Der Showdown naht!

9. September 2013 | Kategorie: Gäste

von Ronald Gehrt 

Wenn man es will, kann man den Blick der meisten Menschen gezielt vom Wesentlichen ablenken. Es hat schon fast Jahrhunderte alte Tradition, die Wahrnehmung der Öffentlichkeit auf Nebenkriegsschauplätze zu lenken, während das Wesentliche im Verborgenen abläuft. Aber in der Regel gehört heutzutage schon gar kein Vorsatz mehr dazu…

Die Mehrzahl der Menschen, ob Anleger oder nicht, lassen sich von dem einfangen, was in den Medien im Vordergrund steht, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, hinter den Vorhang zu blicken. Das Ergebnis ist, dass zahllose Menschen den falschen Mond anheulen und damit insbesondere an der Börse Gefahr laufen, entscheidende Veränderungen gar nicht mit zu bekommen.

Diese „blinden Flecken“ zeigen sich momentan am schlimmsten in der Berichterstattung und damit in der Wahrnehmung der Syrien-Krise. Man diskutiert, ob nun Giftgas eingesetzt wurde oder nicht. Man verfolgt gespannt die Entwicklung in den USA zwischen Präsident und Kongress und die zunehmend präsentere Rolle Russlands. Die Märkte reagierten vor einer Woche erleichtert darauf, dass die USA vorerst doch nicht militärisch eingreifen würde. Man reagierte überrascht auf die unerwartet deutliche Unterstützung des US-Kongresses für den Präsidenten. Man reagierte außerordentlich nervös auf die am Freitag getroffenen Aussagen von Präsident Putin hinsichtlich eines Waffen-logistischen Beistands zu Gunsten Syriens. Aber wer in Politik, in der Öffentlichkeit und an der Börse interessiert sich für die Menschen, die in diesem Konflikt leiden und sterben? Während das Spiel der Mächtigen großen Raum in den Medien einnimmt, haben die Opfer keine Lobby.

Ein ähnlich interessantes Phänomen existiert an der Börse fast permanent. Denken wir daran, dass wir seit drei Jahren eine Krise in der Eurozone haben und die Anleger permanent von einem Kommentar und einer Konjunkturzahl zur nächsten hecheln, das Gesamtbild aber völlig aus den Augen verlieren. Wer ist sich eigentlich darüber im klaren, dass die eigentlichen Probleme, die Basis der Krise, nicht im Mindesten angegangen wurden? Kaum jemand. Und das nicht nur, weil das selten bis nie öffentlich thematisiert wird. Sondern auch, weil es niemanden interessiert, solange einem nicht die eigenen Fleischtöpfe vor der Nase weggezogen werden.

Angesichts des Kursverhaltens an den Aktienmärkten ebenso wie bei Gold, Rohöl oder den Bonds muss man sich die Frage stellen, wie ausgeprägt der blinde Fleck der meisten Marktteilnehmer momentan hinsichtlich der tatsächlichen, entscheidenden Aspekte ist, die das Kursgeschehen in den nächsten Wochen bestimmen werden. Denn ich bezweifle, dass die Syrien-Problematik hierbei eine Hauptrolle insofern spielen wird, als sie imstande wäre, den kurzfristigen Trend tatsächlich zu entscheiden und dauerhaft zu begleiten.

Die USA und Russland werden sich hüten, wegen Syrien eine nachhaltige Verschlechterung ihrer Beziehungen zu riskieren. Dafür ist ihnen dieser Aspekt einfach nicht wichtig genug, denn auch an der politischen Spitze beider Länder interessiert sich wohl kaum jemand wirklich für die Bevölkerung dort. Aber es ist meines Erachtens so, dass die großen Spieler an den Terminbörsen versuchen, entsprechende kurzfristige Reaktionen der Börsen auf neue Nachrichten aus dieser Richtung zu nutzen, um ihre Interessen durchzusetzen. Und ich denke, das wird sich in den kommenden zwei Wochen deutlich intensivieren. Denn… (Seite 2)

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