Der neue Porsche TPR ist da!

12. April 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Gastkommentar von einem anonymen Investmentbanker

Überraschenderweise geht es gleich nicht um Zypern und die neueste Massenenteignung der EU, die übrigens im Sommer auch offiziell von Brüssel aus in Gesetzesform gegossen wird – pünktlich, bevor die Deutschen im September wieder einmal wählen werden. Was dann passiert, wenn auch im angeblichen „Euro-Wunderland Nr. 1“ Angie und Kollegen für weitere vier Jahre fest im Sattel sitzen… tja, darüber kann sich jeder selbst Gedanken machen…

Ein wenig geht es aber doch um Zypern, nämlich um die Frage, wo einer der entscheidenden Ursachen lag, warum Zyperns Banken mal schnell Pleite gegangen sind. Um dies zu beantworten muss man weit – sehr weit – hinab in die Untiefen des Finanzmarktes blicken, wo man dem Kern des Finanzsystems schon sehr nahe kommt – und sich die eigene Perspektive auf viele Geschehnisse deutlich verschiebt – in Richtung der abstrakten Realität. Wer bis zum Ende durchhält wird diese Perspektive bekommen, ob er will oder nicht.

In diesem Zusammenhang dreht es sich um die Frage: Wie entsteht Geld? Nun, zumindest ein Weg, Geld zu produzieren, ist auf den ersten Blick recht simpel: Die Notenbank druckt neues Geld und händigt es den Banken aus – die im Gegenzug dies aber nur erhalten, wenn sie „notenbankfähige Sicherheiten“ in gleicher Höhe hinterlegen können. Diese Sicherheiten werden nach einem bestimmten Schema bewertet: So erhält die Bank für Top-Staatsanleihen im AAA-Bereich 100% neues Kapital – für dubiose Immobilienkredite aus Irland bspw. deutlich weniger. Die Spanne geht hier von 100% bis deutlich unter 50%. Die Qualität der Sicherheiten ist also sehr entscheidend für die Höhe der Kapitalversorgung der Bank.

Die Banken in Zypern hatten in den letzten Monaten alle ihre „Sicherheiten“ über die Notenbanken zu Geld gemacht, um die eigenen Verluste aufzufangen. Und Anleihen-Schrott, den selbst die EZB nicht akzeptiert, was schon einiges heißt, kann man in der Eurozone über das sogenannte ELA-Programm einfach bei der lokalen Notenbank abladen, gegen neues Geld selbstverständlich. So modert mittlerweile der gesamte auch nur annähernd notenbankfähige Müll, in der Notenbank Zyperns in der Schublade „Altpapier“. Um es kurz zu machen: Den Banken in Zypern sind schlichtweg die Schulden/Anleihen ausgegangen, mit denen sie neues Geld bekommen konnten. Nicht zuletzt deshalb, weil die Bürger sich weigerten viele neue Kredite für allerlei Unfug aufzunehmen. Und fertig ist die nächste Bankenkrise.

Bereits mehrfach wurde an dieser Stelle ja darauf hingewiesen, dass es mittlerweile in dieser gigantischen Schuldenkrise zu wenig gute Schulden gibt. Top-Unternehmensanleihen haben zur Jahrtausendwende einen Anteil am Gesamtmarkt von immerhin fünf Prozent gehalten 2012 war es nur noch ein niedliches Prozentpünktchen. Allein seit 2008 sind die verfügbaren Volumen an AAA-Anleihen um 60 prozent (!) gesunken. Doch nicht nur das Angebot fällt dramatisch, sondern ebenso steigt die Nachfrage. Pensionskassen und Versicherungen kaufen, weil sie rechtlich verpflichtet sind. Private Investoren kaufen, weil sie sichere Häfen für ihr Geld suchen. Banken kaufen, na eben weil sie diese Anleihen zu 100 Prozent wieder in neues Spielgeld umtauschen können.

Und genau hier in dieser Gemengelage aus „seltenen Anleihen“, „Geldbedarf der Banken“ und „echten Spielernaturen in Vorstandspositionen“ wird es jetzt richtig lustig. Denn es stellt sich ja zwangsweise eine Frage: Was macht eine Bank, die noch Ansehen genießt, dringend Geld braucht, aber nicht genügend gute Sicherheiten dafür hat, um sich elegant über die Notenbank zu versorgen? Pleite gehen wie in Zypern? Ziemlich uncool wie wir wissen. Vor allem für die Big Boys wie die Deutsche Bank und Government, ähm…. Goldman Sachs, die sich solch eine Peinlichkeit natürlich nicht erlauben wollen. Was also tun? Nun, ganz einfach: Sie leihen sich die Anleihen.

Wer mag so fahrlässig sein, ihnen diese Anleihen zu geben?

Sehen wir uns doch mal um: Die eine oder andere Pensionskasse muss vielleicht die eine oder andere Renditelücke schließen um die Rentengarantien zu halten und freut sich auf Zusatzeinnahmen durch das eine oder andere Leihgeschäft. Der eine oder andere Manager eines öffentlichen Anleihenfonds möchte vielleicht im Jahresbericht des einen oder anderen „Fachmagazins“ ganz oben stehen und ist daher gierig auf die eine oder andere Leihgebühr.

Und schon schon sind wir im Kern. Die Wunderwaffe, die wir hier vorfinden, heißt Tri-Party-Repo oder einfach TPR (Abkürzungen sind in unserer Branche ohnehin beliebt). Und so funktioniert´s… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2 3

Schlagworte: , , , , , ,

9 Kommentare auf "Der neue Porsche TPR ist da!"

  1. Geronimo sagt:

    Sehr sehr guter Artikel, hab schon vieles gelesen über die ganzen Machenschaften der Bängster, ab da bleibt einem doch glatt die Spucke weg!

