Der Kampf der Bond-Armada

1. Juli 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Im Jahr 1588 konnten die Briten nicht zuletzt dank günstiger Witterung gegen die spanische Armada standhalten. Ob dies den südeuropäischen Staatsanleihen auch gelingen wird, nachdem die Briten „thank you and good bye“ gesagt haben, darf bezweifelt werden.

Der Unterhaltungszweig der Finanzbranche redet derzeit wieder etwas mehr über den Austritt Großbritanniens aus der EU. Vor wenigen Wochen galt dieser auf Grund der Quoten einiger Wettanbieter noch als unmöglich. Jetzt ist er in aller Munde und die Zustimmung der Briten zum Verlassen des sinkenden Schiffs wird demnächst sicherlich auch in der Presse rückwirkend salonfähig (siehe zum Thema Brexit). Nun können Juncker und Schulz ihre Erfolge zusammenzählen. Großbritannien futsch, Griechenland weiterhin an Bord. Interessante Taktik, aber sicherlich ein Grund mehr, warum man Volksbefragungen künftig noch mehr scheuen will.

Um die lächerliche Heraufbeschwörerei auf einen Wahltag hin abzuschaffen, könnte man bei derart wichtigen Fragen einfach über einen 12-Monatszeitraum einmal monatlich abstimmen. Wem es egal ist der muss nicht hingehen. Den Rest der Meute ruhigzustellen oder den Spannungsbogen bei diffusen Dingen wie Terrorangst oder ähnlichen Verwirrungen hochzuhalten, dürfte schwerfallen. Immerhin durfte man erneut genießen, wie auch die vermeintlichen Berichterstatter der Staatsmedien dem Brüsseler Fahneneid getreu immer munter ihre Meinung oder die der Chefredaktion in jegliche Art Bericht einfließen lassen, so dass es bald wohl eher ein „heute-Kommentar-jounal“ und die „Tageskommentar-Themen“ zu sehen gibt. Klarer Fall von Kommentar-Terror. Was soll’s, es spielt ja keine Rolle was man sich nicht anguckt.

Gemutmaßt wird nun über die üblen Konsequenzen, die dieser Austritt aus der EU angeblich für die Insel hätte. Darüber kann man sich trefflich streiten. Die Briten würden nach einem Austritt ganz alleine darstehen, ist eines der oft gehörten Argumente. Die Diskussion erinnert ein bisschen an die Russland-Sanktionen, von denen sich der eine oder andere in Brüssel tatsächlich eine globale Isolation Russlands erhoffte. Das ist ein klarer Fall von europäischer Selbstüberschätzung, was angesichts des dauerhaften Geredes von der Globalisierung doch seltsam wirkt. Einige Menschen sind offenbar noch mit dem Weltbild von 1980 unterwegs. Seitdem hat sich das globale Macht- und Wirtschaftsgefüge jedoch massiv verändert.

Wie hoch die Abhängigkeit der Briten vom Kontinent ist, lässt sich schwer in einer Zahl zusammenfassen. Die Abhängigkeiten gehen wie sooft in beide Richtungen, von daher darf man nach dem Ende des Säbelrasselns und der Panikmache davon ausgehen, dass die für beide Seiten sinnvollen Kooperationen weitergehen werden. Sicherlich wird es den Briten an einigen Stellen schwerer gemacht werden. Wenn man dafür jedoch den Mühlstein des Brüsseler Apparates loswird, dürfte das ein geringer Preis sein. Man wird vermutlich auch nicht lange allein sein, nur weil man der erste ist.

Hat der Austritt eines Landes erst einmal stattgefunden dürften die Risse im EU-Block schnell größer werden. Die politische Dynamik in den einzelnen Ländern ist schon jetzt bemerkenswert und das Vertrauen in einen europischen Zentralstaat fällt rasch. Das einzige, was das Gebilde noch zusammenzuhalten scheint sind die Transferzahlungen und die Drückung des Zinsniveaus durch die EZB. Wenn jedoch gleichzeitig bei den Nettozahlern die Bereitschaft zur Dauersubventionierung sinkt und in den Empfängerstaaten die Bereitschaft zur Anpassung von Strukturen nicht vorhanden ist, dann stürzt ein solches System in sich zusammen. Das sollte nicht als Vorwurf an das eine oder andere Land aufgefasst werden. Kein Vorwurf hilft aber auch nicht.

Es passt einfach nicht zusammen, da hilft auch kein Quetschen, Sägen und Jammern. Immerhin kann man nach einem erfolgreichen Zerlegen des Gebildes, zu dessen Opfern auch der Euro gehören dürfte, einigen Dingen auf den Grund gehen. So wird Deutschland von vielen als der große Profiteur des Brüsseler Konstruktes dargestellt. Einige Jahre nach dem Ende des Euros wird man darüber neu urteilen dürfen. Angesichts der aktuellen Entwicklungen hierzulande gibt es jedoch vermutlich gesellschaftliche Veränderungen, die selbst ein Ende des Euro überlagern dürften.

