Der König tritt ab, lang lebe die Blase?

1. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Revolution bei PIMCO! Der Abgang des Starinvestors Bill Gross gleicht einer Sensation – mit weitreichenden Folgen? Auch vor Königen macht die Revolution keinen Halt – so letzte Woche geschehen bei Bill Gross, dem „König des Anleihemarktes“…

Der legendäre US-Investor galt seit Jahrzehnten als graue Eminenz, seine Worte konnten Kurse und Zinsen massiv beeinflussen. Sein Abgang kommt nun einer kleinen Revolution gleich. Die Trennung von PIMCO – einer Allianz-Tochter – und ihrem Gründer und Chief Investment Officer ist mehr als nur eine kleine Sensation.

Gross hatte zuletzt insbesondere den PIMCO Total Return Rentenfonds mit mehr als 220 Mrd. USD gemanagt, einer der größten Fonds weltweit. Offensichtlich ging Bill Gross im Streit von seinem früheren Arbeitgeber, bei dem er Gerüchten zufolge rund 200 Mio. USD im Jahr verdiente. Seine persönlichen Anwandlungen wurden in letzter Zeit immer dubioser: Neben einem katastrophalen Umgang mit seinen Mitarbeitern verwunderte Gross auch durch seine Veröffentlichungen. In seinem Anleger-Rundbrief zu Beginn des Jahres widmete er einen Großteil der Zeilen seiner verstorbenen Katze Bob. Gross wird in Zukunft für den PIMCO Konkurrenten Janus arbeiten – vermutlich dort aber ein deutlich geringeres Volumen verwalten.

Woher kommt Bill Gross langfristiger Erfolg

„Anleihekönig“ wurde Gross nicht nur wegen der Größe seines Fonds genannt, sondern auch wegen seines Gewichts an den Anleihemärkten. Seine Stimme wurde gehört: Als er 2011 verkündete, US-Treasuries wären aktuell kein gutes Investment mehr, sorgte er damit für reichlich Wirbel an den Märkten. Zwischenzeitlich scheint er seine Meinung dazu jedoch revidiert zu haben. Aktuell beträgt der Anteil von US-Staatsanleihen in seinem Fonds rund 46%. Betrachtet man die langfristige Entwicklung des PIMCO Flaggschiff-Fonds wird klar woher der Kultstatus kam – denn seit dem Start im Jahr 1987 wären aus einem Investment von 10.000 USD rund 80.000 USD geworden.

Dass dieser Erfolg jedoch zu einem großen Teil nicht durch die persönliche Leistung des „Anleihekönigs“ kam, sondern durch günstige Umstände an den Märkten, hinterfragt offensichtlich kaum jemand.

Nur eine gigantische Blase an den Anleihemärkten insgesamt konnte dafür sorgen, dass sich ein Investment in festverzinsliche Anlagen in etwas mehr als 25 Jahren verachtfachten konnte. Genau einige Jahre vor dem Start des Gross-Fonds wurde in den USA die Zinswende eingeleitet. US-Staatsanleihen rentierten damals bei rund 15% p.a. auf 10 Jahre, heute liegen die Renditen mit 2,4% nahe dem historischen Tief. Die Preise der Anleihen erklommen im Gegenzug kontinuierlich neue Allzeithochs. Nun scheint die Musik erst einmal heraus zu sein aus dem Rentenmarkt, die größte Anlageblase der Geschichte droht zu platzen. Gibt es eine Koinzidenz mit dem Abgang eines der größten Glücksritter in diesem Marktsegment?

Das Ende der Blase oder der Anfang einer Seitwärtsbewegung?

Vielleicht ja, denn wenn der Erfolg erst einmal ausbleibt, fängt der Streit ja bekanntlich an. Dass Gross mit seinem pessimistischen Urteil zu US-Staatsanleihen vielleicht auch die Sympathien einiger gewichtiger Spieler im US-Finanzsystem verloren hatte, wäre eine weitere Vermutung. Mittelfristig muss dies jedoch noch nicht heißen, dass die Anleiheblase schon heute platzt. Denn es hängt zu viel an ihrem weiteren Bestand.

Würden die Zinsen in den USA auf ein normales Maß – sprich 6 Prozent und mehr – steigen, die Probleme für den Staatshaushalt wären unabsehbar. Genau deshalb wird dies wohl auch nicht passieren. Die Fed wird allem „Tapering“ zum Trotz dafür sorgen, dass das Zinsniveau auf einem für den Staat erträglichen Niveau bleiben wird. Die großen Kurschancen sind vermutlich dennoch erst mal dahin. Die Revolution bei PIMCO könnte daher als erstes Indiz dafür gewertet werden, dass die Lage am US-Rentenmarkt schwieriger wird. Langfristig könnte dann statt einem kleinen „Revolutiönchen“ die wirklich große Revolution drohen – nämlich die für Staat und Anleger gleichermaßen schmerzhafte Zinswende in den USA… (Seite 2)


 

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