Der letzte seiner Art: Mit klaren Worten in die Herzen der Bürger

12. November 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Der Tod Helmut Schmidts macht den Bürgern des Landes einmal mehr schmerzlich bewusst, wie weit unter Niveau sie aktuell regiert werden. Der Lieblingskanzler der Deutschen im Vergleich zur halsstarrigen und überforderten Amtsinhaberin, die den Begriff Staatsversagen geradezu personifiziert – größer könnte der Gegensatz nicht sein…

Foto: Flickr

Hier die Charisma-freie „Mutti“, die ihre 180-Grad-Wendungen zu „Alternativlosigkeiten“ stilisiert, dort der knorrige Altkanzler, den sein innerer Kompass auch durch schwerstes Fahrwasser leitete. Seine stets hanseatisch trocken servierten Einsichten erwiesen sich oft genug als Volltreffer – manchmal erst Jahre später. Dabei war es weniger Schmidts Attribut „Weltökonom“, das uns gefiel.

Als Austrians sind wir gerade in diesem Punkt stets skeptisch gewesen. Aber, über die Toten nur Gutes. Seinen Kult-Status erreichte Schmidt vor allem nach seiner Amtszeit. Während andere Spitzenpolitiker nach dem aktiven Dienst zügig – und oft genug zu Recht – in der Versenkung verschwinden, lief „Schmidt Schnauze“ zur Hochform auf. Befreit von den Zwängen des Amtes, schrieb und sagte er, was er dachte – keineswegs immer zum Vergnügen seiner Nachfolger in Amt und Partei. Von zeitgeistiger Sprachverblödung wie etwa der politischen Korrektheit zeigte sich der stets präzise Formulierende völlig unbeeindruckt. Es war seine Offenheit, mit der er sich die Zuneigung der Bürger erwarb – weit über die eigene aktive Zeit hinaus. Dabei packte er auch heiße Eisen an, erinnert sei nur an seine Andeutungen über die Existenz eines Staatsterrorismus – wohl gemerkt nicht von einem „Verschwörungstheoretiker“, sondern von einem Bundeskanzler a.D. Schmidt ließ sich zwar nicht verbiegen, aber er ließ sich in die Pflicht nehmen – etwas von Schmidts Respekt vor dem Amt und seinem Pflichtgefühl gegenüber den Wählern würde der Politik auch heute wieder gut anstehen.

Scheinkorrelation und falsche Kausalität

Selbst beim blauen Dunst war Schmidt unzeitgeistig unbequem. Als die neuen Gesundheitsapostel ausschwärmten, das Rauchen zu ächten, da quarzte der Altkanzler unverdrossen weiter. Wer daraus nun irgendwelche Schlüsse nach dem Motto „Schau mal an, der Schmidt hat geraucht wie ein Schlot und ist 96 geworden“ ziehen will, der sei dennoch gewarnt: Ein Einzelfall hat keinerlei statistische Aussagekraft. Anders ausgedrückt, für das Kollektiv der Raucher war Helmut Schmidt ein ziemlich untypischer Fall. Raucher, die ihren Genuss oder auch ihre Sucht mit Helmut Schmidt rechtfertigen wollen, argumentieren daher ohne echte Substanz.

Und auch eine Scheinkorrelation bzw. Scheinkausalität lässt sich in diesem Zusammenhang erkennen: Nach Jahrzehnten des Nikotinkonsums gab Schmidt schließlich das Rauchen auf und starb kurze Zeit später. Der oberflächliche Betrachter mag diese Abfolge als Rechtfertigung für die Fortsetzung des eigenen Nikotinkonsums missbrauchen. Dabei war die eigentliche Kausalität natürlich umgekehrt: Weil es Schmidt zunehmend schlechter ging, ließ er zuletzt auch noch von seinen geliebten Zigaretten. Wir erwähnen das deshalb, weil Börsianer besonders anfällig für Scheinkorrelationen und falsche Kausalitäten sind.

DAX vor Dreifach-Widerstand

Beim DAX stehen wir aktuell vor einer spannenden Entscheidung. Die Anfang Oktober begonnene Erholungsbewegung ist nun an einem massiven dreifachen Widerstand (vgl. Abb., gelbe Markierung) angekommen und tut sich dort entsprechend schwer.

2015-11-11_DAX

Zum einen kommt von oben die Abwärtslinie (blau) vom Allzeithoch im April 2015 in Reichweite. Unmittelbar darunter verläuft die 200-Tage-Linie (rot), die von Technischen Analysten gerne als langfristige Trendindikation genutzt wird. Wiederum knapp darunter befindet sich die „magische“ Marke von 11.000 Punkten (grüne Waagrechte). Solche großen, runden Zahlen wirken je nach Lage tendenziell als Unterstützung, oder – wie hier – als Widerstand. Der dreifache Widerstand bedeutet allerdings nicht, dass der Kursaufschwung in diesem Bereich zwangsläufig scheitern muss. Vielmehr ist darin eine bedeutende Entscheidungsmarke zu sehen. Gelingt es dem DAX den Bereich von 11.000 bis 11.100 Punkten nachhaltig zu überwinden, dann wäre dies ein Zeichen echter Stärke und ließe weitere Kursgewinne erwarten. Für Letzteres spräche nicht nur der Rückenwind durch die weiter höchst expansive Politik der EZB, sondern auch die günstige Saisonfigur.

Goldminen – historisch tiefe Bewertung

Relativ traurig sieht es dagegen nach wie vor im Edelmetallbereich aus. Pünktlich zur Internationalen Edelmetall- und Rohstoffmesse in München brachten Äußerungen von Fed-Chefin Yellen den Goldpreis erneut ins Rutschen. Trotzdem zeigte sich die Messe – allerdings in verkleinertem Rahmen – gut besucht. Natürlich war nach mehr als vier Jahren Baisse die Zuversicht früherer Jahre einer gewissen Nachdenklichkeit gewichen. Aus Contrarian-Sicht ist das positiv. Zudem sind, wie Erich B. Maier vom Nestor Gold Fonds heute in einem Conference Call aufzeigte, die Goldminen durch die härteste Baisse seit Jahrzehnten gegangen und nun historisch preiswert. Da mehr als 95% der Marktteilnehmer hier inzwischen untergewichtet sind, gehört dieser Sektor nach unserer Auffassung allemal auf die Beobachtungsliste.

Fazit

Mit dem Tod von Altkanzler Helmut Schmidt verliert das Land eine der letzten mahnenden Stimmen von Gewicht. Auch Schmidts Kanzlerschaft war nicht ohne Herausforderungen. Von Merkel unterschied ihn jedoch, dass er Probleme mit Augenmaß anging und sie nicht selbst schuf.

© Christoph Karl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

Ein Kommentar auf "Der letzte seiner Art: Mit klaren Worten in die Herzen der Bürger"

  1. bluestar sagt:

    Peter Scholl- Latour, Egon Bahr und jetzt Helmut Schmidt – große Persönlichkeiten sind von uns gegangen. Männer mit Charisma, Rückgrat, Verantwortungsbewusstsein, eigener Meinung, und Glaubwürdigkeit. Als die Medien Schmidt als Putinversteher verleumdet haben, wusste ich dass Deutschland fault.
    Um zu spüren wo wir heute stehen muss man nur Schmidt mit Altmaier oder Mutti vergleichen.
    Alles klar ?

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