Der Sozialismus siegt: Zuerst in Japan?

16. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Harakiri ist schon ein toller Sport. Er endet blutig und auch noch final, wenn man nur die richtigen Werkzeuge benutzt. Aber die Erfinder dieses Gemetzels, haben das beim Yen offenbar verlernt und benötigen Nachhilfe…

Kein Morgen vergeht, an dem Börsenreporter nicht betonen, der Nikkei wäre gestiegen, weil der Yen gefallen ist. Oder umgekehrt. Wegen des Exports… Blah Blah… Der Nikkei würde nur noch steigen, wenn der Yen endlich in sich zusammensacken würde. Nur zu!

Wie oft schon hat man in Japan den Dolch an den Yen gesetzt und zugestoßen? Eigentlich zu oft, doch mit einem Besenstiel funktioniert das nicht. Der japanische Yen erfreut sich dennoch bester Gesundheit, was man von Japan selbst nicht behaupten kann. Der Yen ist nicht klein zu bekommen, trotz aller Verbal-Attacken und Vorstellung neuer für eine Währung tödliche Waffen. Die nächste Zentralbank-Sitzung am 21. September dürfte spannend werden.

Der Yen ist unkaputtbar. Man druckt so viel davon, dass er längst in seiner eigenen Suppe hätte ersaufen müssen. Doch er schwimmt oben wie Müll, der auch meistens oben schwimmt. Er ist dort in bester Gesellschaft mit Kochi Hamada, einem Meister des geldpolitischen Buchstabensalats und Berater des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe. Er meint, Japan sollte der „spekulativen Aufwertung“ des Yen begegnen. Das klingt nach einem monetären Rendezvous in einem Park ohne Bäume. „Notfalls sollte die BoJ auch ausländische Bonds aufkaufen.“ Wir klatschen in die Hände! Ja, wenn etwas steigt, ist es spekulativ. Wenn etwas zu Fall gebracht werden soll, überhaupt nicht.

Laut Herrn Hamada, dem ein Wirtschafts-Nobelpreis sicher sein dürfte, wären tiefere Negativzinsen eine Möglichkeit. Oha! Allerdings ist er sich nicht sicher, ob die Maßnahme ab September, Oktober oder später eingesetzt werden könnte. Oha! Dann sollte er doch den Schrein befragen, den der japanische Kaiser in misslichen Situationen zu Rate zieht. Oder er sollte Kaffeesatz nutzen. Aber die Japaner trinken ja lieber Tee.

„Spekulative Aufwertungen“ des Yen sind dabei nur das Gegenteil der vorher angestoßenen spekulativen Abwertung bzw. Ausdruck der Rückzahlung von Krediten in Yen. Diese werden „spekulativ“ aufgenommen, wenn man sie mit später entwerteten Yen`s zurückzahlen kann. Dieses Kreditsystem haben die Japaner selbst angeschoben, wohl in der Hoffnung, dass es funktioniert. Das tat es auch zeitweise.

Mit japanischen Yen-Krediten wurden weltweit Häuser und Aktienkäufe finanziert. Das war ganz toll! Japan war die Gelddruckmaschine der Welt. Dumm nur, wenn sich das Ding in eine andere Richtung bewegt, als vorgeschrieben oder erwünscht – also der Yen stärker wird.

Nach allem Hin und Her und der x-ten Staffel geldpolitischer Seifenopern voller Misserfolge und ausbleibender Inflation (?), soll nun nächste Leuchtrakete steigen. Wir sind schon jetzt amüsiert. Es braucht jedoch eines wirklich überzeugenden Beweises, dass das nächste Schwert wirklich tödlich trifft und sich der Yen davon nie wieder erholt. DANN könnte man sich in Yen verschulden und mit Nichts zurückzahlen. Herrlich wäre das!

Was wir aber nach diesem ach so langem Experiment wissen, ist, Währungen zu morden oder auf ihre Winzigkeit zu verstümmeln ist eine ganz besonders große Herausforderung.

Wie wäre es mit Helikoptergeld?

Angeblich wurde darüber schon gesprochen. Angeblich soll deswegen Ex-FED-Chef Ben Bernanke (ja, der…) nach Tokio gereist sein. Man bucht jedem Japaner ein paar Millionen oder Milliarden einfach so aufs Konto. Ich denke schon, dass das technisch möglich wäre und die Leute sich darüber freuen. Mit herkömmlichen Mitteln bekommt man offenbar keine Inflation. Ganz gleich, wieviel sie Geld drucken durch Anleihe- und auch Aktienkäufe, sie bekommen auch ihre Währung nicht klein. Sie drucken Geld und der Yen wird stärker. Sie kaufen Aktien auf und der Nikkei steigt nicht. Was läuft falsch im Land der aufgehenden Sonne? Alles.

Japan ist deshalb interessant, weil es einen Blick durchs Fernrohr auf das erlaubt, was uns hierzulande später noch erwartet. Wenn „QE“ keinen Nutzen mehr bringt, uns das tut es offenbar nicht, dann wäre Helikoptergeld der nächste Schritt. Dieser wäre aber erst dann klug, wenn man alle Anleihen aufgekauft hat. Die BoJ wäre der größte Gläubiger des Staates. Wenn sie dann auch alle Aktien aufgekauft hat, mit Geld, das aus den Nichts gedruckt wurde, wäre sie Eigentümer der Japan AG. Sollte das etwa der Grund sein, warum man die Helikopter noch nicht aufsteigen lässt? Weil das etwas länger dauert, bis alles aufgekauft wurde?

Vielleicht gibt es noch einen Zwischenschritt, wenn der Staat noch mehr Papiere druckt, um mit dem Geld die Leute ruhig zu halten und enge Kumpels zu bedienen. Schulden sind ja nicht mehr das Problem, sondern die Lösung. Und nein, das ist keine direkte Staatsfinanzierung per Notenpresse. Kommt derzeit das Argument nicht passend, dass Staatsanleihen knapp werden, um endlich das noch größere Auflaufprogramm für Aktien zu erweitern? Letztlich könnte nicht nur die BoJ, sondern jede Zentralbank dieser Welt alles besitzen. Klasse! Nicht wahr?

Später kann die BoJ dem Staat und den Unternehmen die Schulden erlassen. Die Zentralbank könnte dann Staatseigentum werden. Dann hätte der Sozialismus gesiegt, nur etwas anders, als es sich Honecker & Co. in ihren kühnsten Träumen hätten ausmalen können.

 

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Ein Kommentar auf "Der Sozialismus siegt: Zuerst in Japan?"

  1. Aristide sagt:

    Man sollte Herrn Hamada und den anderen „Beratern“ jeweils ein Tanto oder Wakizashi reichen, mit den Worten „Sie wissen, was Sie zu tun haben?!“. Für westlich sozialisierte Zentralbanker gibt es natürlich Alternativen. 😉

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