Claus Vogt: Der Irrsinn ist Programm

11. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Claus Vogt – Die Regierungen Frankreichs und Spaniens werden – wieder einmal – die Vorgaben für die Neuverschuldung ihrer jeweiligen Staatshaushalte nicht einhalten. Für die Eurokraten in Brüssel ist dieser erneute Bruch eindeutiger Zielvereinbarungen natürlich kein Problem. Beide Länder seien ja auf dem richtigen Weg und benötigten lediglich etwas mehr Zeit als ursprünglich angenommen. Und diese Zeit werde man ihnen selbstverständlich einräumen…

Die Möchtegern-Weltverbesserer und selbsternannten Weltenretter der Eurokratie bleiben ihrer kurzsichtigen Politik also treu. Sie scheren sich einen feuchten Kehricht um die verheerenden langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen. Sie wollen das offensichtliche Staatsschuldenproblem nicht beheben, sondern es solange wie irgend möglich vor sich her schieben. Und dabei so tun, als wüssten sie nicht, wie sehr sie es auf diese Weise noch verschlimmern.

Staatsverschuldung der 27 EU-Länder in % des BIP, 2007 bis 2012

Das politische Gerede vom Sparen, vom Totsparen gar, ist eine Propagandalüge.
Quelle: Eurostat

Das europäische Einheitsprojekt ist gescheitert

Das europäische Einheitsprojekt ist längst gescheitert. Über den derzeit laufenden Versuch, es mit der Einführung flächendeckender Planwirtschaft und hemmungsloser Inflationierung durch die Zentralbank zu retten, müsste ich laut lachen, wenn ich die verheerenden Folgen dieser Weichenstellungen nicht kennen würde. Sie lauten Verlust von Wohlstand und Freiheit, Verarmung und Tyrannei. Das ursprünglich gut gemeinte europäische Einheitsprojekt nimmt immer deutlichere Züge einer sozialistischen Willkürherrschaft an: Die Nomenklatura genießt ihre Privilegien, entscheidet über die Köpfe der Bevölkerung hinweg und schert sich nicht mehr um Gesetze.

Die Geschichte der Sowjetunion und des Ostblocks hat uns zweierlei gezeigt. Erstens, wie solche Episoden enden – das ist der ermutigende Teil der Lehre. Und zweitens, wie lange sie anhalten können – der beängstigende Aspekt.

Bad Bank EZB

Die notwendige Bedingung der historisch einmalig hohen Überschuldung nahezu aller Industrienationen inklusive Deutschlands ist ein Währungssystem beliebig vermehrbaren Geldes. Gemanagt wird dieses System durch Zentralbankbürokraten oder – wie ich in Zukunft sagen werde – durch die Zentralbanknomenklatura. Dieser überaus treffende Begriff wurde mir von einem wohlmeinenden Leser vorgeschlagen, bei dem ich mich für diese geniale Wortschöpfung ausdrücklich bedanken möchte.

Die internationale Zentralbanknomenklatura hat in den vergangenen Jahren bereits sämtliche Grenzen einer halbwegs seriösen Geldpolitik hinter sich gelassen und dabei sowohl in den USA als auch in Europa Gesetze gebrochen. Jetzt zeichnet sich unter dem Deckmantel der „Euro-Rettung“ der nächste Tabubruch ab. „Die Welt“ berichtet von Plänen der EZB, faule Kredite – zunächst wohl vor allem wohl aus südeuropäischen Ländern – aufzukaufen, um marode Banken zu entlasten und ihnen Spielraum zur Vergabe neuer Kredite zu verschaffen…

Geld- und staatsschuldenpolitischer Wahnsinn

Der geld- und staatsschuldenpolitische Wahnsinn nimmt scheinbar unaufhaltsam seinen Lauf. Innerhalb der Nomenklatura herrscht offenbar ein breiter Konsens über die Fortführung des eingeschlagenen Weges. Überschuldung wird mit noch mehr Schulden „bekämpft“. Und als Antwort auf ökonomische Probleme jeder Art wird die zur Allzweckwaffe hochstilisierte Gelddruckmaschine zum Einsatz gebracht.

Bilanzsumme der US-Zentralbank in Mrd. $, 1984 bis 2013

Das geldpolitische Experiment der vergangenen Jahre führt Wirtschaft und Gesellschaft in eine Katastrophe, die 2008 harmlos erscheinen lassen wird. Quelle: St. Louis Fed.

Die gesamte Situation ist inzwischen so absurd, dass ich sie mir ursprünglich nur in meinen schlimmsten ökonomischen Alpträumen hatte vorstellen können. In meinem mit Roland Leuschel verfassten, 2004 erschienen Buch „Das Greenspan Dossier. Wie die US-Notenbank das Weltwährungssystem gefährdet, oder: Inflation um jeden Preis“ haben wir unsere Befürchtungen, die ebendieses Szenario vorhergesehen haben, deshalb in Form von „Bankiersalpträumen“ geschildert. Damit wollten wir zum Ausdruck bringen, dass zwar Vieles auf diese Entwicklung hindeutete, wir aber doch die Hoffnung hatten, dass dieser Irrsinn am Ende doch nicht Programm werden würde.

Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Bernanke und Konsorten haben Wort gehalten. Sie haben die Welt schon einmal – im Jahr 2008 – an den Rand der ultimativen Wirtschaftskatastrophe geführt. Jetzt sind sie dabei, sie über diesen Rand hinauszuführen. Es wird ihnen gelingen.

Auch zur Aktie gibt es jetzt angeblich keine Alternative mehr

Dass die Aushöhlung beziehungsweise Abschaffung der Marktwirtschaft an den Aktienmärkten euphorisch gefeiert werden würde, habe ich allerdings nicht für möglich gehalten. Auch jetzt noch entzieht sich die hinter dieser Spekulationsblase stehende Argumentation meinem Verständnis.

Solange die Zentralbanknomenklatura Geld druckt, werden die Aktienkurse steigen, lautet eine zurzeit geläufige Prognose. Und tatsächlich wurde der Aktienkursanstieg seit 2009 von einem enthemmten Einsatz der Gelddruckmaschine begleitet. Darüber hinaus gibt es aber weder theoretische noch überzeugende empirische Belege für den hier unterstellten Zusammenhang.

Noch plakativer und eigentlich ganz offensichtlich unsinnig – und damit perfekt zu einer Spekulationsblase passend – kommt das zweite zurzeit extrem populäre Argument daher, mit dem zum Kauf von Aktien aufgerufen wird. Im Einklang mit dem seit einigen Jahren herrschenden Politiker-Credo lautet es in schlichter Einfalt: „Es gibt keine Alternative.“

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,

Ihr
Claus Vogt – Homepage von Claus Vogt

P.S.: Die Finanzmarktgeschichte zeigt, dass alle Blasen platzen. Diesem Schicksal wird sich auch die dritte Aktienblase innerhalb von 15 Jahren nicht entziehen.

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