Der gefährlichste Markt seit 2008

22. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Die Presse teilt uns mit, dass sich die Investoren Sorgen machen wegen schwachen Konsumausgaben in den USA und wegen fallender Produzentenpreise. Aber was erwarten Sie? Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer das Leben zieht sich vor unseren Augen zurück. Das ist ein Schock. Das ist so, als wenn man 60 wird und merkt, dass man sterblich ist…

Man wird in seinem Leben nicht eine unbegrenzte Summe Geld verdienen; wahrscheinlich haben Sie bereits das Meiste von dem verdient, was sie in Ihrem Leben insgesamt verdienen werden an Geld. Sie werden nicht eine unbegrenzte Zahl von Martinis trinken oder eine unbegrenzte Zahl von Freunden haben oder eine unbegrenzte Zahl an Konzerten hören.

Im Gegenteil: Diese Dinge sind in Ihrem Leben begrenzt.

Und wahrscheinlich schrumpfen sie bereits. Wie Ihre Größe. Und Ihre Ersparnisse. Die Jahre, die Ihnen bleiben die Male, die Sie krank werden oder betrunken. Alles wird kleiner. Dann müssen Sie sorgfältiger darüber nachdenken, was Sie mit den Zahlen machen, die Sie noch haben. Auch Bullenmärkte sind nicht unbegrenzt. Sie haben Lebenszyklen. Deren Tage sind gezählt, sogar bevor sie beginnen. Und wenn dies nicht der Anfang vom Ende eines Bullenmarktes ist, dann muss es das Ende des Anfangs sein.

Der Bär wartet und fragt sich, wieviele verzweifelte Seelen er mit sich nehmen wird. Die Investoren prüfen Ihre Depots und fragen sich, was sie mit dem Geld tun sollen, welches noch übrig ist. Ein schwacher Tag macht noch keinen Bärenmarkt. Aber je genauer man sich den US-Aktienmarkt anschaut, desto schlimmer sieht dieser aus. Er ist zunächst einmal überbewertet. Nev Davis Research nennt ein Shiller KGV des US-Aktienmarktes von 23 – was deutlich über meiner Grenze von 20 liegt. Mebane Faber berechnet das anders und kommt auf 25. Robert Shiller nennt als Wert etwas über 24.

Damit sind US-Aktien ungefähr doppelt so teuer wie die Aktien in Großbritannien. Und verglichen mit Russland sind US-Aktien vier bis fünf Mal so teuer, pro Dollar Gewinne (zyklisch angepasst). Verkaufen Sie Amerika kaufen Sie Russland. Wenn Sie sonst nichts wissen würden – was ungefähr bei mir der Fall ist –, dann könnten Sie annehmen, dass die US-Aktien hoch und die russischen Aktien niedrig bewertet sind.

Und wenn ich der einfachsten und ältesten und sichersten Regel der Investment-Welt folgen würde, dann würde ich US-Aktien verkaufen und russische Aktien kaufen. Niedrig kaufen. Teuer verkaufen. Was könnte klarer sein? Und was ist das? Der mächtige US-Aktienmarkt sieht plötzlich schwach und verwundbar aus. Market Watch dazu: „Die Rallye vom 8. Oktober war ein Fake. Die hätte Amateur-Investoren erfreuen können, aber in der Realität ist dies einer der gefährlichsten Märkte seit 2008 geworden.“

„Über Fakten lässt sich schwer streiten, aber mit ihnen lässt sich leicht tricksen. Der Russell 2000 ist in einer 10%igen Korrektur. Basierend auf der Geschichte sollte der Dow Jones Industrial Average nicht weit dahinter liegen. Eine große Korrektur oder ein Crash würde definitiver Beweis dafür sein, dass dieser Markt keine Kleider anhat. ()“

„An den schlimmsten Tagen des Marktes konnte die Fed bequemerweise erscheinen mit einem neuen QE-Programm oder dem Versprechen, die Zinsen auf beachtliche Zeit hinaus niedrig zu lassen (das wird alt). Bald allerdings wird das nicht mehr funktionieren. Eine gescheiterte Rallye bedeutet, dass die Party fast vorüber ist und dass ein Bärenmarkt näher rückt (und vielleicht schon da ist).

Ja, liebe Leser, der Bärenmarkt kann da sein. Oder nicht.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Der gefährlichste Markt seit 2008 (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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Ein Kommentar auf "Der gefährlichste Markt seit 2008"

  1. Michael sagt:

    2011 war lustiger in Europa QE2 am Ende und der EURO im Tal der Tränen. Langsam entpuppt sich aber die Meinung jener die aus U.S lastigen Unternehmen vor so ca. schwach 2 Jahren (wenn mich nicht alles täuscht) rausgingen als bestätigt und die vermuteten Risken nach genauer Abwägung der verbliebenen Chancen als realisierungsfreudiger denn allgemein hin herbeigewünscht.

    Wenn nach Halloween nicht der Schwarze Freitag sondern der Schwarze Tod über den U.S. Konsum hereinbricht ist der Käs abgebissen, in der Stunde der Wahrheit werden sich die Tore zum Höllenschlund auftun und das Weltwirtschaftswachstum endgültig hinter selbigem abfackelen. Die Frage ist allein nur – in welchem Jahr brummt der Bär. Wie laut ist beim nächsten Mal vermutlich gar nicht mehr so interessant.

    Börse Indizies sind wie Thermometer – je mehr Geld verbrannt wird desto ambitionierter steigen sie und wann der Ofen aus aus ist löscht das letzte Papier noch die Flammen. Was wiederum zeigt, dass niedrige Kurse ein Zeichen der Genesung sind.

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