Der Mann, der das Geld verschwinden ließ

18. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Loch Bless aus Frankfurt am Main liefert ein Musterbeispiel für die Effekte der Verwässerung. Die Commerzbank ist nicht zum ersten Mal in schwerem Fahrwasser. Die in den letzten Jahren durchgeführten Kapitalerhöhungen sind derart umfangreich, dass manche Charts an Währungskurse aus der Zeit der gallopierenden Inflation erinnern…

Und tatsächlich ähneln die Auswirkungen der regelmäßigen Ausgabe neuer Aktien den Effekten der Gelddruckerei.

Eine Aktie verbrieft dem Eigner einen Anteil am Unternehmen. Der Anteil liegt bei (1/Anzahl aller ausstehenden Aktien des Unternehmens. Teilt man die Zahl der ausstehenden Aktien durch 100 erhält man die Anzahl der Aktien, die ein Investor kaufen muss, wenn er aus welchen Gründen auch immer ein Prozent an der Commerzbank halten möchte. Dieser Anteil ist nicht in Stein gemeißelt. Verkauft die Bank neue Aktien sinkt der Anteil des Anlegers, wenn er nicht an der Kapitalerhöhung teilnimmt, also Aktien zukauft, bis er wieder ein Prozent der nun existierenden Aktien hält. Bei kleineren Kapitalerhöhungen sind die Auswirkungen gering. Bei der Commerzbank sind die Spuren dieser Verwässerung des Aktienkapitals deutlich sichtbar. Die folgende Grafik zeigt, wieviele Aktien ein Anleger 1992 und 2015 halten musste, um ein Prozent am Unternehmen zu besitzen.

1990 genügten 428.000 Aktien. Derzeit sind es mehr als 11,3 Millionen. Ein Anleger hätte im Mittel jedes Jahr weitere 438.269 Aktien kaufen müssen, damit er heute den gleichen Anteil am Unternehmen hält. Außer Verlusten wäre dabei nicht viel herausgekommen, aber immerhin hätte einen der Broker sicherlich eine Weihnachtskarte geschickt.

11

Natürlich sagt der Mittelwert hier, wie am Finanzmarkt des Öfteren, nichts aus. Die stärkste Verwässerung erlebten die Aktionäre in den vergangenen Jahren. Immerhin kann man sagen, je schlechter es der Firma ging, desto geringer wurde der Anteil. Ein schwacher Trost.

Wird diese Verwässerung zu stark, ist gegen den Kursverfall kein Kraut mehr gewachsen. Man darf nicht vergessen, dass sich auch die Erträge auf eine immer größer werdende Zahl Papiere verteilen. Steigen die Erträge weniger stark als die Zahl ausstehender Aktien ist das nicht schön. Fallen Verluste an, gibt es nichts zu verteilen, was den Kursen dauerhaft ebenfalls nicht schmeckt.

Interessant ist bei Firmen, die oft große Kapitalerhöhungen platzieren, der wachsende Unterschied zwischen dem Kursverlauf und dem Börsenwert (Marktkapitalisierung). Da letzter das Produkt aus Kurs und der Anzahl ausstehender Aktien ist, täuscht der Blick auf den Kursverlauf oft. Der Blick auf den Chart und die Erkenntnis, dass der Kurs wieder auf dem Niveau von 1990 ist, führt in die Irre. Der gleiche Kurs ist nicht gleichbedeutend mit einer gleichen Bewertung.

Der folgende Chart zeigt die unterschiedliche Entwicklung des Kurses und des Börsenwertes.

12

Aus solchen Daten ergeben sich aufschlussreiche Rechenspiele. So erreichte die Commerzbank ein Allzeithoch von 286 Euro. Zu diesem Zeitpunkt existierten 1 XY Mio Aktien. Seither wurden YY zusätzliche Aktien emittiert. Würde die Aktie das Allzeithoch mit dieser Aktienzahl wieder erreichen ergäbe sich ein für die CoBa geradezu bizarr anmutender Börsenwert von 303 Milliarden Euro. Das wäre soviel wie die Bewertung von Wells Fargo plus 3 Mal die aktuelle Bewertung der Commerzbank. Nun kann das Management, wenn es einmal nicht mit Kapitalerhöhungen beschäftigt ist, flott den Kundenkompass herausholen, für eine Verdreifachung der Aktie sorgen und dann ganz entspannt die Schippe Wells Fargo obendrauf packen.

blesschart2

Angesichts der Glanzleistungen der letzten 15 Jahre beim Wegzaubern von Eigenkapital muss man einfach nur optimistisch bleiben.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar