Der nächste Paukenschlag der EZB…

8. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Natürlich ist Griechenland längst pleite. Doch im Theaterstück um die so genannte „Eurorettung“ werden wir noch viele Täuschungsmanöver erleben, bis diese Erkenntnis offen ausgesprochen wird…

Ob Börsianer noch ruhig schlafen können in diesen Tagen – bei all dem Trommelwirbel? Am Mittwochabend sorgte die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihren Hampeleien der vergangenen Wochen kurz vor Börsenschluss in New York schon wieder für einen Aufreger, der manchen um den Schlaf gebracht haben dürfte: Griechische Staatsanleihen werden ab sofort nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert. Wie bitte?

Nicht nur die Aktienkurse kamen sofort ins Rutschen – auch der Euro taumelte. Ist Griechenland jetzt etwa pleite? Natürlich ist das Land pleite. Nur werden das natürlich weder die EZB noch die griechische Regierung so offen aussprechen.

Vielleicht will die Notenbank einfach nur den Druck etwas erhöhen, damit Regierungschef Alexis Tsipras und sein umtriebiger Finanzminister Yanis Varoufakis nicht auf noch mehr „dumme Gedanken“ kommen.

Doch dieser Schuss könnte auch nach hinten losgehen. Die Kleinigkeit von 320 Milliarden Euro steht in Griechenland im Feuer. Wegen einiger geschickter Winkelzüge der Finanzindustrie stehen jedoch nicht mehr die Banken für diese Summe gerade, sondern die europäischen Steuerzahler.

„Nicht mehr“ deshalb, weil das vor einigen Jahren noch völlig anders war: Im Klartext: Die Banken haben zwar die Kredite an Griechenland vergeben und kräftig Zinsen kassiert. In der Zwischenzeit wurden die Haftungsrisiken für mögliche Verluste jedoch sehr elegant, und so gut wie vollständig, auf die Allgemeinheit übertragen.

Krisenbewältigung nennt man das wohl. Eindrucksvoll zeigt das die folgende Abbildung:

Banken und Griechenland

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras hat nun zwei Asse im Ärmel. Einmal die Schulden selbst, denn wer möchte denn den europäischen Steuerzahlern erklären, dass all das schöne Geld weg ist? Angela Merkel etwa?

Auf der anderen Seite ist ein Austritt aus dem Euro in den EU-Verträgen ja auch gar nicht vorgesehen. Die Griechen könnten die EZB deshalb wie einen lustigen Tanzbären mit einem Ring an der Nase durch die Manege führen, indem sie einfach nur auf diesen Punkt verweisen und „pacta sunt servanda“ skandieren. Verträge sind einzuhalten.

Natürlich wissen das die Griechen, auch wenn es sie meist nicht groß kümmert…

Vielleicht ist alles aber auch ganz anders: Wie die Buschtrommeln in diesen Tagen melden, wurden allein im Januar elf Milliarden Euro von griechischen Konten abgehoben. Sollte die EZB mit ihrer neuerlichen Überraschung etwa einen veritablen Bankensturm im Sinn haben?

Dieser könnte dann losbrechen, wenn noch mehr Griechen einfallen sollte, dass das Geld daheim unter der Matratze besser aufgehoben ist als auf dem Bankkonto. Eine Bank nach der anderen könnte dann umkippen und man wäre sie endlich los, diese aufsässigen Revoluzzer. Selbst schuld könnte die EZB dann sagen…

A pro pos: Da wir schon beim Thema Schulden sind. Wenn draußen Winter- und sonstige Stürme um die Häuserecken pfeifen, dann machen Sie es sich doch daheim einmal ein wenig gemütlich und führen sich eine aktuelle Studie des McKinsey Global Institute zu Gemüte.

Kurz und prägnant lautet das Fazit folgendermaßen: Unsere Welt ertrinkt in Schulden…

Wen das jetzt überraschen sollte, so wie offenbar die McKinsey-Leute selbst oder auch die Spiegel-Redaktion, dem empfehlen wir, die Mechanismen unseres Geldsystems in einer ruhigen Minute einmal etwas genauer zu studieren. Sie werden staunen, was Sie dabei alles herausfinden…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief


 

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4 Kommentare auf "Der nächste Paukenschlag der EZB…"

  1. bluestar sagt:

    Die Welt ertrinkt in Schulden ? Na dann brauchen wir dringend noch mehr davon. Unverschämt dieses Russland mit diesem Diktator Putin. Haben fast überhaupt keine Schulden, unendliche Rohstoffreserven und eine eigene Meinung auch noch. Das widerspricht ja völlig den geliebten westlichen Werten. Wann gibt es endlich die nächsten Sanktionen ???

  2. Argonautiker sagt:

    Den Tenor des Artikel berührt es zwar nicht, aber trotzdem eine kleine Korrektur:

    Das Bundesverfassungsgericht hat das Austrittsrecht klargestellt. Es beruht auf dem völker¬rechtlichen Grundsatz der STÄNDIGEN Freiwilligkeit einer Mitgliedschaft in einer völkerrechtlichen Organisation (BVerfGE 89, 155 (190))

    Hoffen wir mal, daß es noch nicht gekippt ist.

    LG

  3. 1,21 Gigawatt Leistung? sagt:

    Hoffen wir, dass die Griechen fleissig Silber und Gold kaufen mit ihren 11 Milliarden Öre.

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