeit, jedoch nicht die Kauffähigkeit.“

    Im Westen nix neues.
    Ist halt wie überall – unser Konsumklimaindex ist auch immer ganz klasse.
    Inflationsbereinigt sind die Konsumausgaben aber seit mind. 10 Jahren flach wie ein Brett.

  2. crunchy sagt:

    Danke, einfach nur ein bescheidenes Danke für einen aktuellen Bericht. Schönen Urlaub! Braucht wer Malle? Ich brauch´ es —– (nicht)!

    Aber auch Sylt, wo , Putzfrauenstolz überqüllt, hab´ ich mir in meinem Leben
    fotztrocken, den gestreckten Mittelfinger gegeben.

    Schönste Küsten, für wenig Geld: Dänemark, immer bereithält.

    Ach, und auch die Euro-Qualen, Du bist im Urlaub: Kronen zahlen.

  3. […] Rott & Meyer: Der spanische Kampf um die Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit […]

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