Der Schein trügt

14. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Gutes Geld war immer schon eine Ware und selten nur gedrucktes Papier auf der Basis von Vertrauen. Zur Wahrung des Scheins werden nun neue Papiere gedruckt. Ab dem 23. September weht mit dem neuen Zehn-Euro-Schein eine frische Note aus den Geldbörsen…

Damit die „Lieblinge“ frisch bleiben, erhalten sie einen Überzug aus Lack. Je mehr Lack vom Euro ab ist, desto mehr werden die Scheine wahrscheinlich lackiert.

Die Brücken ins Nichts auf der Rückseite der 10er untermalen auch künftig die europäische Vision. Dazu lächelt die „Europa“ mitleidig. Wer das gelackte Papier mit ins Solarium nimmt, entdeckt unter UV-Licht einen frohen Farbenspaß. Dieser gehört zu den neuen Sicherheitsmerkmalen, um das Fälschen des Falschgeldes zu erschweren. Das dürfen bekanntlich nur die offiziellen Geld-Drucker. Fühlbare Strukturen auf dem Geld gibt es bald auch. Man hätte schon früher Raufasertapete verwenden oder Grimms Märchen einritzen können.

Seit der Euro-Einführung im Jahr 2002 hat sich die Geldmenge in der Eurozone mit zehn Billionen Euro verdoppelt. Ein Zehntel davon ist Bargeld. Das taugt nur nicht als Wertspeicher, denn mit Scheinen von 2002 bekommt man jetzt ein Drittel weniger Waren und Dienstleistungen. Vielleicht auch viel weniger. Das wird sich künftig nicht ändern, deshalb ist dieses „Geld“ kein Wertaufbewahrungsmittel und damit per Definition kein Geld, sondern Papiere aus Baumwolle, von denen die Leute glauben, es wäre Geld.

Wir wissen nicht, wie lange es diese Geldscheine bzw. auch Münzen noch gibt, denn Bargeld soll künftig verstärkt durch elektronische Zahlverfahren ersetzt werden. Nicht dass es einfacher oder sicherer wird, sondern jede Zahlung kann nachvollzogen werden von denen, die die Geldströme kontrollieren. Wer weiß, wann das Bargeld ausgedient haben wird. Damit stirbt dann auch ein weiteres Stück Freiheit, diesmal in gedruckter Form. Den Leuten wird Glauben gemacht, sie hätten dann Fortschritt in den „Geldbörsen“. Dabei bedeutet Bargeld bedeutet Anonymität und Unabhängigkeit. Wer das Bargeld abschafft, sollte abgeschafft werden.

Die Bundesbank geht von einer raschen Verbreitung der neuen 10er aus. Kein Wunder, wenn man die alten schreddert. Was aber, wenn der Euro wider Erwarten scheitern sollte?

Die Scheine neuen Scheine sind schwer kompostierbar. Sie besitzen zudem Brennwert, sollte der Russe den Gashahn zudrehen. Bevor man sie wegwirft, sollte man den Silberstreifen aus dem Papier ziehen. Das ist vielleicht das Einzige, das echt ist. Alles andere ist Illusion, die von den Leuten gerne geglaubt wird.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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