    Aber im Grunde nicht wirklich was Neues, wer weiss was da in naher Zukunft noch so alles ans Tageslicht kommt!

    Wir steuern auf den ultimativen Crash unserer bestehenden Zivilisation zu, es bewahrheitet sich von Tag zu Tag mehr.

    Der Karren steckt längst so tief im Dreck, daß niemand mehr in der Lage ist den heraus zu ziehen!

  2. JayJay sagt:

    Super Artikel, wenn man das liest bekommt man noch mehr Angst vor dem Platzen des ganzen Papiergeldsystems.

    Gold & Silber Ahoi, schönes, sonniges Wochenende 🙂

    • Bummbumm sagt:

      Also vor dem Platzen des Papiergeldsystems bekomme ich da weniger Angst. Dieser lässige Umgang mit Sicherheiten ist nicht dem Papiergeldsystem anzulasten. Das ist grob fahrlässig. Oder sogar schon Vorsatz?

  3. MARKT sagt:

    Es wird alles versucht um Zentralbankgeld in „echtes“ Geld zu tauschen. Wenn es trotz allem bemühen nicht funktioniert stehen ja noch die „Retter“ aus der Politik bereit.
    Und bei einem stärkeren Crash (immer mangel an Geld) aufgrund eines Ereignisses „von Außen“ ist der schuldige auch schon vorhanden und die Ultimative Rettung beginnt von neuem. Dies wird fortgesetzt bis es mit Hilfe von Zentralbank gelungen ist uns um unser „echte Geld“ zu bringen, und zwar indem man es uns abnimmt.

    @jayjay
    Gold & Silber Ahoi
    Beim letzten „kleinen“ Crash 2008/09 des „Papiergeldsystems“ fiel auch Gold um 35%. Dies wird dann wohl abermals passieren. Nicht weil die Edelmetalle eine schlechte Alternative sind, sondern weil in diesem Moment nur „echtes“ Geld (vielleicht) vor der Zahlungsunfähigkeit schützt.

  4. Deddi sagt:

    „den Porsche so lange fahren zu dürfen, bis Mario die Rechnung bezahlt hat. Und wenn sie nicht gestorben sind…dann fährt der Handwerker immer noch Porsche.“

    Ich glaube mich erinnern zu können, demzufolge bei fast 80 % der Porsche – Besitzer die Leasingraten schneller rollen sollen als die Räder. 🙂 Aber so was kann man(n) mit vollem Mund schon mal vergessen, bevor man die Autoschlüssel rausrückt…

    Klasse Beitrag. Chapeau.

  5. MFK sagt:

    Tja so ist das nunmal bei Inhaberschuldverschreibungen. Dummheit der Fondsmanager schadet immer den Anlegern, nicht nur bei Wertpapierleihe.

  6. Johannes sagt:

    Wow, genialer Artikel mit viel Hintergrund.

    Vielen, vielen Dank dafür.

  7. stonefights sagt:

    Ein Dankeschön an den Autor für seine Arbeit, der Lohn ist die gesäuberte Seele nach dem Schreiben.
    Wer kennt nicht „Die Reise nach Jerusalem“.
    Warum wohl heisst es in Deutschland nicht „Die Reise nach Berlin“ oder „…New York“.
    Aber das wäre jetzt eine andere Diskussion.
    Viel wichtiger wäre zu wissen, wer der Spielleiter ist.
    Auch, wie lange er wohl die Musik noch spielen lassen wird bis zum nächsten Stühle-Rücken am globalen Finanzmarkt.
    Da bin ich doch lieber Spiel-Verderber, setze mich auf meinen güldenen „camping-Hocker“ ausserhalb der Roulette-Zone und sehe zu, wie von Runde zu Runde weniger Stühle aufgestellt werden.
    Mein camping-Hocker hat zudem noch den Vorteil, dass es meiner ist, quasi kein Spiele-Stuhl, er physisch existiert, er durch nichts belastet ist und ich ihn schnell zusammengeklappt überall hin mitnehmen kann, auch in Zeit Zonen,
    wo es mal keine anderen Stühle mehr geben wird 🙂
    Sollen sie doch den Chart meines Hockers auf 1 USD herunter prügeln,
    mein Hocker ist immer noch da, komisch 🙂
    Schönes Wochenende,
    LG stonefights

  8. Reiner Vogels sagt:

    Nicht nur die Banker sind schuldig, weil sie Werte als Pfänder hinterlegen, die ihnen gar nicht wirklich gehören (ich nenne so etwas Betrug), sondern vor allem auch die staatlichen Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden, die diesem Treiben mehr oder weniger tatenlos zuschauen.

    Ein Beispiel: Wenn ein Direktor eines Warenhauses an allen Eingängen seines Warenhauses ein Schild anbringen würde, dass in diesem Warenhaus Ladendiebstahl nicht bestraft oder verfolgt wird, dürfte er sich nicht wundern, wenn sein Warenhaus nach eine Woche leer wäre. Zwar wären die Diebe, die einfach Waren, die ihnen nicht gehören, stehlen, nach wie vor Diebe und gehörten bestraft, nicht weniger aber wäre der Warenhausdirektor schuldig, weil er zum Diebstahl geradezu einlüde.

    Wenn also staatliche Strafverfolgungsbehörden nur noch durch die Finger sehen, werden notwendig Recht und Gesetz verschwinden, und das Chaos wird regieren. Genau das scheint mir im internationalen Finanzkasino der Fall zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.