Der Mythos vom billigen US-Gas (II.)

24. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Am US-Erdgasmarkt geht es turbulent zur Sache. Nicht durch die Steigerungen bei den Gaspreisen für Endkunden sowie die sich rasch leerenden Reserven sorgen für Anspannung. Auch Trendfolgemodelle an den Futuresmärkten werden dem mehrjährigen und hochprofitablen und Short-Trade hinterherweinen.

Käufer von Zertifikaten oder ETFs wundern sich oft, warum ihre „Investments“ in futuresbasierte Produkte nicht so laufen, wie sie es erwarten. Zuerst wird dann meist auf den Emittenten geschimpft, der durch einen bösen Zauber dafür sorgt, dass das Produkt zwar eigentlich satte Gewinn abwirft, er diese aber auf dubiosen Pfaden abzweigt.

Nun wollen wir an dieser Stelle nicht die Emittenten in Schutz nehmen. Als Erklärung für so manchen Kursverlauf greift dieser Ansatz jedoch zu kurz. Ebenso wenig wollen wir erörtern, wie sinnvoll oder gar kosteneffizient die zahlreichen beworbenen Produkte überhaupt sind.

Es gibt eine Menge Wege, um an den Terminmärkten sein Geld zu verlieren. Man kann problemlos mit einer Long-Position Geld verlieren, selbst wenn der Spotpreis steigt. Auch ein Leerverkauf kann trotz fallender Kurse zu einem Verlust führen. Das sollte man wissen, bevor man in die entsprechenden Produkte investiert.

Nun muss man die Zusammenhänge nicht verstehen, es gibt bekanntlich viele andere schöne Dinge im Leben. Wem dies alles jedoch zu kompliziert ist, der sollte sich besser vom Futuresmarkt (wir sprechen hier von den Rohstoffmärkten) und entsprechenden Anlageprodukten fernhalten.

Das sieht nicht jeder so. Ab und an sieht man in einigen Foren sogar „Handelsstrategien“, deren vermeintliche „Performance“ auf nicht adjustierten Kontrakten beruht. Das ist ein Rezept für eine schnelle und sichere Pleite.

Bei der Adjustierung der Zeitreihe werden die Differenzen der Futureskontrakte beim Roll ausgeglichen, die so genannten Basis-Gaps. Wer dies unterlässt und sein Handelssystem basierend auf nicht adjustierten Zeitreihen testet, erhält untaugliche Resultate, die keinerlei Auskunft darüber geben, wie das System wirklich gearbeitet hätte.

Die folgenden Charts verdeutlichen diesen Sachverhalt. Der erste zeigt den nicht adjustierten Langfristchart für die Natural Gas (Henry Hub) Futures. Eine solche Darstellung ist sinnvoll, wenn es darum geht, den im Betrachtungszeitraum gehandelten echten Preis der jeweiligen Kontrakte zu sehen.

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Wer jedoch ein Handelssystem testen will, beispielsweise einen beliebigen Trendfolger, der muss den Einfluss der Terminkurve und die entsprechenden Veränderungen der Preise durch den roll-down bzw. roll-up beachten. Jubel und ein Schuss ins Wasser zugleich.. Wie geht das? (Seite 2)


 

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Ein Kommentar auf "Der Mythos vom billigen US-Gas (II.)"

  1. bluestar sagt:

    Liebes Bankhaus,

    ich bin immer wieder von Ihrer Sachkenntnis und Ehrlichkeit begeistert.
    In Termingeschäfte war ich noch nicht investiert, da habe
    ich keinen vollen Durchblick. Am Besten wäre es, wenn Sie
    ein paar Fonds auflegen oder Vermögensverwaltung betreiben würden.
    Dann wäre ich Ihr Kunde und könnte eine Menge Zeit sparen 🙂

    VG aus Leipzig

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