Der Letzte macht das Licht aus

1. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Diskussionen über Währungen, Anleihemärkte oder gleich das ganze Finanzsystem wirken oft abstrakt. Zum Teil ist dies gewünscht. Wie jede andere Branche hat auch die Wirtschaft für einfachste Zusammenhänge schlau klingende Vokabeln zur Hand, um einen möglichst wichtigen Eindruck zu machen. Die grundlegenden Zusammenhänge sind jedoch oft einfach und nachvollziehbar…

Die aktuelle Debatte über die Währungsunion, einen Erhalt derselben, eine mögliche alternative Zusammensetzung oder gleich eine Abschaffung der Einheitswährung mündet oft in Auseinandersetzungen über das Geld an sich. Ein durchaus interessantes Thema, dennoch wollen wir hier auf einen eher praktischen Aspekt einer möglicher extremen Abschwächung des Euro eingehen.

Bei den zahlenmäßig zunehmenden Artikeln über ein ja oder nein zur durch Steuergelder gestützten Refinanzierung griechischer Anleihen wird von weiten Teilen der Politik gern auf die Kosten hingewiesen, die entstünden, wenn die Schulden nicht refinanziert würden. Im Eifer des Gefechts – oder auch aus Unkenntnis der Situation – werden die Kosten eines Erhalts des status quo allzu oft auf die Summen reduziert, die offen ersichtlich sind. Das sind bei den mit den unzutreffenden Namen „Rettungspakete“ benannten Refinanzierungen die Summen der garantierten Kredite. Diese Sicht der Dinge ist zwar einfach aber leider zu kurzsichtig. Schnell, sicher, falsch wie ein sehr geschätzter Kollege einst treffend formulierte.

Eine Melange an Stützungsmechanismen, die unbestreitbar auf eine Gesamthaftung einzelner Mitgliedsstaaten abzielt, zerstört mit Hilfe der Zentralbank systematisch die Währung des entsprechenden Währungsraumes. Eine zeitweilig positive Entwicklung des Euro relativ zur Währung eines Landes, in dem mit noch verzweifelter experimentiert wird, kann leicht in die Irre führen. Wer nur der zweithässlichste ist, ist deshalb jedoch nicht zwangsläufig hübsch.

Die EZB kauft Peripherie-Anleihen, hat Buchverluste, die das Eigenkapital locker übersteigen, wirkt aber gegen die Narren-Parade der FED immer noch wie ein zu überehrgeiziger Zauberlehrling, der sich die Tricks noch abschaut und nicht selbst kreativ wird. Geld kann man drucken, Kaufkraft nicht.

Kaufkraft ist nicht nur für den privaten Konsumenten im Alltag ein Thema. Auch auf der übergeordneten Ebene ist diese von Bedeutung. Auf Länderebene aggregiert ist der Konsum in reinen Binnenkonsum und Importe zu trennen. Besonders bedeutsam sind dabei schon auf Grund der schieren Größenordnung die Importe des Lebenssaftes der Volkswirtschaften: Energie… (Seite 2)

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10 Kommentare auf "Der Letzte macht das Licht aus"

  1. stonefights sagt:

    „…albern wie der Hinweis, das Verschiffen der deutschen Goldreserven aus den USA nach Deutschland würde zu hohe Transaktionskosten verursachen.“

    Is klar. Aber vor allem würden die Freiheitsentzugskosten unserer Deutschen Elite zu hohe Kosten ihrerseits einbringen, wenn man(n) oder auch frau darauf bestünde… 🙂
    vgl.
    eutimes.net/2011/05/russia-says-imf-chief-jailed-for-discovering-all-us-gold-is-gone/

    lg, stonefights

  2. kranich05 sagt:

    Danke für diesen Artikel, der das Einfache aber Grundlegende zeigt, das oft verschwindet hinter den Massen von Fakten und Meinungen, die an jeder Ecke geäußert werden.
    Bankhaus Rott im speziellen und dieses Blog überhaupt gehören für mich seit langem zu den Quellen mit dem höchsten Informationswert.
    Noch einmal Danke!

  3. tizian sagt:

    Es sind immer die einfachen, griffigen Formulierungen, in denen so viel Wahrheit steckt:
    „Geld kann man drucken, Kaufkraft nicht“
    Zitat, Hr. Ponzi
    Dieser Spruch gehört ausgedruckt und eingerahmt an die Wand gehängt.
    Danke für diesen Beitrag!

