Der Junk-Köder

29. Oktober 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der Emissionswahn bei Junk-Bonds und die Vergabe von Krediten an schwache Unternehmen setzen sich unvermindert fort. Dem neuen Emissionsrekord stehen immer schwächere Fundamentaldaten der Unternehmen gegenüber, eine ungesunde Mischung…

Vor allem der weniger beachtete Markt für Kredite an Kreditnehmer aus dem Junk Segment (leveraged loans) erfreut sich bei Anlegern großer Beliebtheit. Während die Mittelzuflüsse in High Yield Anleihefonds in den letzten Monaten sehr schwankungsfreudig waren und auch mal unter Null fielen, sieht die Lage bei den leveraged loans anders aus. Selbst die noch geringere Liquidität in diesem Segment scheint derzeit keine abschreckende Wirkung zu haben, ein Sachverhalt, der sich sehr schnell ändern kann.

Die folgende Grafik zeigt die Nettomittelzuflüsse in die beiden Segmente.

flows 

Bisher herrscht bei den Anlegern keine Angst vor Verlusten sondern eine ausgeprägte Sorge, die letzten Krümel des Buffets zu verpassen. Wer sich in den letzten Jahren mit guten Erträgen schadlos gehalten hat, mag auch ein Rückgang nicht in Schwierigkeiten bringen. Wie jede Hausse aber saugt die gute Performance der vergangenen Jahre auch im High Yield Markt noch jede Menge neuer Anleger in den Markt. Viele unterschätzen die Risiken dieses Segments, die sich nicht auf Schwankungen beschränken. In diesem Markt sind Kreditausfälle keine Rarität, wie dies im Investment Grade der Fall ist. Mit diesen Ausfällen muss man nicht nur monetär sondern als Institution (Pensionskasse, Versorgungswerk) auch operativ umgehen können, denn verkaufen kann man viele Papiere oft nicht mehr, wenn man das Ende kommen sieht.

In Vergessenheit gerät in Phasen guter Performance neben dem Ausfallrisiko auch die völlig normale Zyklizität einer Anlage in Kredite und Anleihen schwacher Kreditnehmer. Eingelullt von der „Konjunkturerholung“, die sich unlängst wieder in den folkloristisch angehauchten Darstellungen der öffentlich rechtlichen Sender zum „Ende der Rezession“ in Spanien zeigte greift dann doch so manch verzweifelter Renditesucher zu. Von wirtschaftlichen Hoffnungen kann sich eine Firma mit anhaltend negativen Cash Flows nichts kaufen, sie kann nur von Finanzierung zu Finanzierung versuchen, den Geldstrom am Laufen zu halten. Das ist zwar, wie nicht zuletzt die unwürdige Scheindebatte um die US-„Schuldenobergrenze“ zeigt, ein auch im großen Bild nicht unbekanntes Phänomen, macht die Situation für die Unternehmen und deren Gläubiger aber dennoch nicht einfacher… (Seite 2)

 

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