Der nächste Auftritt unserer Komödianten – den Zentralbankern

21. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Da es an den Märkten gerade wenig Aufregung gibt, wende ich mich, zur Unterhaltung, dem britischen „Pink Paper“ = der Financial Times zu. Sie liefert mir immer etwas, über das ich lachen kann – üblicherweise auf den Seiten der Leitartikel…

Martin Wolf, Chefwirtschaftskommentator, ist ein unfreiwilliger Komiker. Er ist immer bereit dazu, den zweit- oder drittklassigsten Ideen einen populären Platz zu geben, die jemals in wissenschaftlichen Abhandlungen zu finden waren. Auf seiner Kanzel bei der Financial Times, ist er ziemlich überzeugt davon, der einflussreichste Wirtschaftsschreiberling der Welt zu sein. Ich hoffe, dass das eine Übertreibung ist, doch ich fürchte, dass es nicht so ist.

Die absurden und verheerenden Strategien, die von den Zentralbanken und Regierungen verfolgt worden sind, sind oft genug in Wolfs durchgeknallten Leitartikeln zu Front-Runnern geworden. Also schenke ich dem meine Beachtung – zum Teil dem Amüsement und zum anderen den Vorwarnungen.

Auch in einer der letzten Ausgaben ist Wolf wieder dabei. Voller Hoffnung. Voll von Ratschlägen. Voll von… ach, ist auch egal.

Ein Defizit der Nachfrage“ prangt auf der Titelseite, mit Wolfs Profilbild frontal und zentriert. „Deshalb müssen die politischen Entscheidungsträger einen globalen Investmentboom auslösen.“

Oh, oh… jetzt geht’s los. Nicht in der Lage, eine einzelne Wirtschaft oder auch eine ganze kontinentale Wirtschaft aufzumischen, nimmt er sich die ganze Welt vor.

China ist im Abschwung, wie Wolf anmerkt. Und die Welt „hat ihren letzten signifikanten, nachgefragten, kreditgestützten Motor verloren„. Und das führt zu seinem mehr generalistischen Abschwung… und vermutlich auch zu anderen Dingen, die zu schauderhaft sind, als das man sie in einer Zeitung bringen könnte, die in London veröffentlicht wird, der“ finanziellisierten“ Stadt der Welt.

Das Problem mit der „Ersparnisschwemme“

Schnief. Schnief. China kauft also nicht mehr Kupfer, Öl, Aluminium oder andere Rohstoffe, wie es bisher der Fall war. Das ist ein großes Problem. Denn das wird die Herausforderung der „Ersparnisschwemme“ noch verschärfen. Oder wie Larry Summer es ausdrückt, verschlimmert es das Problem der „säkularen Stagnation“. Mit anderen Worten, es ist ein hartes Stück Holz für die Finanzindustrie. Wieso? Weil die Menschen einfach nicht mehr gewillt sind, Geld auszugeben, das sie nicht haben, für Dinge, die sie nicht brauchen.

Wenn man den Unsinn ignoriert, den die „Ersparnisschwemme“ beinhaltet, macht das Sinn. Und es bringt mich dazu, mich zu fragen: Wie kam es denn dazu, dass die Menschen überhaupt so viele Anleihen und Ausgaben getätigt haben? Und wie kommt es dann, dass die Menschen nicht mehr tatsächliche Kaufkraft haben?

Wenn wir uns fragen, wieso die Amerikaner nicht mehr Waren aus China kaufen, wäre das nicht ein guter Ansatzpunkt für die Überlegungen? Aber nein. Wolf ist nicht so sehr für das Nachfragen. Er kommt direkt zu einer Lösung, ohne sich die Zeit zu nehmen, an der Frage herumzuknobeln und über Gründe und Effekte nachzudenken. Er fragt: „Wie soll einer eine Welt unter diesen Konditionen managen?“

Donald Trumps Empfehlung für Investoren
von Bill Bonner

„Was ist dieser Trump eigentlich für ein Typ?“ fragte mich ein französischer Freund während eines Dinners. „Ich weiß es nicht“, gab ich zur Antwort. „Doch zumindest lebt er in einer echten Welt… oder zumindest in seiner Version davon. Und nicht in der Traumwelt, in der die meisten Politiker zu leben scheinen.

Er hat sein Geld durch reale Unternehmen gemacht. Er hat Menschen eingestellt und er hat Menschen entlassen. Er hat Rechnungen, die er bezahlen muss. Er hat genug Geld, so dass er sagen kann, was er denkt. Zudem ist er noch nicht lange genug in der Politik gewesen, um den Mund zu halten.“

Was denkt Donald Trump über den Aktienmarkt? Wie er neulich in einem Portal erläuterte, werden Investoren „in einen inflationären Aktienmarkt gezwungen und an einem bestimmten Punkt, werden sie wieder rausgeschmissen… Wir leben in einer Blase.“

So wie ich das sehe, ist diese Aussage genauso ehrlich und akkurat, wie alles andere, was so während eines Rennens um die Präsidentschaft bisher gesagt wurde. Doch niemand hat eine bessere Kenntnis über Handgranaten, als einer, dem bereits eine vor dem Gesicht hochgegangen ist.

