Der Mainstream im Häuserkampf

28. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

Von Bankhaus Rott

Der US-Präsidentschaftswahlkampf liegt in den letzten Zügen. Mit einer bizarren Mischung aus Selbstsicherheit und Panik hyperventiliert der Mainstream diesseits und jenseits des Atlantiks. Sie kann es schaffen, sie kann es schaffen … Wen der Mainstream mag ist allseits bekannt. Warum das so ist, bleibt ein Rätsel, aber das war es schon bei Barack Obama. Den musste man bekanntlich auch toll finden…

Wen oder was man bevorzugt steht jedem frei, allerdings darf man nach acht Jahren feststellen, dass es abgesehen von der medialen Darstellung vermutlich nicht wesentlich anders gelaufen wäre, wenn George Bush noch ein paar lustlose Amtsperioden drangehängt hätte. Das wird man so nie lesen, denn es kommt schließlich nicht darauf an, ob man Kriege führt, sondern ob und wie man darüber spricht. Und so bleibt es dabei, dass man eben jeden toll finden darf. Man darf es nur nicht sagen. Die Gedanken sind eben frei.

Man kann es ebenso wenig ertragen, wie man ihm ausweichen kann. Überall stoßen in den zunehmend gratis angebotenen Gazetten die Schreiber ins selbe Horn. Der kleine Moritz etwa schreibt vom „Brandstifter Trump“ und meint daraufhin, solange Trump eine Chance gehabt hätte, hätten viele sich nur nicht getraut, ihn zu kritisieren. Nun hat ein Präsidentschaftskandidat wie ein Boxer natürlich immer eine Chance, aber völlig unabhängig davon, wer die Wahl gewinnt oder ob man sich einen der beiden Kandidaten oder Johnson oder McMullin wünschen sollte, darf man eines feststellen. Wenn man über einen Mangel an Kritik spricht, denkt man sicherlich nicht an Donald Trump. Wenn es bei einem der Kandidaten an Kritik gefehlt hat, dann wohl eher bei Frau Clinton, oder, wie man auch in deutschsprachigen Gazetten gerne liest, bei der „Hillary“.

Ja, so eine nette ältere Dame. Wer will da schon Kritik üben. Alleine aus dem Grund, wie man wohl die zahlreichen Verfehlungen von Clinton beurteilen würde, wenn es mit der Präsidentschaft nichts würde, wäre interessant. Aber möglicherweise sind Kriege und diese schwierige E-Mail Story einfach zu kompliziert um bei einer Wahl ins Gewicht zu fallen. Das mitgeschnittene Gespräch von Trump hingegen kann man leicht verstehen. Schlimm. Was sind dagegen schon ein paar Bomben. Und der Bill? Ach, der ist halt ein Lebemann und hat immer so freundlich gelächelt. Außerdem will man Clinton nicht nach Taten beurteilen, also beurteilt man auch Trump lieber nach Worten.

Famos sind auch zahlreiche Formulierungen, die man immer wieder wiederholt. Trump sei gegen Migration heißt es und daher sei er ein Rassist. Nun, wenn man genauer zuhört ist er gegen illegale Einwanderer, was vermutlich in den meisten Ländern der Erde der Fall ist. Das kann man leicht ausprobieren, indem man sich in verschiedenen Staaten der Welt ohne Pass über eine Grenze schleicht. In der Regel wird einem dafür kein Lorbeerkranz umgehängt. Wer sich von „Freunden umzingelt“ wähnt, dem kommt dies vermutlich seltsam vor, für viele andere ist es nachvollziehbar. Eines der Argumente der Gegenseite war übrigens, wir erwähnten es bereits an anderer Stelle, die Klage, ohne die illegalen Einwanderer würde im Einzelhandel und Gastgewerbe nichts mehr gehen, denn normale Arbeitnehmer seien zu teuer. Prima. Ob der Autor solcher Zeilen in einer anderen Ausgabe Herrn Obama und den Mindestlohn preist? Der Wahlspruch solcher Menschenfreunde lautet vermutlich: „Wir lieben Illegale (bis 3,50$ die Stunde).“ Warum sollte man Leute nicht ins Land lassen, die man ausbeuten kann. Das ist offenbar eine salonfähige Einstellung, die auch die kaum kommentierte Behandlung (und Bezahlung) von Zeitarbeitskräften in Deutschland erklärt. Aber Hauptsache der kleine Moritz kann menschenfreundlich im Berghain seinem Gesprächspartner ins Ohr schreien:“ Du, wer bei mir putzt, der braucht keinen Pass!“. So ein guter Mensch.

Die deutschen Zeitungen sind bekanntlich sehr geübt in inhaltsneutraler Subjektivität. Das mag der Grund sein, weshalb die Presse hierzulande Frau Clinton noch stärker zugeneigt zu sein scheint als der „Verband der von ihrem Gatten betrogenen Demokratinnen über 60“ in den Staaten. Das ist schwer möglich, aber mag die deutsche Gründlichkeit auch vielerorts darniederliegen, bei der Vereinheitlichung der veröffentlichten Meinung ist man voll auf Kurs.

