Der Schwächste gewinnt!

10. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Währungskriege sind spannend und zunächst völlig ungefährlich. In solch einem Krieg fällt kein Schuss, nur Worthülsen fliegen umher. Jeder wird am Ende gegen jeden kämpfen und dennoch wird jeder verlieren…

Wir sind schon mittendrin. Die Kämpfe um die schwächste Währung nehmen sichtbar Gestalt an. Aus den USA zeigt man mit dem Finger auf Deutschland und macht den Exportweltmeister für Unterbewertung des Euro verantwortlich. Das ist durchaus erstaunlich, da Deutschland gar keine eigene Währung mehr besitzt, in der EZB über nur eine Stimme verfügt und nicht mehr zu sagen hat als Griechenland oder Malta.

Ganz sicher ist der Euro für Deutschland zu billig, aber für die meisten anderen Euromitglieder zu teuer. Was nun? Eine D-Mark würde das wahre Währungsverhältnis anzeigen. Doch der Euro ist bekanntlich unumkehrbar – zumindest in den Träumen der Politiker.

Manipuliert die EZB den Euro? Nicht doch! Mario Draghi, der Chef in Europas größtem Copy-Shop, sagte vor dem EU-Parlament, die EZB würde den Euro nicht manipulieren. Zumindest nicht direkt, sondern irgendwie aus der Not heraus, was keinesfalls eine Manipulation darstellt.

„Die These, dass ausländische Währungsmanipulationen schuld am derzeit starken US-Dollar seien, ist durch Fakten auf jeden Fall nicht zu belegen“…

so Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Er fügt an, dass es die expansive Geldpolitik der EZB ist, die den Außenwert des Euro drückt. Also doch? Neben anderen Faktoren: Dazu gehört, dass sich die EZB nicht an der überaus guten deutschen Wirtschaftslage orientiert, sondern am schwächeren Durchschnitt des Euro-Raums. (übrigens das Grundproblem des Euro) Wenn wir das richtig verstehen, ist der aktuelle Wechselkurs nur der Kollateralschaden der EZB-Politik, also keine Manipulation – wirkt aber so! Nun ja. 

Umgekehrt könnte man behaupten, die FED manipuliert den US-Dollar nach oben, indem sie nicht das macht, was die Währungskonkurrenz planmäßig durchzieht: Nullzinsen, Gelddrucken, Schönreden. Einst sagte der damalige US-Finanzminister John Connally, der US-Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem? 40 Jahre später ist es eben umgekehrt. Von Freunden lernen, heißt siegen lernen. Streit ist vorprogrammiert.

Waren gegen Forderungen

2016 hat die deutsche Wirtschaft einen Exportüberschuss in Rekordhöhe erzielt. Die Exporte übertrafen die Einfuhren um 253 Milliarden Euro. Das dürfte die aktuelle Diskussion befeuern. In die USA exportiere Deutschland Waren im Wert von 114 Milliarden Euro, in den USA wurde für 59 Milliarden Euro eingekauft. Macht einen Überschuss von 55 Milliarden Euro.

Wir hätten durchaus etwas mehr importieren können. Aber was denn bitteschön, wenn wir schon alles haben bzw. es selbst produzieren? Außerdem: Die USA sollten vielleicht nicht so viel importieren, was die Handelsbilanz auch erfreuen würde. Sie kaufen ein und bezahlen mit grünen Scheinchen, deren Herstellung nicht wirklich teuer ist. Irgendwie auch ungerecht.

Was haben wir hierzulande eigentlich von den vielen Überschüssen, außer dass wir Exportweltmeister sind. Ich weiß nicht. Ach, einen starken DAX, sagen Experten. Wer ist davon alles betroffen? Oh…

Niemand muss sich Sorgen machen! Bald steht bei Wikipedia zu lesen, dass der schwache Euro die Wirtschaft noch weiter ankurbelt und es uns damit dann noch besser ginge. Ist das so?

Lange wurde dieser Unsinn von Experten und anderen Tintenstrolchen in die Öffentlichkeit getragen, so dass diese Erkenntnis inzwischen zum Allgemeinwissen gehört. Um aus Unsinn eine Wahrheit zu machen, braucht es schon etwas Zeit. 

Eine Währungsabwertung ist eine Art von Überdruckventil, wenn andere Mittel nicht mehr greifen. So sollen Waren im Ausland besser zu verkaufen sein, wenn es im Inland nicht klappt. Europa will das. Japan will das. Und nun auch die USA. Das führt dazu, dass alle Währung abwerten. Aber was wertet auf? Vielleicht nur die Preise von Dingen, die man anfassen kann, bis es weh tut. Kein Krieg ist wirklich schmerzlos…

Ja, was kümmert es uns? Wir leben im Zeitalter, in dem eine Währung immer besser wird, je mehr sie Kaufkraft im Ausland verliert. Dazu rottet man zunächst den Zins aus und druckt Geld. Die USA weigern sich noch. Die eigentlich Schuldige ist doch in Wirklichkeit … Janet Yellen. Trump wird das ähnlich sehen.

Dollar-Flucht

Haben Sie gesehen, wie groß inzwischen der Zinsunterschied zwischen deutschen und amerikanischen Anleihen ist? Die Renditen für beispielsweise zweijährige US-Staatspapiere liegen bei 1,19 Prozent. Für bundesdeutsche Staatspapiere liegen sie bei -0,77 Prozent, also bei rund zwei Prozent Differenz. Glaubt jemand im Ernst, dass Minuszinsen in der Eurozone für das Geld der weiten Welt attraktiv sind? Eben.

Bei zwei Prozentpunkten Zinnsspread fließt das Geld automatisch aus der Eurozone in den US-Dollar. Noch. Mit einer Zinssenkung auf Null würde Frau Yellen dem politischen Spuk ein schnelles Ende bereiten und den US-Dollar in die Binsen schicken. Das aber will Frau Yellen offenbar noch nicht. Trump muss sie wohl erst feuern müssen. Unvermeidliches lässt sich eben nicht vermeiden.

Was lese ich da aus einer alten Gebrauchsanweisung für einen Krieg? Nicht nur im Gefecht auf dem Feld sollte man als kluger Mensch den Schüssen aus dem Weg gehen, sich abseits stellen, in Deckung bleiben und aufmerksam die Umgebung verfolgen – und warten, bis der Spuk vorbei ist, also nach der finalen Schlacht. Das kann dauern, bis alles abgewertet wurde. Achten Sie auf das, was aufwertet! Was meinen Sie, was dann Gold wert sein wird, auch wenn man es nicht essen kann?

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2 Kommentare auf "Der Schwächste gewinnt!"

  1. Rogers sagt:

    Astreiner Kmmentar. Chapeau!

  2. Avantgarde sagt:

    Was haben wir hierzulande eigentlich von den vielen Überschüssen, außer dass wir Exportweltmeister sind. Ich weiß nicht. Ach, einen starken DAX, sagen Experten. Wer ist davon alles betroffen? Oh…
    ———–
    Und dabei ist doch über 50% des Dax in ausländischem Besitz – beim MDax sogar irgendwas um die 80% (darf man mich auch korrigieren wenn es nimmer stimmt)

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