„The Donald“ erkennt Blasen, wenn er eine vor sich hat. Er weiß was mit ihr passiert, wenn sie gegen einen spitzen Gegenstand stößt. Die Trümmerexplosion von 2009 hatte ihn umgehauen. Wie er kurzzeitig so auf dem Rücken lag, war er vielleicht der ärmste Mann der Welt, mit Schulden in Milliardenhöhe. Heute ist Trump wieder auf den Beinen. Der Dow ist etwa 20% höher, als in der Vorkrisenzeit im Jahr 2007. Auch Gewerbeimmobilien sind heute etwa 20 % höher.

Bei den Immobilien ist die Lage ein wenig komplizierter. Der durchschnittliche Hauspreis in Amerika mag ja etwas niedriger sein, aber die Grundstückspreise in ausgewählten Regionen sind höher, als jemals zuvor. Das liegt zum Teil daran, dass die Reichen und die Insider ihre unrechtmäßig erworbenen (alias Fed-erworbenen) Gewinne nutzen, damit sie um die Immobilienpreise konkurrieren können. Zum anderen Teil liegt es daran, dass ausländische Käufer im großen Stil in den Markt einsteigen.

Besonders die Chinesen sind Großkäufer amerikanischer Immobilien. Ein Bericht, der oft im Internet zitiert wird sagt, dass 80% der neuen Häuser in Irvine, Kalifornien, von Chinesen erworben werden – schwer zu glauben.

US-Aktien und Anleihen sind heute etwa 25 Billionen Dollar mehr wert als gemessen am Niveau von 2008. Und die Welt steckt mit 57 Billionen Dollar tiefer in den Schulden. In ihrer magischen Mysterienwelt im Hauptsitz der Fed übersieht Janet Yellen das alles. Sie hat nie ein Unternehmen geführt. Sie hatte noch nicht mal einen Job bei einem profitorientiertem Unternehmen.
Sie kann nicht zugeben, dass es eine Blase gibt – bei Aktien, Anleihen oder Immobilien. Und wenn man nach ihrer Einschätzung urteilt, die sie an den Tag gelegt hat, als es auf 2008 zuging, würde sie so eine Blase vermutlich nicht mal erkennen, selbst wenn sie direkt vor ihrer Nase wäre.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Der nächste Auftritt unserer Komödianten – den Zentralbankern  (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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4 Kommentare auf "Der nächste Auftritt unserer Komödianten – den Zentralbankern"

  1. waltomax sagt:

    Kondratieffs Winter ist einerseits von einer schwachen Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen geprägt und andererseits von schwachen Investitionen. Richtig ist: „Keiner kauft, was er nicht braucht, mit Geld, das er nicht hat.“ Und keiner investiert, um Waren und Diensleistungen anbieten zu können, die keiner will.

    Nun bleiben -knallhart- zwei Möglichkeiten. Entweder man erfindet etwas völlig Neues, was alle noch nicht haben, aber unbedingt wollen. Oder man kann in der Wirtschaft nicht mehr quantitativ wachsen und muss sich darauf verlegen, das zu verbessern und zu erhalten, was schon da ist. Eine Schlussfolgerung mit weitreichenden und teilweise unangenehmen Konsequenzen.

    Hier sei nur das Geld an sich genannt, das bekanntlich nichts anders ist, als eine Schuldverschreibung. Doch was passiert mit dem Geld, wenn keiner mehr Schulden macht?

    Wie gestalten sich das Steueraufkommen und damit die Gestaltungsmöglichkeiten der öffentlichen Hände, wenn man kaum noch quantitativ wachsen kann?

    Ein interessanter Katalog an Fragen, der sich hier auftut…

    • Ralf sagt:

      @waltomax:“Hier sei nur das Geld an sich genannt, das bekanntlich nichts anders ist, als eine Schuldverschreibung. Doch was passiert mit dem Geld, wenn keiner mehr Schulden macht?“

      Wenn keiner mehr Schulden macht und die Geldvermögensbesitzer ihr Geld weiter sparen, werden alle Altschuldner zwangsweise zahlungsunfähig. Zuerst die schwachen Schuldner aber dann auch die leistungsfähigsten.

  2. asisi1 sagt:

    die sache ist doch ganz einfach.
    wir müssen die armen reich machen.

  3. Incamas SrL sagt:

    Die Alternative Bank Schweiz (ABS) wird ab Januar 2016 auf dem Alltagskonto Negativzinsen von -0,125% auf Beträge unter 100.000 CHF einführen und hat bereits heute -0,75% Zinsen auf höhere Beträge. Auch das „Sparkonto“ wird ab 2016 mit -0,75% ab 100.000 CHF „verzinst“ und bei Beträgen darunter gibt es eine glatte Null. Damit dürfte die ABS die erste Bank in der Schweiz sein, die im ersten Quartal 2016 keine nennenswerten Spareinlagen mehr besitzen wird, falls die Schweizer die drohende, globale Gefahr, die daraus entstehen wird, wittern.

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