Man mag einwenden, jeder könne sich selbst ein Bild machen. Das ist natürlich richtig. Daher ist es umso erschreckender, wieviele Menschen eine Meinung übernehmen, weil sie zufällig in drei Zeitungen und auf der GMX-Startseite wortgleich abgedruckt wurde und von mehr als 50% der Arbeitskollegen geteilt oder zumindest nicht infrage gestellt wird. Auf Nachfragen, was genau man an welchem Kandidaten gut oder schlecht findet, erhält man nur schwammige Aussagen, bis es schließlich unangenehm wird und das Thema mit einem „ist mir eigentlich auch egal“ gewechselt wird.

Bemerkenswerterweise wird nirgends erörtert, warum der Mainstream sich so vehement gegen Trump stemmt. Dabei sind die Standpunkte ebenso klar wie für viele ungewohnt. Hier daher einige Punkt, die hierzulande wenig bis gar nicht diskutiert werden, aber klar machen, warum bestimmte Leute derzeit panisch werden.

  • FIRST, propose a Constitutional Amendment to impose term limits on all members of Congress;
  • SECOND, a hiring freeze on all federal employees to reduce federal workforce through attrition (exempting military, public safety, and public health);
  • THIRD, a requirement that for every new federal regulation, two existing regulations must be eliminated;
  • FOURTH, a 5 year-ban on White House and Congressional officials becoming lobbyists after they leave government service;
  • FIFTH, a lifetime ban on White House officials lobbying on behalf of a foreign government;
  • SIXTH, a complete ban on foreign lobbyists raising money for American elections.

Egal was man von Trump hält, alleine für eine Richtigstellung sollten ihm zumindest einige Finanzmarktfreunde danken. Die groteske Mär vom guten und schlechten Investor, die gerne am Beispiel Warren Buffets aufgehängt wird, gehört in die Mottenkiste. Der „liebe Onkel Buffet“ ist sicher ein sehr intelligenter Mensch und ein extrem guter Investor. Er ist aber sicher nicht der liebe buy-and-hold Onkel, als der er immer dargestellt wird. Das sollte man ihm nicht negativ auslegen, aber man sollte ihn nicht als strahlenden Heilsbringer eines vermeintlich guten Teils der Branche mit einem Heiligenschein versehen. Buffet wird auf die Einhaltung von Verträgen und Verpflichtungen nicht weniger achten als ein als „Geier“ gescholtener Hedge Fund Manager Paul Singer.

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So bleibt es in Michelhausen wie es ist. Trump ist ganz schlimm, Clinton irgendwie besser, die Mitglieder von Pegida sind alle böse Nazis und Putin überfällt morgen die ganze Welt, einfach so. Freiheit ist zwar angeblich immer die Freiheit des Andersdenkenden, was jedoch nur dann gilt, wenn es sich um die richtige Meinung handelt. Wer das nicht glauben mag, der bekommt das gerne noch von Schauspielern, Musikern, Künstlern sowie noch mehr Künstlern, weiteren Schauspielern und anderen Musikern erläutert. Das führt zu gar merkwürdigen Verrenkungen, wenn etwa ein deutscher Schauspieler, der dauerhaft im Ausland lebt, den Bürgern Mecklenburg Vorpommerns auf Grund der Zuwanderungsdebatte vorwirft, sie hätten vor etwas Angst, das sie gar nicht beurteilen können. Ja, aus San Diego sieht man vieles klarer, vielleicht sollten alle mal dahin fahren um einen klaren Kopf zu bekommen. Bis zur Grenze wird man schon kommen. Wir bitten darum, die Grillanzünder zu Hause zu lassen.

Bevor jemand auf falsche Gedanken kommt. Die Leserzahlen der deutschen Gazetten schrumpfen natürlich keineswegs auf Grund des stetig sinkenden Leserinteresses, sondern weil Trump und Putin nachts immer mehr Abonnenten und Kioskkäufer in Umerziehungslager verschleppen lassen. Tagsüber arbeiten diese Finsterlinge dann im Rahmen ihrer republikfeindlichen Doppelschichten als Internet-Trolle und schreiben kritische Feindpropaganda, die auch den immerwährenden Aufschwung der Europäischen Union in Frage stellt. Wer außer feindlichen Spionen oder Verschwörungstheoretikern sollte wohl sonst Kritik an unseren wundervollen Institutionen üben. Wie bei deutschen Landtagswahlen sollte man sich nicht durch den Anteil bestimmter Meldungen in den Medien dazu verleiten lassen, bestimmte Meinungen wären nur die kruden Wünsche einer Randgruppe. Die aktuellen Umfragen aus den Staaten zeigen eben nicht ein Verhältnis von 95:5 für Clinton (Quelle: RealClearPolitics).

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Schon aus Sicherheitsgründen ist es daher vermutlich in Ihrem besten Interesse, jegliches verbliebene Abo sofort zu kündigen und am Kiosk statt ein paar Seiten Wegwerfpapier minderer Qualität lieber die Biographie von Rio Reiser oder ein Buch von Peter Scholl-Latour zu kaufen. Falls es die noch gibt.

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