Der Ölpreis und die Qualität von Spargel

26. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bill Bonner

Ich bin müde. Nachdem ich nach China, in die Schweiz, nach England und Frankreich gereist war,…war mir die Energie ausgegangen. Aber ein Tag zu Hause gab mir die Zeit, wieder aufzutanken…

Zunächst einmal warf ich den Rasenmäher an. Dann warf ich den Traktor an und zog auf meine Felder. Jedes dieser Geräte benötigt Öl und Benzin. Deshalb dachte ich darüber nach, wie unser Lebensstandard vom schwarzen Gold abhängt…und ich begann mich zu fragen, was passieren würde, wenn auch die durchschnittlichen Einwohner von Peking und Shanghai ihre freien Tage mit Rasenmähen verbringen würden. Das ist kein neuer Gedanke. Volkswirte schreiben darüber seit Jahren. Die „Emerging Markets“ werden mehr Energie verbrauchen. Und der Preis dieser Energie wird wahrscheinlich steigen.

Auch der Lebensstandard in den Emerging Markets wird wahrscheinlich steigen, immer mehr Menschen stecken ein bisschen mehr Energie in ihre Leben. Sie werden profitieren, von mehr Kühlschränken und mehr Energie. Aber was wird mit dem Lebensstandard in den bereits entwickelten Volkswirtschaften geschehen?

Natürlich benötigt ein Rasenmäher nicht viel Benzin. Selbst eine Verdoppelung des Benzinpreises würde in Bezug auf den Rasenmäher unseren Lebensstandard nicht stark ändern.

Aber in der modernen Zivilisation hängt sehr viel von Öl ab. Und alles, das wir als selbstverständlich betrachten. Spargel aus Kalifornien. Klimaanlage. Das benötigt direkt oder indirekt Öl. Wenn sich der Ölpreis verdoppelt, dann wird eine Menge von dem, was wir heute sehen, nicht mehr wirtschaftlich möglich sein.

Glücklicherweise für uns Amerikaner (ich bin ja selber einer) haben wir in Amerika und Kanada sehr viel Energie…und wir nutzen die frei und großzügig. Wenn sich der Ölpreis verdoppeln würde, dann könnten wir Öl einsparen…und immer noch gut leben. Es könnte uns dann sogar besser gehen. Denn nicht alles, was unseren Lebensstandard erhöht, erhöht auch unsere Lebensqualität.

Nehmen wir z.B. Spargel. Wenn Öl billig genug ist, dann kann man es sich leisten, Spargel von Kalifornien nach Maryland zu transportieren. Der Lebensstandard steigt – zumindest gemessen am BIP. Der Spargelbauer in Kalifornien verdient Geld…die illegalen Einwanderer, die er beschäftigt, ebenfalls…der Fahrer des LKW verdient Geld…der Verkäufer in Maryland verdient Geld…und das BIP steigt.

Aber wenn der Ölpreis steigt, dann macht das vielleicht keinen Sinn mehr. In Zürich aß ich den besten Spargel überhaupt! Groß, weiß, zart…saftig. „Wo kommt der her?“ fragte ich meinen Gastgeber. „Warum….der kommt natürlich aus Zürich!“

Er muss den Kanton gemeint haben, denn in der Innenstadt von Zürich sah ich keine Spargelfelder. Der war sicher nicht billig – in Zürich ist nichts billig. Aber das war sehr guter Spargel. Besser als der, den man in den USA findet.

Das ist nur eine Einschätzung von mir, aber ich nehme an, dass der Spargel gut war, weil er für den lokalen Markt angebaut wurde und deshalb keine Sorte war, die lange Reisen verträgt. Eine Reise von Sacramento nach Philadelphia macht jeden müde; wenn das ein Spargel aushalten will, muss er hart sein.

Vielleicht – wenn die Energiepreise steigen – werden unsere Spargel nicht mehr so viel reisen. Vielleicht – während unser Lebensstandard steigt – wird unser Spargel dann besser schmecken.

Quelle: Kapitalschutz-Akte
Der Ölpreis und die Qualität von Spargel (von Bill Bonner)
weitere Informationen: Investor-Verlag

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