  4. saxo sagt:

    Fakt ist: Unser Gold ist futsch! Futscher als futsch! Fakt ist auch: Dieses Geldsystem wird nicht mehr lange leben. Fakt ist weiterhin: Die EZB(was auch immer das ist) IST PLEITE! Fakt ist: Die „Griechenland-Rettung“ ist gescheitert! Fakt ist: Die „Irland- und Portugalrettung“ werden ebenso scheitern wie die „Rettung“ Spaniens und Italiens! Geschweigedenn die „Rettungen“ Belgiens, Frankreichs und wessen noch!
    Das Spiel ist aus! Game over! The Winner is: Goldman Sucks!

  5. retracement sagt:

    Joh, joh, wieder mal Game Over. Und dann wieder Game On. Und morgen wieder Game Over. Und wieder Game On. Und dann reden manche von Zinseszins und Kurven die nicht aufzuhalten sind. Exponentiell sogar. Und Geld scheint nun sogar Schuld zu sein. Und andersrum. Huch und ach. Wo sind wir nur hingekommen?

  6. retracement sagt:

    Ne echt. Im Grunde ist es doch Frust pur. Ich geh mal wieder Ziggis holen, grüße persönlich die Raviolis (sowhatever) beim rausgehen und an der Tanke ist das übliche Rauschen. Jeder Mensch ist Mittelpunkt seiner Welt. Das gilt es zu akzeptieren. Bei besonders attraktiven Subjekten klappt das ja auch immer leicht. Soweit zur täglichen Suggestion.

    Nun mal ernst: $ kennt jemand dieses Zeichen?

    Mir is t so sc hu mm er ig

  7. Nix sagt:

    Beim Erbsenzählen sind mir zwei Dinge aufgefallen: Erstens, wenn die EZB z.B. griechische Anleihen „unter Wert“ kauft, macht sie Gewinn, wenn die Griechen zurückzahlen. Bisher haben die Griechen die Rückzahlung nicht ausgesetzt, sondern nur Probleme beim Rollen der Kredite gehabt.

    Zweitens überspringt die Summe der Aufkäufe zwar das eingezahlte Kapital der EZB, aber nicht das Eigenkapital inkl. Gewinnrücklagen. In der EZB Bilanz wird der Goldbesitz zu Anschaffungspreisen bilanziert, dafür gibt es auf der Passivseite einen Posten „Unrealisierte Gewinne“, der im wesentlichen die Differenz des Wertes der Goldreserve zum Kurswert ausweist. Dieser Posten ist sogar etwas größer als die griechische Gesamtverschuldung.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo zusammen!

      @NIX
      Erstmal vielen Dank für Ihre Einwürfe!

      Die eigenständigen Goldreserven, inkl. Goldforderungen, der EZB betragen laut letztem Bericht der Zentralbank rund 16,5 Millionen Unzen. Der Marktwert liegt folglich derzeit bei lediglich rund €20 Mrd.- das ist weniger als die allein im vergangenen Jahr angefallenen neuen Schulden Griechenlands. Selbst bei einer Bewertung der Reserven zu Null sind Goldreserven ist hier also nicht viel zu holen.

      Sie sprechen sicher die aggregierten Bestände der Eurozone an, die laut Bloomberg derzeit bei rund 11.351 Tonnen liegen. Die Bewertung dieser Reserven liegt laut letztem Bericht der EZB bei €328 Mrd. – die stillen Reserven durch Kursteigerungen liegen demnach für die Bestände der gesamten Eurozone bei weniger als €100 Mrd. Euro. Nicht wenig, aber nicht einmal ein Drittel der Gesamtschulden Griechenlands und nur wenige Prozent der Schulden von Staaten wie Italien. Leider. Da muss der Preis noch ein gutes Stück Weges zurücklegen, aber da wären nur wenige Leser böse…

      Zu den Bonds. Ja, es ist richtig, wenn die EZB Bonds kauft, die wieder auf pari steigen, dann fällt ein Gewinn an. Wenn man die Bonds selbst kauft und mit de facto gedrucktem Geld oder neuen, auch von Deutschland garantierten Schulden, die alten zurückzahlt, ist dies leider ein wenig tragfähiges Modell. Man finanziert sich „Gewinne“ mit neuen Schulden.

      Offenbar ist man mittlerweile EU-weit dazu bereit, die Währung aktiv zu schädigen und marktwirtschaftliche Prinzipien, zu denen auch eine Kreditprüfung VOR der Vergabe von Mitteln gehört über Bord zu werfen!

      Besten Gruß an die Leserschaft
      Bankhaus Rott

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