Der Gipfel der Peinlichkeit

4. Juni 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Hannes Zipfel

Das Ränkespiel der amerikanischen Zentralbank um die „Zinsnormalisierung“ in den USA nimmt zunehmend bizarre Züge an und droht die Autorität der Geldpolitiker vollends zu zerstören, besonders in Hinblick auf ihre ökonomischen Analysen und Prognosen.

Hieß es über Jahrzehnte „Never bet against the Fed“ (wette niemals gegen die Notenbank), scheint genau die gegenteilige Strategie immer öfter aufzugehen (die US-Notenbank und ihre Prognosen fungieren perfekt als Kontraindikator). Die neueste Fehlleistung der Professoren aus Washington war das in den letzten Wochen vorgetragene Mantra einer von den Märkten stark unterschätzen Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinserhöhung im Juni (weil es ja mit der ersten Zinserhöhung im Dezember 2015 so gut geklappt hat).

Diese Zinserwartung der Marktteilnehmer war nach den Aussagen diverser Notenbankgouverneure in den letzten Wochen gemäß den Fed-Fund-Futures von de facto 0% Wahrscheinlichkeit auf teilweise über 40% nach oben geschossen, vor allem wegen des Hinweises der Fed auf eine sich im zweiten Quartal dynamisch erholende US-Konjunktur nebst Arbeitsmarktbelebung nach dem herben Wachstumseinbruch im 1. Quartal 2016.

Doch viele Wirtschaftsdaten aus den USA enttäuschen Woche für Woche und werden tendenziell schlechter als besser. Der vorläufige Höhepunkt dieser Diskrepanz zwischen Aufschwung- und Zinserhöhungs-Rhetorik der Fed-Offiziellen und der Serie besorgniserregender Wirtschaftsdaten waren die am Freitag veröffentlichten Zahlen zu den neugeschaffenen Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft für Mai (Nonfarm Payrolls): statt erwarteten 164.000 neuen Stellen wurden netto nur 38.000 neue Stellen geschaffen. Selbst die um Sondereffekte (Streiks) bereinigte Zahl von 73.000 neuen Stellen signalisiert einen fortgesetzten Einbruch bei der Arbeitskräftenachfrage.

Diese Zahlen sind umso erstaunlicher, als dass sie mitten in der Frühjahrsbelebung so schwach ausfallen: ab Mai belebt sich der Arbeitsmarkt normalerweise, da Restaurants, Schwimmbäder, Hotels, Freizeitparks, Kreuzfahrtlinien etc. für gewöhnlich massenhaft Saisonkräfte einstellen. Im Mai des Vorjahres wurden im Zuge der Frühjahrsbelebung noch 221.000 neue Stellen geschaffen.

Die von der Fed vielbeachteten Arbeitsmarktzahlen waren die Schlechtesten seit fast 6 Jahren. Stellen wurden hauptsächlich im Staatsdienst und im Gesundheitssektor geschaffen (Dank Obama-Care-Sause). Der Trend am US-Arbeitsmarkt ist seit Jahresbeginn klar abwärts gerichtet, kein Umfeld für weitere Zinserhöhungen:

Der Gipfel der Peinlichkeit kam dann heute von der US-Notenbank-Gouverneuerin Lael Brainard, die komplett umschwenkte und es gegenüber CNBC „Unter Berücksichtigung der ökonomischen Risiken“ für opportun hält, „die Zinsen erst einmal nicht anzuheben“.

Nachdem die Damen und Herren Notenbanker die Zinsanhebungs-Erwartungen für das Fed-Treffen am 15. Juni in den letzten Wochen brutal nach oben gedroschen hatten, was für viele Marktteilnehmer extrem verlustreich war, kommt jetzt die Kehrtwende, weil die eigenen Prognosen nichts wert sind. Wer braucht diese Geld-Bürokraten eigentlich noch? Wohl nur einige machtverwöhnte Investment-Bankster zur „Lenkung“ der Märkte.

Gold und Silber haben ebenso wie Palladium und Platin in Folge des heutigen Realitäts-Schocks massiv haussiert, der Dollar schmierte logischerweise ab, die Minenaktien erholten sich signifikant. Es spielt für den übergeordneten Trend der monetären Edelmetalle ohnehin keine Rolle mehr, was die Fed sagt oder tut: die Preise für Edelmetalle und Minen steigen, ob die Zinsen nun angehoben werden (siehe Zinsanhebung im Dezember mit anschließender Goldpreis-Explosion) oder ob die Fed in Anbetracht von Überschuldung und Dollarstärke keinen Spielraum für eine „Zinsnormalisierung“ hat.

In dem Maße, wie die Autorität der „Dollar-Währungshüter“ erodiert, steigen Gold & Co., denn Gold braucht keine Währungshüter, seit 5.000 Jahren nicht. Die Minen-Hausse 2.0 ist auf jeden Fall gestartet und Gold macht sich auf, die Shorties zu ruinieren. Willkommen in der Realität: It´s the Debt, Stupid! (das Problem sind die Schulden, Dummkopf).

***Hannes Zipfel managed das Wikifolio AUSIS GOLD & SILBER MINEN

 

2 Kommentare auf "Der Gipfel der Peinlichkeit"

  1. cubus53 sagt:

    Die Leute ganz oben in der Machtzentrale, befinden sich nicht dort, weil sie besonders klug sind, oder aufgrund ihres Lebenslaufs entsprechende Talente nachgewiesen haben. Sie sitzen dort, weil sie die Anweisungen des Systems kritiklos ausführen. In der Deutschen Politik würden mir viele solcher Paladine einfallen, das zu beurteilen überlasse ich dem Leser.

    Frau Yellen wollte ursprünglich Mathematik studieren, am Ende wurde es dann ein Bachelor in Wirtschaftswissenschaften. Zum Ehrendoktor wird in den USA jeder gewählt, der bei drei nicht auf dem Baum sitzt.

    Glauben Sie also nicht, ein Notenbanker wäre ein besonders guter Mathematiker. Wäre das so, würde sich jeder freiwillig die Kugel geben. Das Lieblingshobby von Frau Yellen ist übrigens Briefmarken sammeln. „Think big !“, kann ich da nur hoffen.

  2. bluestar sagt:

    @cubus53
    Naja, aber wer oder was ist dann das System ?
    Sind das die wirklich ökonomisch Mächtigen hinter der scheinmächtigen politischen Zentralen oder sind wir nicht alle Bestandteil des Systems ? Sind nicht Dummheit, Trägheit, Tellerranddenken und Desinteresse der Massen der wichtigste Rohstoff dieses sogenannten Systems ?
    Natürlich benötigen die Oligarchen zur Machtsicherung auch ein riesiges Heer von Karrieristen, Trotteln, Dienern, Handpuppen, Lakaien, Politikern, Wissenschaftlern, Künstler, sogenannte Experten und Journalisten für die Aufrechterhaltung dieses Systems und da sind gewisse Eigenschaften und Charaktere besonders geeignet, wie die Geschichte ununterbrochen gezeigt hat. Oft sind mittelmäßige Typen besonders eifrig, unterwürfig, treu und dankbar. Kennen Sie da auch einige ?
    Das Thema Zinsanhebung ordne ich mittlerweile einfach als unterhaltsames Theater ein, bei dem die Kulissenschieberin Janet eine lustige Rolle spielt. Das kann doch kein Erwachsener wirklich mehr ernst nehmen.
    Peinlich für mich hingegen sind die vom Michel geduldeten politischen und planwirtschaftlichen Zustände in Deutschland und deren penetrante staatlich gelenkte mediale Huldigungen.

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