Die Alchmisten im EZB Türmchen in Frankfurt werden natürlich schon aus Gewohnheit alles tun, was nötig ist. Man wird also einfach weiter unabhängig vom Preis alles kaufen, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Natürlich kann man auch die Renditen auf Staatspapiere einfach festschreiben. Das gab es in wilden Zeiten auch schon in den USA, und was es schon einmal gab, sollte man auch heute nicht unmöglich nennen. Da es sich hier wohl wie beim Solidaritätszuschlag nicht um eine temporäre Maßnahme handeln dürfte, wäre ein solches Vorgehen in letzter Konsequenz nur ein weiterer logischer Schritt in Richtung EDR (Europäische Demokratische Republik). Wie seinerzeit im Osten Deutschlands sind die politischen Strukturen auch in der EU zwar bereits in Auflösung begriffen. Die Entschlossenheit des Apparates alles zusammenzukleistern sollte die schon jetzt vorhandenen Vorbehalte der Menschen zudem eher verstärken.

Für unsere Banken und Zentralbanken gibt es aber auch etwas Schönes am Brexit. Er ist die lange gesuchte Ausrede warum die Aktien- und Rentenmärkte unter die Räder kommen. An der breit angelegten Überbewertung und am planwirtschaftlichen Herumgewurstel an den Zinskurvennach Anleitung aus dem Theorie-Teil eines Ökonomiebuchs kann es ja nicht liegen. So sind mal wieder die anderen schuld und man hat wie immer alles richtig gemacht. Willkommen im Geschichtsbuch.

 

Schlagworte: , , , , ,

Ein Kommentar auf "Der Kampf der Bond-Armada"

  1. Argonautiker sagt:

    Der Zusammenbruch einer Ideologie ist immer eine grausige Angelegenheit, vor allen Dingen, wenn das Wechseln des Plans viel zu lange hinausgezögert und verdrängt wurde. Lieber schicken die Führer jedoch bekanntermaßen sogar noch die Kinder auf die Scheiterhaufen ihrer ideologischen Schlachten, anstatt zuzugeben, daß es mißlungen ist.

    Das kennen wir ja aus der Geschichte, wenn jemand verbohrt bis zum Geht-nicht-Mehr an den Endsieg glaubt. Und wenn man sich die europäische Anführerin anschaut, dann sieht man recht deutlich, wie ausgehöhlt schon alles ist, aber die ideologische Fassade wird aufrecht erhalten, koste es Make-up, Photoshop, und Stimmungsaufheller, soviel es wolle,…, bis es dann doch bröckelt und die schreckliche Wirklichkeit durchscheint.

    Unth geths gut.

    Ob mit oder ohne EU, das wird scheppern, weil man seit Jahrtausenden versucht, Reiche von Oben nach Unten zu konstruieren, anstatt etwas von Klein nach Groß wachsen zu lassen. Die Großreichsplaner haben die Welt schon immer in Schutt und Asche gelegt, und nachher stand dann in den Geschichtsbüchern, was für einen Sieg sie doch errungen hätten. An den ganzen Toten waren die Anderen Schuld. So wie sie tagtäglich verkünden, welch Leistungen sie doch vollbracht haben, und an den Üblen Dingen, immer grundsätzlich die Anderen schuld sind.

    Wenn man genau hinschaut, dann ist das, was unter dem Deckmantel der Politik passiert, nichts anderes, als das abschieben von Schuld auf Andere, und das sich anziehen der erbrachten Leistungen von Anderen.

    Europa hätte eine Chance gehabt, wenn man es aus der entsprechenden Beteiligung der Beteiligten hätte wachsen lassen. So ist es zu einem Phönix geworden. Politiker, ihr habt es versemmelt, und zwar gründlich. Euer Größenwahn in euch wird Millionen und Abermillionen auf dem Gewissen haben. Niemand hat von euch gefordert, daß ihr etwas so riesiges baut, zu dem ihr nicht in der Lage seid. Ihr selbst habt jedem Wesen, und allen gewachsenen Strukturen, die Macht genommen, und sie an euch selbst gerissen.

    Ihr selbst habt den Menschen, Familien, Gemeinden, Bezirken, und Ländern der Bestimmung beraubt und sie an euch selbst gerissen, und wolltet etwas nach eurer Ideologie zusammenschmieden, ohne zu erkennen, daß in jedem Menschen schon eine Bestimmung liegt, die ihr damit verquält. Mit dem Resultat, daß sich nun jeder in Ketten gelegt fühlt.

    Unth gehth gut.

    Mir nicht. Ich bin traurig ohne Ende darüber.

    Was soll aus den entmachteten Menschen, Familien, Gemeinden, Bezirken, und Ländern werden, wenn eure Ideologie zusammenbricht, da ihr alles Gewachsene zerstört haben werdet, um es nach eurer Ideologie neu zu formen? Denkt ihr wirklich ihr könntet eine ganze Welt nach eurer Vorstellung bauen, wo ihr noch nicht mal in der Lage seid, einer Einzigen eurer eigenen Zellen einen Befehl zu erteilen, der gegen ihre eigene Bestimmung geht, ohne sie dabei zu zerstören?

    Ihr seid Wahnsinnige, Zerstörer ohne jegliches Gesetz.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.